Dienstag, 31. März 2009

Sonntag und Kirchgang IV


Eigentlich sollten wir am Sonntag nicht in den Gottesdienst gehen, meinte Vivian in einem mail - aber da waren Blanca und ich schon unterwegs. Warum wir nicht gehen sollten, das hatte uns am Sonntagmorgen bereits ein freundlicher "Hermano" de la Iglesia Metodista Pentecostal de Chile erklärt: Heute sei der Tag del Joven Combatiente, des "jungen Kämpfers", zur Erinnerung an die Gebrüder Toledo Vergara, die in den Protesttagen 1985 gegen das Pinochetregime umgebracht wurden - und an diesem Tag gäbe es immer Unruhen, wenn nicht im Zentrum, so doch zumindest in den Poblaciones, den bescheidenen Wohnquartieren um Santiago - um es einmal vorsichtig auszudrücken.
Also so ausführlich hat er es nicht erklärt, aber Quintessenz: Der Gottesdienst beginne gut zwei Stunden vorher um 16:00 statt 18:30 Uhr.
In der Statdt war es ruhig. Sonntagsstimmung als wir kurz vor 16:00 Uhr vor dem grössten evangelischen Kirchengebäude Chiles, der Caterdral Evangelica standen.
Dieses ist die grösste und älteste Pfingstkirche Chiles, entstanden aus den "erweckten" Gemeindegliedern der Iglesia Metodista in Valaparaiso. Die "Erweckung" markiert den Beginn der Pfingstbewegung in Chile 1909 und gleichzeitig den Beginn eines eigenständigen Kirchenmodells in Chile neben der römisch katholischen Kirche, den (us-amerikanischen) Missionskirchen und den Einwandererkirchen. (Zur Geschichte der Pfingstbewegung vgl mein Buch: Karl F. Appl, Die Geschichte der evangelischen Kirchen in Chile, Erlanger Verlag für Mission und Oekumene, 2006, S. 165 ff).)
Leider war von den 100 Jahren, die in diesem Jahr gefeiert werden soll(t)en nicht so viel zu merken. Na - vielleicht doch: ein Drittel der Kirche war abgesperrt: Baustelle: Wir erweitern unsere Kirche. Dann werden wohl noch ein tausend Menschen mehr in der Kirche Platz haben.
Am Sonntag waren nicht so viele im Gottesdienst. Ich schätze ca 1500 bis 2000 Gottesdienstbesucherinnen und -besucher. Ich war etwas enttäuscht. Die Platzanweiserinnen in ihren weissblauen Uniformen und dem schicken Käppi, die mich bei meinem letzten Besuch an Stewardessen erinnerten, hatten zu Beginn des Gottesdienstes nichts zu tun. Jeder suchte sich selber seinen Platz, und das obwohl - wie erwähnt - ein Teil des Platzes in der Kirche nicht zur Vefügung stand.
Ob es wirklich der "Dia del Joven combatiente" war, oder das Fussballspiel Peru gegen Chile in Lima, das um 19:00 anfing, welches schlussendlich den Ausschlag für den "schlechten" Gottesdienstbesuch gab weiss ich nicht. (Das Spiel endete 1:3 und bei den Unruhen gab es mindestens ein schwer verletztes Kind und mehrer Verhaftungen).
Vielleicht sind es ja auch die Spannung in der IMPCH selber, welche dazu führen, dass weniger Frauen und Männer im Gottesdienst sind. Ueber diese Spannungen hoffe ich noch mehr zu erfahren. Alles hält sich einfach bedeckt.
Der Gottedienst begann dann ziemlich pünktlich um 16:00 Uhr, obwohl die letzten Besucher noch gegen 17:30 kamen, und endete um 18:00 Uhr.
Auffällig war für mich, dass der "Kleiderzwang", der lange in der (den) Pfingstkirchen herrrschte, auch in der Methodisitschen Pfingstkirche aufgehoben wurde. Zumindest die Frauen kamen lange nicht alle in weissen Blusen und dunklem, halblangen Rock. Die Männer hingegen haben die Kleiderformalitäten weitaus mehr eingehalten und nicht nur die 11 oder 12, die Obispo Eduardo Duran Castro an diesem Tag begleiten und den Platz vorne auf der "Bühne" einnehmen durrften. Anteil Frauen/Männer in der Gemeinde = ausgeglichen. Viele Männer, die allein ein der Kirche waren. Ich hatte nicht ganz den guten Sichtwinkel, vielleicht waren sogar mehr Männer als Frauen in der Kirche. DAs Pfingstelement kam im Gloria a Dios, den erhobenen Händen und dem Gebet, in dem jede(r) laut für sich betet durchaus zum tragen, und da waren auch ein paar wenige, die während der Lieder tanzten.
Die Lieder (aus einem eigenen Liederbuch und im Rhytmus der "Schlager"des Beginns des vergangenen Jahrhunderts wurden von Gitarren, Mandolinen, Geigen und Schifferklavieren begleitet, zudem sang der Coro Polifonico (Kirchenchor). Ich schätze Chor und Gruppe auf 150 bis 200 Personen.
Die machten den Anfang, danach ein gemeinsames Gebet (knieend), ein gemeinsames Lied , Hinweise auf das Gemeindeleben - bis zu dem Moment, wo um Blutspende gebeten wurde, und die (erste) Kollekte, wiederum vom Chor begleitet - und hier kamen die "Stewardessen" zum Einsatz, und reichten den Klingelbeutel von Bank zu Bank.
Nach einem Lied kam dann unter dem Hinweis auf die "Hundert Jahre": eine Powerpointshow auf einer für die riesige Kirche viel zu kleinen Leinwand über den Beginn der Pfingstbewegung in den USA und Norwegen.
Bibellesung (alle stehen auf) und dann Predigt von Opispo Duran über den Glauben des römischen Hauptmanns.
Die Predigt war biblisch fundiert, durchzogen von eigenen Erlebnissen oder Erlebnissen von Geschwistern, sehr lebensnah und nur 40 Minuten lang.
Aber wir waren ja bereits vorgewarnt, der Gottesdienst wäre heute speziell, dazu gehörte wohl auch die Kürze.
Zwischenspiel: eine martiale Fassung mit viel Trommelwirbel von Luthers "Ein feste Burg ist unser Gott" und die zweite Kollekte. Diesmal von Männern mit noch viel grösserem Klingelbeutel eingesammelt, begleitet von Rufen: Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.
Es folgte das "Fürbittengebet", auch hier wieder die laut gebete Fürbitte und das Gemurmel derer, die ihre eigenen Gebete beteten. Ein Lied und noch einmal die Stewardessen mit dem Klingelbeutel. Danach ein ausführlicher Schlussegen und um 18:00 Uhr standen wir auf der Strasse, nicht ohne zuvor als Spende für den Bau noch einen Miniaturhelm als Schlüsselanhänger und Flaschennöffner! gekauft zu haben.
Nicht dass ich sagen würde, er habe mir ausserordentlich gefallen, dieser Gd, aber er war mir doch irgendwie viel vertrauter, als das Neopentecostale. Den Liedern hat etwas der Pfiff gefehlt, und es waren auch nicht so viele junge Menschen im Gottesdienst.
Dafür war hier noch etwas von dem zu erahnen, was die Pfingstbewegung am Anfang ausgemacht hat: hier sind alle herzlich willkommen, gleich ob arm oder reich, ob klein(wüchsig) oder gross, ob mit oder ohne Arbeit, ob Arbeiter oder Kofferträger, ob arbeitsloser oder Hausangestellte. Man sah den Gesichtern zum Teil an wieviel Leid und Entbehrung dieses Menschen in ihrem Leben (schon) getragen haben - und hier in der Kirche, hier sind sie zu hause, werden sie begrüsst, als Bruder und Schwester wahr genommen. Hier verspricht ein riesiges Bild: Der Herr ist dein Hirte. Und wenn es mir auch draussen vor der Tür mangelt, an vielem, hier ist warm, oder kühl, hier ist gut sein.
Wieviele (noch) mit diesem Gefühl in die Iglesia Metodista Pentecostal kommen, wieviel mit diesem Gefühl der Sicherheit im Gottesdiesnt waren weiss ich nicht. Die Website www.jotabeche.cl strahlt anders aus als die Anfänge. Aber bei den meisten von denen, die am Sonntag im Gottesdienst waren, steht das (aufrichtende) Wort des Predigers, das Wort Gottes im Mittelpunkt, dass das von Rufen, ja von Tanz und bei manchem mit Begeiterung aufgenommenwird, das ist Teil ihrer Kultur als Pfingstkirche.
Der Gottesdienst kann übrigens angesehen werden unter http://www.jotabeche40tv.com/ Gottesdienst vom 28. März

Sonntag, 29. März 2009

Sonntag und Kirchgang IIIa


Sie lässt mich nicht los, die Predigt und der Gottesdienst vom vorvergangenen Sonntag in oben abgebildeter Kirche. Ich mus die ganze Zeit darüber nachdenken: Was bewegt die Menschen dazu an DIESEM Gottesdienst teilzunehem?
Darüber sprach ich vergangene Woche unter anderem mit Daniel Godoy, dem neuen Rektor der Theologischen Fakultät der CTE. Daniel hat in Santiago und in Sao Paolo studiert, ist Dr. der Theologie, Mitglied einer (ökumenisch offenen Pfingstkirche - Mision Iglesia Pentecostal) und kennt die Pfingstbewegung praktisch und theoretisch.
Für ihn sind diese Neo-pentecostalen Gottesdienste wie eine katarsis, wie ein reinigendes Bad. Nach all dem Stress der Woche geht man am Sonntag - ohne weitere Verpflichtung - in den Gottesdienst. Schon auch um die Nähe Gottes (und die eigene Bestätigung) zu suchen - aber es bleibt doch sehr an der Oberfläche, es ist da keine Gottesdienstgemeinde.
Das was mich so berührt und mich soviel Kraft gekostet hat, ist: Es werden Emotionen aufgebaut - und dann geht jede(r) nach Hause, kein Schlussegen, keine gemeinsames Unser Vater, kein Abendmahl.
Es gibt in diesen Kirchen auch keine Kirchgemeinde-versammlung, keine (öffentliche) Instanz, die Strategie und Operatives der Gemeinde (mit)bestimmt, welche erklärt ich bin mit der Theologie einverstanden. Abgestimmt wird höchstens mit den Füssen: wem es gefällt der kommt wieder, und wem nicht, der geht wo anders hin.
Religion als Geschäft. Daniel brachte ein gutes Beispiel über die Zielgruppe: Diese Kirchen sind nicht am Bäcker interssiert, der morgens um 5 Uhr aufstehtund vesucht redlich sich und seine Familie durchs Leben zu bringen, sondern am Besitzer der Bäckerei, denn der bringt das Geld - und für den ist auch die (un)politische und und zugleich (un)heimliche Botschaft der Predigt bestimmt. Hier ist keine Befreiung, sondern Bestätigung der bestehenden Verhältnisse: Du bist der Boss, in der Familie und im Betrieb, und das muss noch deutlicher werden - und in dem Mass wie Du das Gott und Dir selbst zutraust, wird es auch eintreffen. Alles andere stört, eigentlich sogar mein Nächster, wenn er auch Besitzer einer Bäckerei ist, denn der ist mein Konkurrent.
Apropos Konkurent und Geschäft:
In Brasilien gibt es eine grosse Pfingstkirche Iglesia Universal del Reino de Dios, die (angeblich) ihre Kirchgebäude im Franchise verfahren vergibt. Der Franchisenehmer (Pfarrer) bezahlt monatlich 1000 UsD und der Rest gehört ihm, zur Gestaltung seines Lebens und zum Gestaltung des Gemeindelebens. Die Kirche ist in ganz Lateinamerika und auch in Afrika und in Europa zu finden. Die belgische Regierung stufte sie als "gefährliche Sekte" ein. (Quelle: http://es.wikipedia.org/wiki/Iglesia_Universal_del_Reino_de_Dios).
Ich bin nach wie vor davon überzeugt, das Evangelium ist dazu da, Menschen zu befreien, von dem was sie be- und unterdrückt, was sie krank macht, was sie nicht leben lässt, zu befreien von dem, was nicht Gottes gutem Plan für den Menschen und seine Welt entspricht. In der Iglesia Universal und in der Iglesia Casa del Senor, in der ich meine erste hautnahe Begegnung mit dem Neopentecostalismus hatte, ist das nicht der Fall.

Donnerstag, 26. März 2009

"Himmelwärts"


... ich denke, ich habe sie schon einmal erwähnt, die Hochhäuser, die in Santiago immer höher werden.
Im Stadtzentrum gibt es eine Strasse Nueva York, die so aussieht wie früher das Bankenviertel in New York, damit wollte man sich den Ruf der Weltsatdt Santiago noch untermauern. Heute nähert sich die Skyline Santiagos insgesamt immer mehr den Megacities dieser Welt an. Immer höher und immer schneller. Im Stadtteil Nuñoa, wo ich ein paar Jahre wohnte, ein einst "verträumtes" Wohnquartier, begann man schon vor Jahren mit den Hochhäusern mit 20 und mehr Stockwerken, was das Quartier nachhaltig verändert hat. Auch in Las Condes stehen hohe Häuser und Glaspaläste, überall wird gebaut - und in einer Geschwindigkeit, die fast nicht nachzuvollziehen ist.

Als wir vor 4 Wochen hier in den Stadtteil Providencia zogen, gab es am Eingang zur Strasse Pedro de Valdivia eine Baustelle. Nun die Baustelle wird keine 4 Wochen mehr da sein. Das Hoch-Haus ist fertig, die Balkongitter sind dran, die Balkon geweisselt und die Absperrung für die Wiederinstandstellung des Gehweges steht schon auf der Strasse.
Auffällig ist, dass - zumindest in Stadtteilen wie Nuñoa oder Providencia - meist kleine (Single) Wohnungen angeboten werden, was zeigt, dass die traditionelle Familienstruktur sich auch in Chile geändert hat: es gibt viel mehr allein Stehende, und ab einem bestimmten Einkommen haben Ehepaare nur noch ein oder zwei Kinder. Alles strebt nach oben - wobei die Frage ist, ob "oben" wirklich immer "besser" ist.
Heute morgen kam in den Nachrichten die Meldung, dass in Santiago etwa 6 Millionen Menschen leben (1990 waren es ca 4 bis 4,5 Millionen) und 1,5 Millionen Autos gemeldet sind (1990 ca 500.000). Die Strassen wurden (etwas) ausgebaut, die Metro ebenso. Ab Juni kommen noch längere Züge - und doch wird es immer hektischer, immer weniger durchkommen, vor allem in den Spityenverkehrsyeiten. Eliodoro Yañez, wo wir wohnen, ist eine der Hauptverkehrsachsen: vierspurig durchs Wohngebiet, und am Morgen gegen 8 Uhr setzt das Hubkonzert ein, weil alle vier Spuren "zu" sind.

Himmelwärts?
Apropos Auto. Ab 1. April gilt Restriktion. Das heisst sobald ein gewisser Grenzwert an Luftverschmutzung erreicht ist, dürfen Autos mit einer bestimmten Endnummer an diesem Tag nicht fahren. Das gilt (neu) auch für Autos mit Katalysator. Bei Pre-emergencia, so heisst das, dürfen pro Tag vier Endziffern nicht fahren (z.B. Autos, deren Zulassungsnummern mit 1-2 und 8-9 enden), und bei den "Dreckschleudern", die keine grüne Plakette haben, bei denen gelten pro Tag 6 Endziffern, das heisst die dürfen so gut wie nicht mehr auf die Strasse.
Man hofft, dass das so wenig wie möglich eintrifft - und dass Bus und Metro den Verkehr dann, wenn es eintrifft, aufrecht erhalten können, dann, wenn es so aussieht.

Dienstag, 24. März 2009

Begegnungen III

Sie bleibt noch nachzutragen, die Begegnung mit meiner chilenischen Vergangenheit. Es kommt einem ja so Manches in den Sinn, wenn man nach 10 Jahren wieder durch die Strassen läuft, die während 6 Jahren Teil der (Wahl)heimat waren; wenn man auch Zeit hat, darüber nachzudenken was war, und weshalb man heute da steht, wo man ist. Wenn man, wie in einem Spiegel vorgehalten bekommt, dass die Jahre nicht ohne Spuren vorbeibeigegangen sind, nicht an Ivan Zamorano - dem chilen. Fussballspieler, der eine zeitlang in Sankt Gallen spielte, und der heute Morgen in den Nachrichten war, da er an einem Benefizspiel teilnahm -und auch an einem selber nicht. Das sind eher so allgemeine Gedanken, die mir hier und da durch den Kopf gehen, manchmal diffus, manchmal bewusst, mit Aha-Effekten und auch mal mit einer gewissen Nachdenklichkeit.
Doch eine Begegnung mit meiner Vergangenheit, fast wie ein Blitzlicht, das die Bilder in schärfere Konturen stellt, hatte ich vergangene Woche:
Dieses "Blitzlicht", das diese Begegnung "erhellte", war das Treffen mit Dr. Sabine Dievenkorn, Mitarbeiterin von mission 21 in Concepcion. "Sabine Dievenkorn ist promovierte Theologin, Pastorin und Lehrerin. Seit März 2008 arbeitet sie als Dozentin für Praktische Theologie an der Evangelischen Theologischen Fakultät der CTE am Sitz in Concepción. Andreas Dievenkorn hat zugunsten der Familie bei Geburt der Kinder seine selbständige Tätigkeit in der Baubranche aufgegeben und widmet sich in Chile den vielfältigen Aufgaben mit den Kinder Ruben (6) und Liv (2) und dem Haushalt. ... Das Bildungsangebot der Evangelisch-Theologischen Gemeinschaft von Chile (CTE) ist aufgeteilt in ein Universitäts- und ein Extensionsprogramm. Als einzige theologische Ausbildungsstätte Chiles mit einer ökumenischen Trägerschaft bietet die CTE Studierenden aus allen Kirchen eine Aus- und Weiterbildung auf Universitätsniveau an, wobei die Abschlüsse staatlich noch nicht anerkannt sind. Im Vordergrund steht nicht nur die Wissensvermittlung, sondern es wird ein ganzheitlicher Entwicklungs- und Reifeprozess der Studierenden angestrebt." (Aus de Projektbeschreibung mission21)
Nun ja, an der CTE war ich von 1990 bis Ende 1996 als Dozent tätig, zwar in Santiago, aber das hiess Reisen nach Concepcion inbegriffen. Aber ich will nicht (in erster Linie) über die CTE schreiben, sondern über die Begegnung mit meiner Vergangenheit aufgrund dessen, wie Sabine mir ihre Ankunft in Chile beschrieb, wie sie ihre Arbeit in Concepcion heute sieht und aufgrund der Fragen, die sie mir stellte:

Kalt war es damals, als wir anfangs Oktober 1990 aus dem Flugzeug stiegen, dass uns via Sao Paolo nach Santiago gebracht hatte. Am Flugplatz wurden wir abgeholt. Unsere spanischkenntnisse waren sooo klein - und die englischkenntnisse unseres gegenübers nicht viel grösser.
Und dann hat man uns "abgestellt", bei einer "Schlummermutter" in der Nähe der Avenida Matta. Unsere Kids waren damals gerade mal 3 3/4 Jahre und wenige Wochen alt, zwei (kalte) Zimmer und der Kerosenofen stand in der Küche bei Sra. Maria. Wir wurden bekocht und krampfhaft versuchten wir ein paar Brocken zu verstehen. Es war die Zeit des "Uebergangs" in Chile, für uns und für die Chileninnen und Chilenen, nach 17 Jahren Militärdiktatur.
Für uns allerdings war unsere persönliche "Transicion" gar nicht so glücklich, wir fühlten uns wie eingespert. Waen nciht wir selber. Zwar hatten wir usnere Koffer, aber der Rest (Bücher, Computer, Kleider, Bettzeug) war noch in Fässern - irgendwo im Hafen von Valparaiso. Langsam wagten wir uns auf die Strasse, Sra. Maria immer überängstlich, wollte uns nicht gehen lassen, und von der CTE liess sich keiner blicken.
Abgestellt.
Kein Telefonanruf, nichts. Ich hatte keine Telefonnummer. Nichts. Keine Nachfrage wie es mir/uns geht. Keine Einladung zu einem Gespräch. Keine Einladung zur Vorstellungsrunde der übrigen MitarbeiterInnen.
Und das war das Echo auf die (verzweifelte) Anfrage aus Chile für einen Kirchenhistoriker.
Nach 10 oder mehr Tagen war ich es leid und wagte mich auf eigene Faust los. Welchen Bus muss ich nehmen? Wo muss ich aussteigen? (Zur Erinnerung es gab damals noch keine Bushaltestellen und der Bus hielt, wenn man ein Zeichen gab, zum Ein- bzw. zum Aussteigen).
Ich schaffte es zur CTE zu kommen und wurde dort vom damaligen Rektor herzlich mit einer Mischung aus spanisch und deutsch begrüsst.
Ich hatte eher das Gefühl: "Ach der ist auch noch da", denn gerade am Ende der Diktatur, hatten auch andere Institutionen der "ersten Welt" ihre Mitarbeiter nach Chile geschickt - und so sah ich mich bei der offiziellen Einladung ein paar Tage später umringt von einem kanandischen Mennoniten und einem nordamerikanischen Metodisten, die beide auch gerade angefangen hatten, zudem war da ein weiterer Nordamerikaner, der schon einige Zeit im Haus arbeitete, genauer im Fernkurs(Extensions)programm und ein Holländer, Stefan de Jong, der Altes Testament unterrichtete.
Im Rückblick kam ich mir recht überflüssig vor - und das blieb so, bis in Ende Februar und darüber hinaus.
Das gab mir/uns allerdings auch die Chance mit Hilfe von Roberta (Bacic) einer sehr guten Lehrerin, Spansich zu lernen. Dazwischen hatte ich einen "Auftritt" auf der "Universidad de Verano", einer Fortbildungsreihe einer der presbyterianischen Kirchen - und das wars dann bis März. Da hatten wir zumindest ein Haus gemietet und die Gesamtsituation hatte sich etwas gebessert. Und eine Hausangestellte hatte wir auch, eine ganz einfache Frau, Analaphabetin, die wir auf bitten des Vermieters mit übernommen hatten. Das klingt allerdinsg einfacher als es in wirklichkeit war.

Dazwischen waren Ferien, die war "genossen", mit dem eignen Auto, einem Chevrolet LUV 4X4 in den Süden und ich mit einer Muschelvergiftung, nach allen Regeln der Kunst, die mir wochenlang zu schaffen machte.
Jan, der Aelteste hatte grosse Adaptionsschwierigkeiten an den Kindergarten und wollte nach drei Wochen nicht mehr gehen, etwas das sich zum Glück mit dem neuen Semester änderte.
All das steht mir vor Augen als wäre es gerade erst passiert.

Meine "Arbeit" im nächsten Trimester bestand darin, dass ich Titus Guenther, meinen mennonitischen Kollegen zu seinen Vorlesungen inKirchengeschcihte begleitete.
Es war schwierig, nein schwer, diese erste Zeit. Die ganze Familie war wie orientierungslos. Wir die Erwachsenen waren mit viel Motivation losgezogen - und jetzt war es für uns so, als wären wir weder erwartet noch gewollt. Die Kinder waren ja nicht gefragt worden und Jan ging nur mit seinem Rucksack schlafen und fragte, wann wir wieder zum "Grosi" gehen. Wir wussten es doch selbst nicht.
Auch als ich dann endlich einen eignen Kurs hatte, hatte ich doch das gefühl, es sei der Leitung gleich. Nicht einmal, dass der Dekan im Unterricht vorbeigeschaut hätte - aber das ist wohl auch ein Kulturunterschied.
Erst nach bald zwei Jahren kam "meine Chance". Die lutherische Kirche, genauer, die eine lutherische Kirche, die IELCH hatte mich zu einem Vortrag anlässlich der Synode eingeladen. DAs Thema durfte ich selbst bestimmen: Es ging um die Vergangenheit dieser (deutschen) Kirche an der "Westküste", so der Name Chiles im Sprachgebrauch der Nazis von 1933 - 1945. Der Vortrag war nicht schmeichelhaft für die Kirche, aber so gut, dass der Dekan der CTE, der (per Zufall?) anwesen war, mir gratulierte und sagte: das wird veröffentlicht. Von nun an hatte ich das Gefühl, zur CTE dazuzugehören.
Nein. All das habe ich Sabine nicht oder nur zum Teil erzählt, denn eigetlich hatten wir uns getroffen, dass sie erzählen kann, wie es ihr, wie es ihrer Familie so geht, nach einem Jahr Chile, nach einem Jahr CTE und ihr jemand zuhört, der einen ähnlichen Weg gemacht hat.
Viel hat sie erzählt, die Zeit verging wie im Flug. Der Nachmittag war schnell vorbei.
Meine Gedanken stehen oben. Ihre - villeicht im nächsten Rundbrief, der bei mission 21 in 4003 Basel zu beziehen sein wird.

Nachtrag: Was ich gerade lese?
Helmut Frenz: Mi vida chilena - Solidaridad con los oprimidos. Erschienen 2006 bei LOM

Mittwoch, 18. März 2009

Sonntag und Kirchgang III

Am Sonntag musste ich am wenigsten weit zum Gottesdienst gehen und doch war alles so weit weg -- von eigener Erfahrung.
Es waren nur wenige "Quadras" bis zur Kirche "Iglesia Casa del Senor" im Stadtteil Providencia. Das Gebäude - ein von aussen ein nücherner Zweckbau. Kein Kreuz, keine Schrift, nichts wiess auf eine Kirche hin. Ich wäre wahrscheinlich vorbeigelaufen wären da nicht die vielen gut gekleideten Menschen vor dem Eingang gewesen. Also bin ich rein, wo sie auch rein sind. Ja, es war eine Kirche, obwohl der erste Block beim Eingang auf den Lift fiel, der zu den Gebetsräumen, WC, und Cafeteria führte. Linkerhand der Eingang in denGottesdienstraum. Ein riesiges Kreuz in einem schlichten Raum und das Rednerpult, ca zwei Meter breit auf winwe Bühne nahm meinen Blick zuerst war.
Die hinteren Reihen waren noch alle frei, aber mit einem Seil abgesperrt, so dass alle Menschen, die langsam in die Kirche kamen, vorne sitzen mussten. Nun, ich setzte mich in die Reihe, die gerade noch nciht abgesperrt war, was mir gleichzeitig auch einen guten Blick garantierte. Vorne auf der Bühne die Band: Schlagzeug, Keyborad, Percussion, eine Gitarre, Violine und Flöte, dazu ein kleiner Chor aus 5 Personen. Die Menchen im Gottesdienst waren alle gut gekleidet, und in meinen Augen gar nicht "pfingstlerisch", will heissen, dunkler Anzug und Krawatte für die Männer und halblange Röcke für due Frauen, zumindest war das Mitte de Neunziger bei den Pfingstkirchen so, ab er bei der Casa del Senor handelt es sich nicht um eine "traditionelle" Pfinstkirche, sondern um Neo-Pfingstler, den den Pfingstkirchen vorwerfen, sie hätten den Geist der ersten Stunde verraten. Die Männer elegant, aber eher informell gekleidet, die Frauen, ärmellose Blusen, auch mal rückenfrei, hier und da geschminkt. Das Publikum, relaitv jung, im Durchschnitt auf keinen Fall über vierzig, eher 35. Die Kinder haben drei eigenen Gruppen, aber da ist auch die elegant gekleidete gut Siebzigerin. Viele junge Paare, bis zu "turtelnden" Pärchen. Der Anteil der Frauen über 50 %, villeicht sechzig, was umgekeht heisst, ca 40% Männer. Es kommen immer mehr. Die vier (einheitlich) gekleideten Platzeinweiser vom "Ministerio de Segurdiad y Orden" , also vom Dienst für Sicherheit, haben alle Hände voll zu tun, um noch hier zwei, dort drei, und hier naoch zweimal einen freinen Platz zu finden und zuzuweisen. Ich versuche zu schätzen, wie viele Menschen da sind: wahrscheinlich sitzen im Kirchenraum etwa 500 Personen, eng gedrängt auf den Stühlen, und auf der Empore ca 250 bis 300. Die Kirche ist fast voll, als um Punkt 11 aus dem OFF ein Gebet tönt, in dem der Heilige Geist um Anwesenheit in diesem Gottesdiesnt gebeten wird - und dann setzt, nein, heizt die Band ein. Die letzten Nachzügler bekommen einen Platz zugewiesen, auf der linken Seite sehe ich zwei Rollstühle, auf der Rechten ist die Seite der Gehörlosen, ihnen wir der Gd übersetzt.
Die Band spielt laut und schnell, der Text wird mit einem Beamer eingeblendet, nach dreimal wiederholen können allle mitsingen, die Musik heizt ein: auf der linken Seite sehe ich eine Frau die sich die Schuhe auszieht, damit sie besser tanzen kann, sie ist nicht die Einzige. Je länger die Band spielt, desto mehr nimmt die Szene da Bild eines Rockkonzertes an, die ersten Fans stürmen nach vorne und tanzen ausgelassen vor der "Bühne", auf der auch das Rednerpult steht. Frenetischer Beifall, der zwar Gott loben soll, aber ich bin nicht sicher, ob nicht die BAnd damit gemeint ist. Jetzt werden die Lieder etwas ruhiger, nach einer halben Stunde dürfen sich alle setzen.
Der erste Auftritt eines Predigers kommt, der kurz unter Hinweis auf eine alttestamentliche Bibelstelle, die darauf hinweist, dass das Volk Israel seinen Besitz vor die Prieser brachte, damit diese es veteilten die Kollektenrunde einläutet.
"So wir jetzt Gott gelobt haben, in Liedern, so wollen wir ihn jetzt mit unserem Zehnten und mit Kollekten loben. Wer möchte heute seinen Zehnten zahlen? ca 20 - 30 Hände gehen hoch. Die Platzanweiser verteilen die Couverts.
Wir wollen nun alle Gott loben. Alle sind eingeladen ihren Zehnten und ihre Kollekte nun nach vorne zu bringen, aber bitte nicht drängeln, schön geordnet, erste die auf der linken Seite, dann die auf der rechten und am Schluss, alle von oben. Eine lange Reihe bewegt sich durch die Kirche hin zur Bühne auf der eine Kupferkiste mit einem Schloss steht, hier hinein kommt das Geld. Hier und da kann ich sehen, was die Menschen in der Hand halten. Es sind keine Münzen sondern Scheine, und nicht nur 1000 auch 10.000 pesos sehe ich. Und fast alle gehen. Das Geld istt für die Kirche, wofür? Keine Erklärung. Ich rechne aus, wenn nur 500 etwas gegeben haben, und wenn der Schnitt nur 2000 Pesos sind - und es waren sicher mehr, dann sind da 1 Mio pesos eingekommen . Zur Erkärung. Wir zahlen für die möblierte Wohnung monatlich 250.000 Pesos (kalt).
Ein Dankgebet wird gesprochen.
Die erste dreiviertelstunde ist vorbei. Jetzt kommt der Prediger:
Helle Hose, helles Hemd, Kravatte. Er braucht die ganze Breite des Rednerpultes und mehr.
Aufhänger ist: wie sollte es sein, die Krise - und wie man sie überleben kann: indem man auf das Wort Gottes hört. Wie hat das Volk Israel die grosse Krise der Hungersnot überlebt, so wird gefragt. Indem Josef in Aegypen auf Gottes Wort hörte und diesen Traum dem Pharao erklärt hat, so wie Gott es ihm vorher erklärt hat.
Allein auf das Wort Gottes kommt es an, alles andere klärt sich dann, aber das Wort Gottes ist nicht teilbar, da kann man nicht auswählen, die ganze Bibel ist Gottes Wort, und zwar so , wie es geschrieben ist.
Aber der Teufel, ja den gibt es, der lauert hinter jeder Ecke, mit seinen giftigen Pfeilen und will er uns vom festen Felsen des Glaubens stürzen, will uns abschiessen, so wie er Hiob abschiessen wollte, Hiob kam in eine grosse Krise, aber er hörte immer und in jeder Situation auf Gottes Wort.
Der Teufel will sich, wenn er es nicht im "Kampf" schafft, einschmeicheln. Er benutzt alle möglichen Mitteln: "Die Anarchie ist der Cheerleader des Teufels", und die Anarchie , das will Gott nicht. Römer 13: Alle Obrigkeit ist von Gott, wird zitiert.
Ich muss schlucken, da fehlt aber ein bisschen Geschichtsbewusstsein, aber dieses Gehorchen beginnt viel früher.
Im Galaterbrief steht, dass die Frauen ihren Männern untertan sein sollen, ich erwarte hochgezogenen Augenbrauen, oder Schlimmeres. Nichts geschieht, es werden zwar auch die Männer ins Gebet genommen, denn der Vers geht weiter: und ihr Männer liebt eure Frauen.
Und die Kinder. Auch sie müssen gehorchen, das steht schon in den 10 Geboten, und zwar nicht nur den Eltern, sondern auch ihren Lehrern. Wie aber sieht es auf den Schulen aus, jeder macht jederwas er will, da ist Anarchie. Es geht darum, Gottes Wort ganz zu gehorchen, auch den Pastoren.
Ich merke wie ich immer nervöser werde.
Wo ist die befreiende Botschaft des Evangeliums?
Aber "zum Glück" ist nach gut 45 Minuten die Predigt über Krise, Anarchie und Unterwerfung unter das Wort Gottes und das des Predigers fertig.
Es folgt ein Zwischenspiel, ein langes Gebet, noch zwei Schlusslieder, in denen wieder die Band auftritt, und dann werden die, die ein perönliches Gebet möchten, nach vorne geladen. Vielleicht 50 Personen gehen nach vorne, Andere gehen nach hinten. Ich in verwundert.
Wie weiter? Der Gottesdienstraum leert sich. Kein Unservater, kein Schlussegen, alles läuft auseinander. Ich warte noch einen Moment und gehe dann auch.
Ein heisser santiaginer Sommer umfängt mich, auf der "Pedro de Valdivia" herrscht (sonntägliche) Ruhe, eine ältere Frau sitzt auf einer Prkbank und geniesst diese Ruhe, das Liebespärchen zwei Bänke weiter ist mit sich selbst beschäftigt.
Von Chaos, Krise, Anarchie keine Spur.
Zuhause gibt es Mittgessen, Blanca hat alles vorbereitet, die Steaks noch in die Pfanne und die Sosse machen, das ist meine Aufgabe.
Nach dem Essen und dem Abwasch, muss ich mich etwas ausruhen, ich bin müde, so richtig kaputt uns schlafe auf dem Sofa im Wohnzimmer, bis ins Schlafzimmer habe ich es nicht mehr geschafft.
Der Gottesdienstbesuch hat mich fertiggemacht.
Wie kann man Menschen so manipuieren - und wie lassen sich Menschen so manipulieren. Es waren ja nicht einfache Leute, die mit Mühe udn Not eine Schulbildung abgeschlossen haben, sondern Menschen, die der Mittelschicht oder sogar weiter oben anzusiedeln sind , und die haben in den meisten Fällen eine (universitäre) Ausbildung.
Und lassen sich in eine Zeit katapultieren, die nicht heute ist.
Sie wollen geführt werden, einfache Anworten haben.
Aber die Welt hat keine einfachen Antworten.
Das Reich Gottes schon, so der Prediger, denn es handelt sich um eine Königreich, mit einem Herrscher, der alles weiss und der Gehorsam forderte, weil er Gott st . Das Reich Gottes ist keine"spirituelle Demokratie". Damit hatte die Prdigt geendet.
Welche Saat wird hier geät, in den Neopentekostalen Kirchen?

Donnerstag, 12. März 2009

Oekumene in Chile

Dass die kirchlich-religöse Welt in Chile vielfältig ist, das wusste ich ja. Was sich allerdings in den letzten Jahren geändert hat ist, dass diese vielfältige Welt versucht, Gremien zu schaffen, in denen man miteinander spricht, untereinander austauscht, gemeinsam Dinge plant, oder zumindest abspricht.
Eine dieser Einheiten, mit einigem Gewicht, ist die Fraternidad Ecumenica de Chile. Man trifft sich einmal im Monat reihum. Diesmal war dieses Treffen, verbunden mit einem Mittagessen im Convento San Fracisco in Santiago Centrum, im Franziskanerkloster das (immer noch bewohnt) der ältesten Kirche der Stadt angeschlossen ist, und das wenige Meter von einer der Hauptverkehrsachsen der Stadt, der Alameda, eine Insel der Ruhe ist. Die Franziskaner waren Gastgeber, sie sind Teil dieser Fraternidad. Kardinal Errazuriz schickte ganz offiziell einen Vertreter, und auch ein hoher Vertreter der orthodoxen Kirche war anwesend. Die Evangelischen waren vertreten unter andem durch David Munoz, er ist Capellan der Kripo und Juana Albornoz, sie ist die evangelische Capllana am Regierungssitz, der Monda, ausserdem waren u.A. anwesend, Gloria Rojas, von der IELCH, einer der lutherischen Kirchen, auch Methodisten waren da, der Vertreter der Bibelgesellschaft, und ein weiterer Orthoxoer Vertreter, Juan G. Prado, der Berater im Kongress ist.
Da ich zu früh kam, konnte ich mich längere Zeit mit Humberto Lagos unterhalten, dem "Minister für Religionsangelegeheiten" der chilenischen Regierung. Von ihm bekam ich einige Hintergrundinformationen über die Einführung des "Reformationstages" in Chile, über den Prozess der "offizialisierung" der (Pfingst)kirchen und die (drohende) Spaltung der Iglesia Metodista Pentecostal, die wohl (nach seiner Meinjung) in drei Teile auseinanderfallen wird, etwas, was nicht ohne Konsequenzen an der (evangelischen) Kirchenlandschaft vorbeigehen wird, ist die IMPCh doch die grösste Pfinsgtkirche - und das im Jahr, das mit grossen Feiern (100 Jahre Pfingstbewegung) hätte in die (Kirchen)geschichte eingehen können.

Begegnungen II

Plaza Ñuñoa, ist wohl den meisten Menschen in Santiago ein Begriff, selbst wenn sie noch nie da waren, kennen sie den Namen. Bekannt ist "die Plaza" wegen ihrer europäisch anmutenden Konstruktion des Rathauses, vor allem aber wegen der Restaurants und Bars.
Das war nicht immer so.
Als Pancho R. Ende der 80er Jahre aus Kanada, aus dem politischen Exil zurückkam, gab es in diesem im Barrio Residencial ein paar weit verstreute Restaurants, eines davon an der Plaza - eingerichtet wie der Wartessal eines Bahnhofs.
Von Kanada her war er anderes gewöhnt. Der Platz ist sehr schön, das war sein Gedanke, aber er ist tot, da müste man doch was machen. Immer wieder schaute er sich die Läden an der Plaza an ... und eines Tages wurde einer verkauft.
Er ergriff die Chance - kaufte das Lokal und eröffnete ein Cafe, und als das Geschäft nebenan verkauft wurde, kam die Bar dazu.
Nun ein Cafe eröffnen ist noch keine Kunst Menschen müssen kommen, interessante Menschen, sodass andere auch kommen wollen - und hier half ihm Eileen Shea, seine Ehefrau http://www.eileenshea.cl/homeingles.htm , die kannte Leute aus Show und Theater und dann, ab Anfang Mitte der 90ziger füllte sich die Plaza. Andere Restaurants und Bars kamen dazu. Es ist was los auf der Plaza, und manchmal ist es so überfüllt in den Lokalen, dass man weiterziehen muss.
Vorgestern abend war es nicht voll, aber wir sassen auch nicht an der Plaza, sondern bei Pancho und Eileen im Garten. Senora Rosa hatte den Tisch bereits gedeckt. Sergio und seine Frau würden noch kommen, hiess es. Wir waren um halb acht da. Eingeladen war auf sieben Uhr, Sergio und Elisa um halb 9. Nun das gab uns Gelgenheit auszutauschen was so geschehen ist in den letzten Jahren, wie es gemeinsamen Freunden geht. Natürlich die gegenseitige Frage nach den Kindern. Sie sind Grosseltern und Pancho meinte, ich sollte endlich mal älter werden. Klar sind sie älter geworden, wie alle anderen auch, aber ihren Humor und ihre Lebenfreude haben beide nicht verloren. Eileen ist immer für einen guten Spruch zu haben (siehe auch Video, leider nur auf spanisch)
Und dann gibt es Abendessen, Pancho hat gekocht, das heisst, am Morgen war er erst auf dem Markt. Auf dem Tisch steht, neben einer Flasche Wein ein riesiger Aluminiumtopf. "Curanto" gibt es, das heisst: Fisch, Rindfleisch, Schweinefleisch, Huhn, zwei Sorten Muscheln und noch scharfe "Wienerli", alles auf kleiner Flamme für Stunden geköchelt, und das ergibt dann mit Kräutern und Gewürzen noch eine ganz speziell gewürztes Suppe.
Beim Essen wird über die Welt und Gott diskutiert. Sergio ist ein belesener Altkommunist, Elisa würde ich als Humanistin bezeichnen, Eileen ist (trotz/oder wegen ihrer theologisch/philosophischen Ausbildung bei den Nonnen in Kananda Agnostikerin, Pancho wollte mal Priester werden, aber das Leben wollte es anders, dennoch war er in der Zeit in den Pinochett-Kzs "El Cura", der Priester, der manchen auf dem letzten Weg begleitete. Mit der kath. Kirche hat er nichts mehr zu tun, aber er bezeichnet sich als Christ, und seine Prägung wird im Gespräch schnell deutlich, dazu noch Blanca in der Diskussionsrunde und ich als evangelischer reformierter Pfarrer. Es geht um Weltwirtschaftskrise und um den Bückling der Präsidentin vor Prinz Charles, es geht um die nächsten Präsidentenwahlen in Chile, (Notgedrungen noch einmal Frei statt der Mumie Pinera), es geht um Wirtschaftsethik und darum, ob die Goldene Regel als Grundlage einer allgemeien Gesetzgebung dienen könnte, oder ob es nicht doch die Zehn Gebote wären, und ob die erste Tafel dann auch gelten würde. Elisa hingegen meint, mit der der geistigen Entwicklung des Menschen würde Religon sich selbst abschaffen, einer These, der ich vehement widerspreche, während Sergio zugibt, dass auch der Kommunismus eine "religiöse" Seite habe. Wir merken nicht wie die Zeit vergeht - und so ist es fast Mitternacht, bis Blanca und ich wieder zu Hause sind.
Ach übrigens, eingeladen waren wir "por un rato en la tardesita" das heisst für einen kurzen Moment am Nachmittag.

Begegnungen I


Von Miguel war ja schon die Rede, nachzutragen bleibt noch, dass er immer wieder mit neuen Menschen zusammenkommt und Menschen auch zusammenbringt. Er braucht eigentlich kein FACEBOOK um zu sagen: Ich kenne den und den, wie zum Beispiel den Profifussballer Carlos und seine Verlobte Madeleine. Er aus Santiago, sie aus einem "Nest" mit 80 Einwohnern in Brandenburg. Sie hat vor einiger Zeit einen Coiffeur-Salon im Barrio Alto, in Las Condes eröffnet - und er will noch höchstens ein Jahr profimässig Fussball spielen und dann studieren. Lehrer will er werden, Grundschullehrer, den im Training mit Jugendmannschaften hat er gemerkt, dass es den Jungs an männlichen Identifikationsfiguren in der Schule fehlt.
Sport und Geschichte, das wärs - und reisen will er: In Deutschland war er schon, in Neuseeland hat er mal ein halbes Jahr gearbeitet - auf dem Bau. Carlos weiss, was er will und wovon er redet.
Spannend finde ich es dann oft, wie Menschen auf ihren Glauben und ihre Religion zu sprechen kommen, wenn sie erfahren, wer ihr gegenüber ist. Mit einem Pastor bei einem Glass Wein zusammenzusitzen, das konnte Carlos sich gar nicht vorstellen, und nicht nur, weil er katholisch ist.
Zusammen sassen wir an der Plaza Ñuñoa, im Cafe "El Amor nunca muere". Die Plaza ist immer noch "in", der Treffpunkt. Und das führt mich/uns zur nächsten Begegnung.

Mittwoch, 11. März 2009

Crisis - what crisis? oder: Auf welche Not antworten WIR?

Argomedo 40
Das ist seit vielen Jahren die Adresse des Oekumenischen (Studien) zentrums Diego de Medellin. Hier treffen sich Männer und Frauen, Evangelische aller Schattierungen und Katholiken, hier wird Gender- und Frauenarbeit gemacht. Aids und Gesundheit stehen auf dem Programm, ebenso wie Stärkung des Selbstbewusstseins der Frau, hier wird politisiert und (vielleicht auch) Politik gemacht. Hier ist der Raum, um Forschung zu betreiben, wenn es z.B. um das Themengebiet Pfingstkirchen oder Mapuche ( die wenigen ursprünglichen Bewohner des Südens Chiles, die den Ansturm der Spanier und den der zweiten chilenischen Republik überlebt haben) geht. Hier treffen sich Chilenen und Chileninnen, Holländer und Deutsche, Schweizer und auch mal ein US-amerikaner- und alle mit dem Ziel, mehr zu wissen, besser zu verstehen, was die chilenische Gesellschaft und die chilenischen Kirchen bewegt - und das aus der Perspektive derer, die sonst (kaum) eine Stimme in dieser Gesellschaft haben, und hier wird - last least - die Zeitschrift Pastoral Popular (www.pastoralpopular.cl) gemacht und herausgegeben.

Gestern war ich von Raul Rosales, dem Mitglied des Exekutivsekretariats von Diego de Medellin eingeladen an der mesa von mission21-Chile (www.mission21chile.cl) teilzunehmen. Im ersten Teil ging es darum, sich einmal mehr den kirchlichen und religösen Kontext, in dem die Partnerorganisationen von misson 21 Basel arbeiten, einmal mehr bewusst zu machen.
Einige der Anwesenden, alles Mitglieder von Partnerorganisationen, kannte noch noch von früher, wie Fernando Aliago Rojas, kath. Historiker und einige Zeit Professor an der renommierten Universidad Catolica, oder Josefina Hurtado, und Eduardo Cid. Ein "neues" Gesicht: eine PEPlerin (Profesional Exposure Program) von mission21, Regula Hälg aus Muolen/SG, die ab sofort für ein halbes Jahr im AIDS-Programm mitarbeitet.
Sitzungsleitung hatte Juan Sepulveda, einer der ausgewiesenen Kenner der chilenischen Pfingstgeschichte und -bewegung.
Er gab mir zunächst die Möglichkeit eigene Fragen im Zusammenhang des Verhältnisses von historischen und Pfingstkirchen zu stellen, um zu schauen, welche die versammelten Frauen und Männer aufnehmen würden. Zwei Punkte sind mir, neben anderen wichtig geworden:
Eine betrifft die Forschungsarbeiten zum Thema, nämlich dass hier oft die Frauen nicht wahrgenommen werden, und - obwohl 70% der Mitglieder der Pfingstkirchen Frauen sind, erscheinen auf Leitungsebene ganz wenige, im einstelligen Prozentbereich - und so werden sie in der Forschung - ausser in Bezug auf Spezialthemen auch wahrgenommen. Pfingstkirchen, das ist aber viel mehr, als die Herren in dunklen Anzügen und mit Krawatte.
Und so war es auch eine Frau, die die für mich entscheidende Frage an diesem Morgen stellte:
Auf welche Notwendigkeit gab die Pfingstbewegung vor 100 Jahren eine Antwort - denn wenn da keine Not gewesen wäre, dann hätte sich dieses Feuer der Begeisterung nicht so schnell in Chile ausbreiten können, dass Pfingstler trotz Ablehnung und Verfolgung (sic), diese Bewegung der Aermsten, in 100 Jahren fast 20% der Bevölkerung ausmachen.
Worauf antworteten die Pfingstkirchen - und wie?
Josefina Hurtado nahm die Antwort auch vorweg: Es war eine comunidad acogedora y sanadora, eine offene Kirche, in der Jede/r kommen konnte und als Mitglied der Familie, als Bruder und Schwester aufgenommen wurde, und diese offene Aufnahme, war verbunden mit einer menschlichen Aufnahme. Die Menschen, die in die Kirche kamen, wurden als Menschen und nicht als Menschen zweiter Klasse oder gar als Arbeitstiere angesehen.
Wo ist diese Menschlichkeit diese offene Herzlichkeit und Ehrlichkeit geblieben, im Kampf der Hierarchie(en), wenn es heute in (einigen) Pfingstkirchen darum geht, das Terrain abzustecken.
Was wurde aus dem Feuer der Begeisterung auf dem Weg zur Institutionalisierung - und wo werden die (nunmehr bald historischen) Pfingstkirchen in 100 weiteren Jahren sein - oder ist da noch etwas von dem Feuer heute in den "Neo-Pentecostales" - wobei ... ab er darüber werde ich bei Gelegenheit mit mehr Hintergrund hoffentlich etwas schreiben können?
Mir liegt vielmehr eine andere Frage nicht auf der Zunge, aber sie steckt mir in den Fingern:
Welche Not (geistig-spiritueller Art spürten die Menschen vor bald 500 Jahren in Deutschland, in der Schweiz, ja in ganz Europa, dass aus einem Thesenanschlag eines Professors irgendwo in der tiefsten Provinz Deutschlands eine Bewegung werden konnte, die die ganze Welt überzog.
Weshalb dieser Hunger nach dem Evangelium.
Und diese Frage, denke ich, ist auch die entscheidende, wenn wir uns heute in Europa in den historischen Krichen Gedanken darüber machen, wie wir Gemeindeaufbau betreiben, wie wir Menschen deutlich machen, dass Kirche FUER SIE wichtig ist.
Wofür ist sie wichtig? Dass man in weiss in de Kirche heiraten kann, oder dass die Beerdigung gesichert ist. Ich will das weder schlecht und noch weniger lächerlich machen, aber: auf welche Not der Menschen antworten wir? Gibt es keine Not mehr? Oder hat sie andere, viel subtilere Formen.
Und die daraus resultierende Frage.
Wie antworten wir?
Ich denke, darüber sind mehr als ein Buch geschrieben worden - aber der zündende Funke war wohl nirgends enthalten.
Wahrscheinlich braucht es nciht nur einen, sondern veschiedene Funken, die je nach Land, je nach Kultur verschieden sind. Welche Funken müssen an welcher Stelle überspringen, dass deutlich wird, das Evangelium war nicht eine gute Nachricht, die den Menschen, Männer Frauen, Kinder Jugendlichen den Weg in das volle, ja fette Leben führen sollte, sondern IST die gute Nachricht - heute.

Montag, 9. März 2009

Sonntag und Kirchgang II

Nun gestern war es wirklich ein Kirchgang, ohne Taxi, ohne Bus ohne Metro. Es war ja nicht so weit, ca 25 minuten, um zum Templo de la Iglesia Metodista im Stadteil Providencia, in dem wir wohnen, zu kommen.
Die Kirche - ein traditioneller Bau, ich würde sagen Anfang des vergangenen Jahrhunderts, mit Bänken, und dem Altar gegenüber dem Eingang. Ich kam relativ früh, wurde begrüsst. Ah sie sind das erste Mal da, was führt sie zu uns, wie heissen sie... Ich stelle mich vor: Karl Appl - mein Gegenüber macht grosse Augen. Entfernt sich ohne gross was zu sagen und kommt mit dem Pfarrer zurück, um ihm zu erklären, dass das DER Karl Appl sei, der das Buch geschrieben habe, mit dem sie an der Uni unterrichte. Ich werde noch anderenMitgliedern vorgestellt, bis sich mit (gewohnter) lauter Stimme einer meiner ehemaligen Arbeitskollegen an der CTE, der Soziologe Arturo Chacon, anmeldet. Die Herzlichkeit kennt kaum Grenzen. Die Kirche füllt sich langsam - aber stetig. Platz wäre für gut 100 vielleicht 120 Personen, anwesend sind ca 80 bis 90. Doch da ist ein Unterschied zur lutherischen Gemeinde am vergangenen Sonntag. Dort war das Publikum altermässig relativ gut durchmischt, hier fühle ich mich fast wie zu Hause. Viele in Ehren ergraute Häupter, dazwischen ein paar Mitvierziger, ein jugendliches Ehepaar, eine Theologiestudentin, die beiden Helferinnen und der Mitarbeiter der Sonntagsschule, die mit 8 Kindern nicht übermässig besucht ist - und doch gibt es einen Unterschied: etwas 1/3 der Anwesenden sind Männer, was sich dann auch beim Gesang zeigt.
Als Instrument dient eine elektronische Orgel, die Lieder sind in der Mehrzahl Lieder der Erweckung Ende des vorletzten Jahrhunderts, einfach im Text und einfach singbar. Die Gitarre kommt nur zum Einsatz, als die Kinder ein Lied vorsingen.
Der Gottesdienst geht insgesamt fast 2 Stunden, wobei der erste Teil bestimmt ist von Liedern, einem langen Dankgebet, (das eine Frau aus der Gemeinde spricht, und das von Zwischenrufen einiger Anwesenden mit mehrfachem AMEN unterstrichen wird), Fürbitten, in denen aus der Gemeinde gesammelt wird, wer Fürbitte benötigt, Vorstellung der Gäste (ich bin nicht der Einzige), Mitteilungen der beiden Pfarrer, die den Gottesdienst leiten, die Frage wer in der vergangenen Woche Geburtstag hatte (niemand - zumindest meldet sich niemand), dazu eine (ungeplante) Intervention einer Frau zum Tag der Frau (8. März), die (geplante) Verteilung der Geschenke an die anwesenden Frauen, das (offene) Einsammeln der Kollekte und dann kommt, nachdem wir erfahren haben, dass die Schwester xy am Mittwoch eine Staroperation haben wird, die Bibellesung. Jeder nimmt sich die Bibel, die vor ihm in der Bank steckt vor, und liest mit. Die Predigt hält Osvald0 Navarette, ehemaliger, seit vielen Jahren pensionierter Mitarbeiter der CTE. Er predigt gut 25 Minuten. Ich brauchte ein bisschen Zeit, bis ich "drin" war, sie war mir etwas zu stark am Bibeltext - aber dann hat er doch die Kurve hinbekommen- und schlusendlich fand ich es eine interessante Predigt.
Nach der Predigt Einladung zum Abendmahl. Bei den Lutheranen, versammelten wir uns im Halbkreis um den Altar und das Abendmahl wurde stehend ausgeteilt. Hier bei den Methodisten war es kniend - im Halbkreis um den Altar - auch das dauerte seine Zeit. Der Gottesdienst hatte um 11:30 Uhr begonnen, um 13:15 stand ich in der Strasse des 11. September und machte mich auf den Heimweg. Kirchgang braucht Zeit.

Samstag, 7. März 2009

La Comunidad Teólogica Evangélica de Chile (CTE) I

Nun es steht nicht mehr so gut um diese Institution (in der ich einige Jahre, zuletzt als Dekan, gearbeitet habe) wie auch schon. Was nicht heisst, dass es auch nicht schon früher Schwierigkeiten gab. Nun aber sind in den letzten Jahren (zumindest am Sitz in Santiago) die Studenten immer weniger geworden. Immer weniger Nachfrage führte dazu, dass das Gebäude mit seinen vier Stockwerken nicht mehr in seiner Totalität gebraucht wurde. Zwei Stockwerke sind seit einiger Zeit vermietet und in den Stockwerken 3 und 4 funktioniert die CTE.
Das Schuljahr hat noch nicht angefangen, aber Sekretärin, Cuidador, also der der aufs Haus aufpasst, der Rechnungsmensch, der Studiensekretär und ein Professor waren da. Alles "alte" Bekannte. Grosses Hallo - denn ich kam unangemeldet - und dann wurde bei einem (Nes)cafe ausgetauscht was ist und was war, welches die Projektionen sind (ab 2011 muss jeder Religonslehrer einen staatlich anerkannten Titel haben) und welches die Herausforderungen. Dass sie einen neuen Rektor bekommen werden, einen Pfingstler (vor Jahren fast unvorstellbar) und dass sie verstärkt in den Kirchen auftreten werden. Es klang recht positiv. Auf jeden Fall wollten sie ncoh vertiefter mit mir reden und ich werde ich noch ein paar Termine haben. Vor allem der neue Rektor, den ich noch von früher (als Student) kenne, und der dann in Brasilien studiert hat- dürfte ein interessanter Gesprächspartner für mein Thema sein.
Noch ein Ereignis am Rande. Während wir so am Reden sind kommt ein grosser, stattlicher Mann mit Anzug und Priesterkragen rein, begrüsst die Anwesenden, ich stelle mich vor: "Karl Appl, soy..." "Ud. no tiene que presentarse...", ... Sie müssen sich nicht vorstelle, ich weiss wer Sie sind, ja ihr Baum (der Stammbaum der Kirchen, den ich einmal gemacht habe) ist in meiner Kirche eingerahmt, so damit ihn jeder sehen kann. Eine ganz gute Sache, die Sie da gemacht haben...
Nun man freut sich und ist verblüfft.
Und dann kam noch eine Einladung zu einem ökumenischen Pfarrermittagessen. Mal sehen, was daraus wird.

Grosse Freude


... als am Dienstag am späten Nachmittag Miguel anrief. Miguel- früherer Nachbar und Freund, einer von denen mit denen man Pferde stehlen kann. Um 19:00 rief er an, umd 20:30 stand er vor der Türe, mit einer Flasche Wein, herzliche Umarmung (ich glaube er hatte Tänen in den Augen) - y vamos.
Miguel wusste schon immer, wo gute Retaurants zu finden sind. De moda sind im Moment peruanische Restaurants. Der Aperetiv, der Pisco Sour, ist besser als der chilenische und das Essen ist um einiges schärfer. Bei der Zubereitung von Fisch merkt man den chinesischen Einfluss. Das Restaurant so voll, dass wir zuerst den Parkplatzanweiser um einen Parkplatz ersuchen mussten und dann doch im Restaurant keinen Platz fanden, sondern auf die andere Strassenseite in die Dependance musste. Erinnerungen wurden ausgegtauscht, die Guten und die weniger Guten, und Miguel behauptet immer noch, die Zeiten, in denen wir Nachbarn waren, waren die besten seines Lebens. Gegenseitig fragte man nach den Kindern, und es war, als wären wir, abgesehen davon, dass beide etwas an Alter und Gewicht zugenommen haben, nur für kurze Zeit nicht im Kontakt gewesen - und was typisch ist für Miguel, schon sind Pläne gemacht. Hier müssen wir hin, dort müssten wir hin, und sollten wir nicht.... Irgendwann werde ich deutlicher machen müssen, dass ich (wir) zum Arbeiten hier sind.
Mal sehen was alles daraus wird.
Und noch ein Deja Vu gab es: Am Freitag war ich in der Comunidad Teologica Evangelica (CTE), meinem Arbeitsort von 1990 bis Ende 96.
Das erste, was mir auffiel: das Viertel hat sich gewaltig herausgeputzt, einige Strassen wurden breiter, die kleinen Adobehäuschen mussten neuen mehrstöckigen "Edificios" (Gebäuden) weichen. Mehr Schulen und Institute finden man jetztz im Quartier, (gut "Elenita" ein mehr als 100 jähriges Haus, in dem Elena vor 15 Jahren eine Garküche eingerichtet hat, wo es günstiges und meist gutes Mittagessen gab, gibt es immer noch im gleichen Stil), aber die Metro endet nicht mehr drei Haltestellen später inmitten von "nichts", sondern führt nun viel weiter. Ueberhaupt ist das Metronetz in den letzten Jahren gewaltig ausgebaut worden - und ist nach wie vor das sicherste Transportmittel, wenn auch wesentlich gefragter als noch vor einigen Jahren. (www.metrosantiago.cl). In den Stosszeiten, kann es schon mal heiss werden in den Wagen.
Aber zurück zur CTE.

Gut wer hier nicht weiterlesen will - der muss auch nicht. Denn jetzt kommt mehr Institutionelles, aber davon im nächsten Blog.

Reformationstag in Chile


Ja, in Chile gibt es einen Gedenktag der Reformation und zwar immer am 31. Oktober, dem Tag, nach dem der Ueberlieferung nach Martin Luther seine Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg nagelte und mit diesem "Hammerschlag" die Reformation einleitete -
Seit dem 31. Okt. 2008 ist dieser Tag der Evangelischen in Chile ein staatlicher Feiertag - arbeitsfrei, während über Jahre bis heute Feiertage wenn möglich auf einen Sonntag gelegt werden ist der 31. Oktober fix.
Es war ein langer Weg für die Evangelischen von den ersten Anglikanern, die 1825 nach Valparaiso (Hafenstadt) kamen, über den us-amerikaner David Trumbull, der zunächst auch nur auf englisch predigen durfte und später, als er um 1855 eine spanisch sprechende evangelische Kirche gegründete hatte, einen hohen Bretterzaun darum errichten und den Chor anhalten musste, leise zu singen. Ueber den ersten Friedhof, auf dem auch Evangelische bestattet werden durfte, zu den lutherischen Einwanderern im Süden, denen man schlussendlich gestattete Kirchen zu bauen, aber ohne Glockenturm, hin zum ersten Pfingstgottesdienst in Valparaiso 1909, über Vieles, in dem man die Evangelischen belächelte und auslachte, bis zu diesem Tag, als vor drei Jahren beschlossen wurde, ihnen einen eigenen Feiertag zu geben.
Und es wurde gefeiert, im ganzen Land, mit Gottesdiensten und mit Fahrzeugkorsos. Hier sind wir, wir die Evangelischen.
Dass das vielleicht nicht ganz im Sinne Luther ist, das ist etwas anderes, aber die "Evangelicos" sind ja auch keine Lutheraner, sondern in ihrer überwältigenden Mehrheit, Pfingstler - aber eine Grösse, die nicht mehr übersehen werden kann, auch nicht mehr im (ehemals katholischen) Chile.

Donnerstag, 5. März 2009

Am Dienstag war ich unterwegs zu meinem ersten Interviewpartner. Es geht mir dabei um Fragen zu den Pfingstkirchen, zur eigenen Kirche und dem Verhältnis zwischen den historischen evangelischen Kirchen und den Pfingstkirchen. Z. B.:

Wie zeigt sich der Einfluss der Pentecostales

………………………………………….in den Kirchen allgemein

………………………………………… in Staat und Gesellschaft

Wo sehen sie sich als Kirche im Geflecht der Gesellschaft und des chilen. Staates

Konkretisierungen des Einflusses (kirchliches Leben, Liturgie) Abwanderung/Zuwachs

Was tut ihre Kirche um diesem Phänomen zu begegnen – bzw. es weiter auszubauen

Gemeindeaufbau (Stärken/ Schwächen)

100 Jahre Pfingstbewegung – Chancen für die Evangelischen?

Verbindungen zur Oekumene



Keine Angst, viel von dem, was ich erfahren habe werde ich hier nicht aufschreiben. Und zum Anfang eigentlich noch einmal mit dem Thema Zeit zu kommen. (siehe vorherigen Post). Die Uhren gehen anders hier - und das nicht nur, weil wir zu Europa vier Stunden Zeitunterschied haben, oder weil wir jetzt im Spätsommer sind. Nein überhaupt. Es braucht für alles einfach mehr und andere Zeit. Die Fahrt in den anderen Stadtteil dauerte eine Stunde, und - obwohl ich pünktlich da war - musste ich dann noch gut 20 Minuten warten, bis wirklich Zeit für mich da war, da in der Zwischenzeit vom Zeitpunkt,als wir den Termin abmachten, anderes wichtig(er) geworden war.

Aber dann hatten wir doch eine gute Stunde, um über das Thema Kirchenwachstum und die Rolle der Diakonie in der Kirche zu reden. "Wir müssten in der Kirche aufpassen, dass die Diakonie nicht die Kirche auffrisst, dass alles schlussendlich Diakonie sein und das Geistliche zu kurz komme."

Aber das war eigentlich nicht das Thema, auch nicht, dass Geld die Menschen korrumpiert, dass auch finanzielle Hilfe aus Europa, so "wertfrei" sie gegeben werde, schlussendlich doch zu Abhängigkeiten führt, die man, auch in der Kirche, manchmal lieber nicht habe.

Was nun das Verhältnis historische Kirchen - Pfingstkirchen angeht, so stellt er bei den Pfingstkirchen weiterhin ein Wachstum fest, vor allem bei den sogenannten NEO-Pentecostales und nicht so sehr bei den etablierten Pfingstkirche. (Darüber eventuell mehr in der nächsten Woche) Allerdings müsse noch viel genauer untersucht werden, wie das mit den "Churchhoppers" sei. Also mit den Menschen, die ihre (Pfingst)Kirche immer wieder wechseln, weil sie nach einiger Zeit nicht mehr das bekommen, was sie sichen: Nämlich dieses Feuer, das alles verbrennt,das alles andere hinter sich lässt, sodass nur noch das EINE, oder der EINE, Gott, im Mittelpunkt steht.

Die Frage aber ist doch die: Wenn man das Bekehrungserlebnis mit der ersten Grosen Liebe vergleicht: "Mein Jesus ist mein ein und alles!" Wie lange kann ich die erste Grosse Liebe, oder besser, dieses erste verliebt-sein durchhalten. Das ist sehr, sehr schwierig, vielleicht sogar unmöglich, denn irgenwann einmal muss ich ja auch arbeiten, essen, schlafen. Die Vernunft sagt mir - nach einer Zeit der rosaroten Brille - jetzt muss auch das "normale" Leben weitergehen.

So ist es auch mit einem enthusiastischen Glauben - denke ich. Irgendwann, muss der auf eine andere Ebene kommen, damit ich auf dem Boden bleiben kann - bei aller Begeisterung. ODER bin ich da zu europäisch "vernunftig", zu sehr der Aufklärung verhaftet?

Nun gut: Ich meine die meisten Menschen in den Pfingstkirchen, die schaffen das, aber es gibt auch solche, die - fast wie bei einer Sucht - immer wieder diesen KICK, der Bekehrung,d er Erkenntnis, der Geisttaufe brauchen. Und wenn das nicht mehr in ihrer Gemeisnchaft passiert, dann suchen sie sich eine, in der es wieder passiert, und wieder und wieder - und über xx Jahre bleiben diese Menschen aber in der Kartei "ihrer" Kirche, obgleich sie schon längt weitergezappt haben, bzw weiter gehopst sind.

Ist das (nur) ein Eindruck, oder mehr? Auch dem gilt es nachzugehen.

Was mir sonst noch aufgefallen ist


Zugegeben, 10 Jahre ist eine lange Zeit, aber dass in 10 Jahren fast alles 100% teurer geworden ist, das stimmt schon bedenklich. Nur eben, die Löhne sind nicht um 100% gestiegen, die hinken der Entwicklung gewaltig hinterher und die Kaufkraft für die Masen wird eher weniger. Schlimm ist, wie für Kreditkarten geworben wird: Nehmen sie unsere Kreditkarte, damit bekommen sie hier und da und dort 20%, ja 30% Rabatt, wenn sie mit unserer Karte einkaufen - und dann wird, wie schon vor 10 Jahren in Raten gekauft was das Zeug hält. Selbst imSupermarkt wird man beim Lebensmitteleinkauf gefragt, ob man 2 oder 3 Raten haben möchte.
Etwas was sich im Stadtbild total verändert hat, das ist, dass es jetzt Motorräder gibt. Die gab es früher auch schon, aber eher bei der Polizei: die schweren BMWs für die Verkehrspolizei und die wendigen Geländemaschinen für die Carabineros. Jetzt gibt es Harleys für den eigenen Sicherheitsdienst unseres Stadtviertels - und ganz viele andere Menschen die Motorrad fahren. Und dazwischen die Radfahrer. Also für mich im Velo durch Santiago wäre Selbstmord, doch es gibt nun sogar Radwege und in Providencia, wo wir wohnen, gibt es sogar Mietvelos, die man an bestimmten Stellen holen und woanders wieder abgeben kann.
Und noch etwas ist anders geworden.
Es gibt TRANSANTIAGO (www.transantiago.cl) Siehe Bild oben. Nicht mehr die rasenden weiss gelben Busse, die hielten, wenn man die Hand ausstreckte, irgendwo am Strassenrand. Jetzt sind die Busse grün weiss, zum Teil gross mit Zieharmonika, und es gibt richtige Haltestellen, die sogar angeschrieben sind. Und die Busse halten - wenn sie halten - nur an ihren Haltestellen. Das System ist flüssiger, aber auch teurer geworden. Die Fahrer sind fest angestellt und fahren nicht mehr auf Provisionsbasis - ziehen auch kein Geld mehr ein, sondern es gibt ein BIB Karte, die man vorher kaufen bzw. aufladen muss (im Bus werden die Dinger an ein Lesegerät gehalten, und wenn Geld auf der Karte gespreichert ist macht es BIIIB, ein grünes Licht leuchtet beim Fahrer und man darf nach hinten im Bus durchgehen) - und haben, das die Beschwerde vieler Nutzer, kein Interesse zu halten, um Fahrgäste aufzunehmen: Geld bekommen sie ja sowieso.
Nun, ob das wahr ist, konnte ich bis jetzt nicht feststellen, aber sicher ist, dass dieses System nciht nur den Benutzer, sondern auch den Staat sehr viel Geld kostet, da die Verträge, nach Aussagen verschiedener Einheimischer, den Busunternehmen zuviel Freiheit liessen. Diesbezüglich hat sich nichts geändert. Die "Micreros", die Busunternehmer liessen immer dann, wenn ihnen etwas nicht passte, die Muskeln spielen - und wenn die Busse nicht fahren, liegt Santiago lahm.

Montag, 2. März 2009

Kirchensteuer - Mitgliederbeitrag

Wer zahlt schon gerne Steuern - und dazu noch Kirchensteuer? In der Schweiz immer ein Thema, wird auch gerne für Austritte benutzt.

Hier einmal eine andere Begründung warum es Sinn macht Kirchensteuer, bzw den "Mitgliedsbeitrag" zu zahlen. Entnommen dem Mitteilungsblatt der Versöhnungsgemeinde.Statt "Versöhnungsgemeinde" ist beim Lesen der Name der eigenen Kirchgemeinde einzusetzen.

Zum Mit-Tragen eingeladen

Als Christen der Versöhnungsgemeinde gehören wir zum Leib Christi, wie es im Neuen Testament beschrieben wird. Was es bedeudet dazuzugehören ist nicht egal. Martin Luther schrieb im Jahe 1519 dazu:"Wir sind in der Kirche Jesu Christi zum "Mittragen" eingeladen und gerufen." und weiter "Christus ist mir allen Heiligen ein geistlicher Leib, wie das Volk einer Stadt eine Gemeinde oder eine Körperschaft bildet, wobei jeder Bürger ein Glied des anderen und der ganzen Stadt ist ... Und so wie in einer stadt, in der jeder Bürger gemeinsamen Anteil bekommt an dieser Stadt: an ihrem Namen, Ehre, Freiheit, Brauch, Schutz und der gleichen, und umgekehrt an allen Gefahren, Feuer, Wasser, Epidemien, Schadenfällen, Umlagen und dergleichen. Denn wer mitgeniesssen will, der muss auch mitzahlen und Liebe mit Liebe ausgleichen." Aus der Teilhabe der Gemeinschaft in der Kirche folgt für Martin Luther eine ganz selbstverständliche Sache des "Mitzahlens": "Wenn du also dieses Sakrament des Abendmahls genossen hast oder geniessen willst, so musst du umgekehrt auch mittragen, was der Gemeinschaft zustösst."

Unsere Versöhnungsgemeinde hat nur eine Zukunft, wenn wir uns dieser tieferen Begründung warum man Mitgliedsbeitrage bei uns zahlt und Mitglied wird, immer wieder bewusst wird. ... Wir danken allen, die regelmässig ihre Beiträge zahlen und mittragen, uns wir laden gleichzeitig dazu ein, sich als Mitglied in die Gemeinde einzuschreiben, damit unsere wichtige Arbeit als Teil der Kirche Jesu Christi fortgesetzt werden kann, auf dass Kinder einen Kindergottesdienst haben, Bibelstunden angeboten werden können, Freizeiten stattfinden können etc. .... Es geht um jeden, der an einer lebendigen Gemeinde interessiert ist.


Sonntag und Kirche I



In einen Gottesdienst geht man eigentlich nicht weil man muss, sondern weil man möchte. Konfirmanden und Konfirmandinnen bilden eine Ausnahme - aber manchmal möchten sie auch, aber tun so als müsse man, weil das ja viel cooler ist - bei uns.
Am Sonntag war ich erstaunt, 5 junge Menchen im Konfirmandenalter im Gottesdiesnt (spanisch) in der deutsch-spanischen lutherischen Versöhnungsgemeinde der Iglesia Evangelica Luterana en Chile (www.lareconciliacion.cl). Dass es nicht so einfach war dahin zu kommen, siehe unter ZEIT - aber es hat sich "gelohnt". Der Empfang war herzlich, mit Bruder Haaks war ich bereits per mail im Kontakt - und so langsam kamen dann auch einige Gemeindeglieder. Ich kannte die Gemeind
e von früher und hatte von 1991 bis 96 hier und da mitgearbeitet - und wenn ein Pfarrer kommt, dann ist es fast konsequent, dass er in den Gottesdienst eingespannt wird. (Ich übernahm die Rolle des Lektors -auf spansich). Nun ja es kamen Gemeindeglieder. Junge, Familien mit Kindern, Gäste aus Deutschland, Alte und ganz Alte. Bewegend war es Gisela Schmidt Hebel zu sehen, Mitgründerin der Gemeinde in den siebziger Jahren, als sie Teil der Bewegung gegen Pinochett war. Ihr Mann war vor zwei Jahren gestorben und sie hatte im vergangenen Jahr einen Schlaganfall. Ich hatte sie als vitale und engagierte Frau in Erinnerug. Die Kirche füllte sich (nicht alle Plätze) nein, ab er nicht schlecht, der Besuch, wenn man davon ausgeht, dass es 160 zahlende Mitglieder in der Gemeinde gibt und ca 100 Kinder. Den Gottesdienst besuchten mehr als 50 Personen. Gottesdienst:
11 Uhr sollte er anfangen, ein Mitglied des Kirchenvorstandes spielte leise im Hintergrund Gitarre, und wir unterhielten uns am Eingang, bzw auf den Plätzen, bis dann gegen 11:15 ein Jugendlicher zum Flügel ging und das Eingangsspiel übernahm.
Die Kinder blieben bis vor der Predigt, um dann mit zwei Konfirmandinnen in den Kindergottesdienst zu gehen. Insgesamt dauerte der Gd etwas mehr als eine Stunde. Danach gab es noch Kaffee und Saft im Patio (Innenhof) des Gemeindezentrums, das vor einigen Jahren mit Hilfe der ELCA, der lutherischenKirche in Amerika errichtet worden war.
Am Dienstag werde ich bei Pfarrer Haaks einmal nachhaken, wie er es geschafft hat, diese vor 12 Jahren kleine Gemeinde von Zahl und Kirchenleben her so hoch zu bringen.



ZEIT

... braucht man hier irgendwie mehr.
Die Fahrt vom Flughafen in die Wohnung dauerte mehr als eine Stunde. Kaffeemachen braucht mehr Zeit (am Freitag haben wir eine Kaffefiltermaschine gekauft), Brot und Brötchen sollte man frisch haben, das braucht mehr Zeit, obgleich der "Tante Emma Laden" fast um die Ecke ist. Aber einkaufen braucht mehr Zeit: der Supermarkt ist ca. einen Kilometer weit weg. Hin und zurück ergibt das eine gute Strecke, und da wir weder Auto noch Velo(anhänger) haben, braucht es Zeit.
Der Kühlschrank ist nicht sehr gross, darum wird der Einkauf für eine Woche schwierig. Zweimal die Woche Einkaufen braucht Zeit
Die Metro ist relativ nahe, etwas weniger als 1 km, ab er wenn man sie zweimal am Tag braucht, dann sind das Kilometer und Zeit.
Duschen braucht mehr Zeit (bis das warme Wasser vom Durchlauferhitzer auf dem Balkon endlich im Badezimmer ist - und dann ist es meist entweder zu heis oder zu kalt), Kochen braucht mehr Zeit (keine Haushaltsmaschinen, an die frau so gewöhnt ist, der Abwasch braucht mehr Zeit und was die Waschmaschine angeht, so bewegt sie die Wäsche in kaltem Wasser hin und her, hin und her hin und her)
Selbst der Gottesdienstbesuch braucht mehr Zeit. Von zu Hause bis zur Kirche mit Metro und Taxi, Gottesdienst mit Kirchenkaffee und der Heimweg = 4.5 Stunden)
Alles braucht mehr Zeit man muss sich Zeit nehmen: Alles hat seine Zeit.