Freitag, 18. Dezember 2009

Bald ist Weihnachten


Weihnachten - warum es gefeiert wird?

Weihnachten ist das Fest der Geburt Jesu. Wann genau vor etwa 2.000 Jahren Jesus zur Welt kam, ist nicht bekannt. Die Feier am 25. Dezember als sein Geburtsfest ist erstmals im Jahr 354 für die Stadt Rom bezeugt. Als Tag der Wintersonnenwende war das Datum aber schon heidnisch besetzt als Fest des "unbesiegten Sonnengottes". Möglicherweise legten die Christen das Geburtsfest Jesu als Gegenpunkt bewußt auf diesen Termin. Zudem wurde der Tag der Wintersonnenwende auf Jesus hin gedeutet: der Erlöser als Licht für die Welt.

Weihnachten heißt soviel wie heilige und geweihte Nächte. In Jesus, dem Sohn Gottes ist nach christlichem Glauben Gott selbst ein Mensch geworden. Jesus wird verstanden als wahrer Gott und wahrer Menschen in einer Person. In seiner Menschwerdung hat sich Gott der Welt ein einer Weise mitgeteilt, wie sie überwältigender nicht sein könnte. Der Gottmensch Jesus hat sich in die Geschichte der Menschen hineinbegeben, um ihre Freuden und Leiden mitzuleben
und allen wieder Hoffnung zu schenken. Darum gilt Weihnachten auch als Fest der Liebe und des Friedens.

Nach dem Bericht des Evangelisten Lukas waren es Hirten, die zuerst Nachricht von der Geburt Jesu erhielten. Ihnen verkündete ein Engel: "Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll. Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren. Er ist der Messias, der Herr. Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt."

Das Ganze soll sich in Betlehem und Umgebung zugetragen haben. In der knapp zehn Kilometer von Jerusalem entfernten Stadt steht heute dort, wo Jesus geboren sein soll, die Geburtskirche.(aus Lexikon Kirche und Religion)

Warum der Weihnachtsbaum?

Bereits am Ende des 16. Jahrhunderts war es im Elsaß üblich, zum Weihnachtsfest im Wohnzimmer einen Baum aufzustellen und ihn mit Äpfeln und Süßigkeiten zu behängen. Die ersten Kerzen erhielten diese Weihnachtsbäume aber erst um 1730. Und erst im 19. Jahrhundert, mit dem zunehmenden Eisenbahnverkehr, wurde der Weihnachtsbaum in ganz Deutschland bekannt. Anders als die evangelischen Gemeinden, sperrte sich die katholische Kirche zunächst gegen die Bäume. Sie sah in den Weihnachtskrippen ein genügend aussagekräftiges Symbol für das Weihnachtsgeschehen. Inzwischen gibt es in Deutschland jedoch keine katholische Kirche mehr, in der nicht wenigstens ein Weihnachtsbaum steht.
(aus Lexikon Kirche und Religion)

Sinn der Weihnachtskrippe

Überall auf der Welt, wo Christen die Menschwerdung Gottes feiern, findet sich die Weihnachtskrippe. Als figürliche Darstellung veranschaulicht sie die Geburt Jesu in Betlehem.
Als Ausgangspunkt des Brauches vermuten die Historiker die in Rom
verwahrten Krippenreliquien, vor denen die Päpste früher den nächtlichen Weihnachtsgottesdienst feierten. Entgegen früheren Vermutungen ist der heilige
Franziskus von Assisi keineswegs der Urheber der Weihnachtskrippe. Seine Feier im Jahr 1223 in Greccio fand in einem wirklichen Stall mit Ochs und Esel und einer strohgefüllten Krippe statt, jedoch ohne die Heilige Familie.

Die große Blütezeit der Krippen war das Barock. Die Jesuiten wollten nach der Reformation den Glauben wieder veranschaulichen. Darum forderte der Ordensgründer Ignatius von Loyola beispielsweise: "Der Gläubige muß sich vorstellen können, wie die Rüstung Goliaths scheppert, wenn der Riese von Davids Stein getroffen, zu Boden stürzt". Aufgrund dieser Auffassung bauten die Jesuiten gewaltige und wertvolle Krippen. Der Funken sprang bald auf die Städte über, und schließlich wollte jede Gemeinde eine eigene Krippe.

Am Beginn des 19. Jahrhunderts kam es im Zuge der Säkularisation mancherorts zu einem Verbot der Krippen. Doch führte das nur dazu, daß die Krippen verstärkt Einzug in Bürger- und Bauernhäuser fanden.

Die Vielfalt der Weihnachtskrippen ist beinahe grenzenlos. Jeder Krippenbauer stellt das Geschehen so dar, als läge Betlehem vor seiner Haustür. Die Hirten in bayerischen Krippen tragen die üblichen Trachten. In Japan bringen statt Königen Samurais die Geschenke. Bei den Eskimos liegt das Jesuskind auf einem Schlitten, und in Afrika ist das Christkind schwarz. Die Kolumbianer lieben es bunt. Die Holzfiguren leuchten in wunderbaren Farben. Doch auch in Europa findet sich eine wahre Krippenvielfalt. Die Andalusier flechten eine Graskrippe aus Palmwedeln. Für die Figuren wird Hanf verknotet. Bei den Krippen aus Neapel sind Stall und
umgebende Gehöfte Ruinen. Die Krippenschnitzer der französischen Provence verwenden Baumrinde und Torfballen. Auf Korsika liegen in der Krippe getrocknete Meeresalgen. Aus Thüringen stammt eine Glasbläser Krippe. (aus Lexikon Kirche und Religion)

Die Bedeutung des Weihnachtsbaumes

"Der Weihnachtsbaum als geschmückter Lichterbaum entwickelte sich erst seit ca. 1700. Seine Wurzeln reichen jedoch weit in die Geschichte zurück. Tannengrün diente zur Abwehr allen Unheils, und geschmückte "Wintermaien" drückten gleichzeitig die Hoffnung auf Fruchtbarkeit aus. Das Licht, die Sonne als Lebensspenderin, verehrte man schon im Sonnenkult Persiens und Ägyptens.

Der Tannenbaum wurde der Natur entfremdet, als er in Form des Weihnachtsbaumes in die Fürstenhöfe und Städte einzog. Er entsprach den Repräsentations- und Dekorationsbedürfnissen des Bürgertums. Für die Kleinfamilie wurde er zum Mittelpunkt der häuslichen Weihnachtsfeier. Weihnachten entwickelte sich zum Fest der Familie und besonders dem der Kinder. Die alte Sitte der Neujahrsgeschenke erhielt unter dem Weihnachtsbaum geschäftigen Auftrieb. Alte Sinnbilder wurden durch die christliche Kirche neu gedeutet. Damit trug sie zur Verbreitung des Weihnachtsbaumes bei. Ebenso förderten verbesserte Transportmöglichkeiten (Weihnachtsbaum bestellen online!) aufgrund des Baues der Eisenbahn sowie Weihnachtserlebnisse an der Front den "Siegeszug" des Christbaums. Die Wandelbarkeit des Christbaumschmucks ermöglichte die jeweils zeitgemäße und lokal angepaßte Gestaltung des Weihnachtsbaumes. Immer mehr entwickelte sich der geschmückte Christbaum zum rein dekorativen Mittelpunkt der familiären Weihnachtsfeier.

Die Bedeutung der Weihnachtsmärkte
"Im deutschsprachigen Raum der Nachkriegszeit haben zweifellos Kommerz und Konsumbedürfnis den weihnachtlichen Kult in den Hintergrund treten lassen bzw. für ihre Zwecke ausgenutzt. Jedermann beklagt den hektischen Weihnachtsrummel, wenn auch die Wirtschaft wesentlich davon profitiert. Ein Blick zurück auf die Geschichte des Weihnachtsgeschäftes kann uns bei der Beurteilung dieser Entwicklung weiterhelfen.
Vorläufer der heutigen weihnachtlichen Einkaufsstraßen und Einkaufszentren waren die Weihnachts- und Christkindl-Märkte. Von dem Münchner Christkindlmarkt heißt es, er sei 1310 bereits erwähnt worden. Gesichert erscheint das Alter des berühmten Nürnberger Christkindelsmarktes, der bis ins 17. Jh. in die Zeit der aufblühenden Spielwarenindustrie zurückgeht. Traditionelle Herstellungszentren für Spielwaren waren Berchtesgaden, der Thüringer Wald und das Erzgebirge. Dieses Spielzeug wurde vorwiegend über die Weihnachtsmärkte von Nürnberg, Dresden und Leipzig abgesetzt. Im Jahre 1697 berichtet ein Zeitgenosse von dem Nürnberger "Christkindleins Marck":

"... Die kleinen Kinder von Nürnberg ... sind überzeugt, das Christkind kaufe hier die Sachen, die es nachher in der Nacht zum Weihnachtstage unter sie austeilen wolle."

Und aus dem Jahre 1785 stammt folgende Aussage über den "Leipziger Christmarkt"

"Die Verkaufsleute würden nicht bestehen können, wenn nicht am Tage mehr gekauft würde als abends, und das geschieht auch. Es ist unglaublich, was die Leute zu der Zeit für Geld verschwenden."

Wie entstand die Geschichte des Weihnachtsmannes?
"Der heilige Nikolaus, Schutzpatron der Kinder, wird schon seit langem mit Weihnachten in Verbindung gebracht. Holländische Siedler brachten die Nikolaustradition im 17. Jh. nach Amerika. Doch damals lenkte der Weihnachtsmann weder ein Rentiergespann über den Himmel, noch kam er durch den Schornstein herab, wenn er seine Geschenke brachte. Diese Eigenschaften, die man ihm heute nachsagt, hat er erst seit Mitte des 19. Jh. Damals beschrieb der Amerikaner Clement Moore in seinem Gedicht "Ein Besuch vom Nikolaus" die Bescherung der Geschenke genauso, wie man sie heute kennt. Bei der Beantwortung der Frage, wie Moore denn eigentlich auf solch abwegige Ideen kam, können die Rentiere einen ersten Hinweis geben. Die norostsibirischen Völker der Korjaken, Kamtschadalen und Tschuktschen verehrten ursprünglich den großen Rentiergeist, mit dem nur der Schamane, der Priester und Magier des Stammes, in Verbindung treten konnte. Er versetzte sich in Trance, indem er neben anderen Mitteln Fliegenpilze aß, deren Gift bekanntlich Halluzinationen hervorruft. Dann "flog" er in die Welt der Geister, um Nachrichten und Geschenke in Form von neuen Liedern, Tänzen und Geschichten für den Stamm zu sammeln. In das Reich der Geister gelangte der Schamane durch das Rauchabzugsloch seiner Hütte. Die Parallelen zur Weihnachtsmannlegende sind offensichtlich. Doch wie fanden die geheimnisvollen Rituale sibirischer Völker ihren Weg in das Gedicht von Moore? Die Antwort ist bei Moore selbst zu suchen, der sich als Professor für ostasiatische Sprachen und Literatur auch sehr eingehend mit den religiösen Bräuchen der dort wohnenden Völker beschäftigte und einige sehr faszinierend fand, daß er sie in seinem Nikolausgedicht verewigte."
Weihnachten in anderen Ländern
Wenn Italiener sich ein "Frohes Fest" wünschen, sagen sie "Buon Natale" guten Geburtstag. Die Weihnachtszeit in Italien beginnt acht Tage vor dem 25. Dezember, zur gleichen Zeit, als vor fast 2.000 Jahren im alten Rom die Saturnalien - das Fest zu Ehren des Gottes Saturn - begannen. Und sie endet nach zwölf Nächten mit dem Dreikönigsfest. Im Mittelpunkt von Natale steht nicht der Weihnachtsbaum, sondern die presepio (die Krippe). Jede Kirche und jeder, der es sich leisten kann, wetteifern mit den Nachbarn um die schönste Krippe die besonders lebensecht erscheint. Nach katholischem Ritus wird 24 Stunden vor Heiligabend streng gefastet. Bei Sonnenuntergang eröffnet ein Kanonenschuß auf dem Kastell S. Angelo in Rom die heilige Zeit. Um neun Uhr abends finden in allen Kirchen feierliche Gottesdienste statt. Nach der Messe gibt es ein Festessen im Familienkreis, und alle ziehen Geschenken aus der Urne des Schicksals, so eine Art Familien-Lotterie. Der richtige Geschenktag ist jedoch der sechste Januar.

In den Niederlanden und im angrenzenden Flandern konzentriert sich das Weihnachtsbrauchtum auf die Nikolauszeit vor dem 6. Dezember. Für viele kleine Holländer ist der Sinterklaas-Abend der schönste Feiertag des Jahres. In den Küstenorten kommt der Sinterklaas drei Wochen vor seinem Geburtstag oder am letzten Samstag im November mit einem Schiff in einem der alten holländischen Häfen an - angeblich aus Spanien. An diesem Abend stellen die Kinder einen Schuh vor den Kamin mit einem Wunschzettel neben ein Wassergefäß und eine Mohrrübe oder Heu für das Pferd des Nikolaus. Am nächsten Morgen finden sie an dieser Stelle kleine Nikolausfiguren aus Schokolade und ein Lebkuchenmännchen mit einem kurzen witzigen Gedicht. In diesen Sinterklaasgedichten wird immer die Wahrheit gesagt,- so ist es Brauch. Am 5. Dezember legt man einen großen Sack vor die Haustür und findet ihn am Abend der Pakete mit Geschenken für die ganze Familie vor. Auch die niederländische Weihnachtszeit endet mit dem Dreikönigstag. In Flandern ziehen drei ausgewählte Männer als Könige verkleidet von Haus zu Haus, singen
Lieder und werden dafür bewirtet. Zwei Traditionen prägen in Dänemark, Schweden, Norwegen, Island und Finnland die Weihnachtstage: Das Julfest und der Weihnachtsmann. Das Julfest entspringt alten bäuerlichen Ernte- und Mittwinterbräuchen. Eine relativ junge und "importierte" Art das Fest zu feiern, ist die Tradition rund um den Weihnachtsbaum und den Weihnachtsmann. Im 18. und 19. Jahrhundert gehörten wochenlange Vorbereitungen zur Julzeit (Jul, das heißt: die Zeit der Schneestürme): Schlachten, Bierbrauen, Backen, Fertigung der Festkleider, Gießen von Talglichtern, Großreinemachen und der Schmuck des Hauses, Sammeln von Brennholzes in den Wäldern und zum Schluß das Bad aller Hausgenossen. Wenn das Julbrot und das Julbier recht gelangen, war das ein gutes Omen für das kommende Jahr. Zuletzt befestigte man kleine Julgarben für die Vögel auf Stangen vor dem Haus. Kamen viele Vögel zum Aufpicken der Körner, bedeutete
auch dies: Das nächstes Jahr wird erfolgreich. In der Julstube breitete man Julstroh aus als gemeinschaftliches Nachtlager für alle Hausbewohner. Auch in Norddeutschland ist die schöne Sitte des Julklapp noch verbreitet: der Schenkende wirft - möglichst unerkannt - mit dem Ruf "Julklapp" ein in viele Hüllen verpacktes Geschenk mit einem eingelegten kleinen Gedicht durchs Fenster. Erst vor gut hundert Jahren drangen der deutsche Weihnachtsbaum und noch später auch der Weihnachtsmann nach Skandinavien ein. Wie im alten Schleswig-Holstein steht heute der Weihnachtsbaum in der Mitte der Julstube, und die ganze Familie tanzt um ihn herum.
Typisch finnisch ist das gemeinschaftliche Saunabad vor dem Heiligen Abend. Ansonsten wird viel gegessen und getrunken im Familienkreis. Darunter auch Schweinefleisch mit dem ironischen Namen "gebackener Schwede". Am zweiten Weihnachtstag, dem Stephanstag, wird getanzt, Schlitten gefahren und früher wurde geritten. Die Pferde versorgte man an diesem Tag besonders gut, denn Stephan ist in Finnland der Schutzpatron der Pferde. Die Julzeit endet in Skandinavien am St.-Knuts-Tag, dem 13. Januar, zu Ehren des dänischen Großkönigs Knut IV., des Heiligen, der von 1080-1086 regierte. Er wird wegen seiner Frömmigkeit und Großzügigkeit gegenüber den
Armen verehrt. Am 13. Januar wird noch einmal üppig gegessen und getrunken, bis alle Festvorräte aufgezehrt sind. Zum letzten Mal zündet man die Kerzen an, schmückt den Baum und setzt ihn vor die Haustür mit dem Wunsch: "Gott segne dein Jul. Möge es bis Ostern dauern."

In Chile uebrigens, sehen die Weihnachtsmänner wie die wandelnde Cola Reklame aus- was bei der Hitze in Santiago (über 30 Grad Celsius) dann eher Durstmacht als weinachtliche Gefühle hervorruft


Samstag, 25. Juli 2009

Sonntag und Kirchgang XI

Nun, am Datum kann man sehen, dass dieser Gottesdienstbesuch nunmehr in Europa und nicht mehr in Südamerika statfand - aber nicht nur daran.
Ein besonderer Gottesdienst war es, zu dem ich eingeladen war: Missionsfest der Basler Mission in Bad Sebastiansweiler am 6. Juli in der Alten Festhalle der Kurklinik Bad Sebastiansweiler.
Indien stand im Mittelpunkt. "Kreuz und Lotosblüte"
mit Bischof Dr. Christopher Furtado aus Mangalore, Indien.
Vor 175 Jahren kamen die erstenBasler Missionare nach Indien. Die Church of South India, der Zusammenschluss verschiedener Kirchen zu einer grossen Evangelischen Kirche in Indien, ist das sichtbare Ergebnis ihrer Arbeit, die heute vom EMS, dem EvangelischenMissionswerk in Südwestdeutschland weitergeführt wird.
Die Veranstalter bemühten sich, dem Gottesdienst in der alten Festhalle einen besonderenTouch zugeben. Ein Chor der benachbartenMethodistengemeinde sang, eine Brassband spielte - und auch die Predigt war gehaltvoll. Aber irgendwie war da kein Funke da. Es war ein Festgottesdienst, aber man feierte ein stückweit sich selbst. Es war ein richtiges Familientreffen, manches Gesicht kannte ich von meiner Arbeit in der Basler Mission, und die kannten wieder andere. Doch von aussen, die draussen, die nciht zum"Kuchen" gehören, wo waren die?
Ob es gelungen ist, über den Kreis derer, die sich für die evangelische Kirche in Indien interessieren, noch andere herein zu holen, in diesen Gottesdienst, in dieses Thema bezweifle ich. Obwohl ich zum ersten Mal dabei war, kam es mir vor wie Weihnachten in der Familie, es ist jedes Jahr gleich, nur die Kerzen am chrsitbaum un ddie Kugeln sind mal rot, mal weiss, mal blau, der Rest aber ist gleich. Jede Familie hat ihre Liturgie, udn fiert Weihnachten - mal abgesehen vom Kirchgang - unter sich. Gottesdienst im Sommer 2009. Wir müssen raus - näher zu denMenschen. Zu erzählen hätten wir genug, nicht nur von damals, vor 175 jahren, als die Missionare die Freiheit brachten wie Pfr. Victor Joshua, der als Verbindungsperson des Evangelischen Missionswerkes in Südwestdeutschland, EMS, in Indien tätig ist: "Die Missionare haben uns das Evangelium von der Freiheit gebracht. Aus Sklaven wurden Kinder Gottes."
Doch die Kinder Gottes sind in manchen Teilen der Welt auf dem Weg wieder Sklaven zu werden, sklaven ihrer eigenen Wünsche, des Geldes, eines Systems, das immer mehr fordert.
Das ist unser Auftrag in der Welt heute.

Sonntag, 7. Juni 2009

Dass es so grün ist

mitten im Sommer,
dass man den Lichtschalter betätigt, und es wird hell
dass man den Wasserhan aufdreht und es kommt Wasser, mit kräftigen Strahl und auf Wunsch noch heiss
dass auf Knopfdruck Kaffee in die Tasse schäumt.
Ja es ist angenehem wieder in die Schweiz zu kommen.
Dass gute Freunde uns empfangen haben, das war auch schön, aber dafür haben wir gute Freunde zurückgelassen
Geblieben sind gute Erinnerungen an gute Gespräche, an gemeinsame Zeiten
und gelandet, sind wir wo alles schön geordnet, ja manchmal zu geordnet ist.
Der Jetlag ist immer noch in mir, und einen (kleinen) Kulturschock bin ich noch am Verarbeiten, den von Anspruchsdenken und "Alles für mich".
Auch den, dass junge Menschen bei wichtigen Themen meist nicht dabei sind, wie z.B. bei einer Veranstaltung des ökumenischen Frauenforums in Basel, die ich an diesem Wochenende besucht habe. Dafür ist auf Facebook viel von "Fun" zu lesen.
Ich habe (noch) zu stark die Bilder von Santiago, besonders von Renca, von El Bosque und von Penalolen im Kopf. Es macht mich nachdenklich, wenn nicht mal gefragt wird, wo hin wir wollen ... ausser in die nächste Disco, zum Openair oder sonst zu einem Funanlass.

Samstag, 30. Mai 2009

Ichuac - Junger Weizen


heisst der Kindergarten den Kairos in Peñalolen führt. Es war (und ist) ein "Vorzeigekindergarten", den ich vor mehr als 10 Jahren als Vizepräsident von Kairos einweihen durfte. (zu Kairos und seiner Arbeit vgl. Blog "Begegnungen VII" vom 15. Mai 2009)
Mehr als 10 Jahre sind vergangen, der Weizen ist gewachsen, das heisst die Halme sind grösser geworden, die Qualität des Weizens ist (vielleicht) gleich geblieben, aber es braucht mehr "jungen Weizen", als vor 10 Jahren.
Mit anderen Worten, man hat angebaut, aufgestockt, denn in den neunzigern dachte noch niemand, dass man einmal eine Kleinstkinderbetreung übernehmen würde. Zum Glück sind ein paar staatliche Gelder geflossen, ein grosser Saal kam hinzu und jetzt sind es über 100 Kinder die Ichuac besuchen. Kinder der Armen und der Ärmsten. Einige Eltern(teile) können nicht einmal den Monatsbeitrag zahlen, will heissen die 3000 Pesos, umgerecnet nicht einmal 4 Euro.
Wer erzählt, dass Chile die Armut überwunden habe, der lügt oder kam nie weiter in den Westen von Santiago als in den Stadtteil Providencia und im Süden höchstens bis Ñuñoa.
Für mich ist es schwer zu verstehen, weshalb trotz aller Anstrengungen, trotz allem Fortschritt, der ohne Zweifel im Land festzustellen ist, dies alles an gewissen Orten einfach vorbeigeht. Auf dem Weg zum Kindergarten fuhren wir an einem riesigen Strassenmarkt vobei. Dort wird auf dem Boden liegend alles, aber alles verkauft, bis hin zur gebrauchten WC Schüssel, weil es immer noch einen gibt, der entweder keine oder eine hat, die bald kaputt geht. Die Menschen laufen zwischen Kleidern und Schuhen (second hand und mehr), Schulheften und uralten Leitzordnern hin und her und suchen, was sie zum Leben brauchen oder was man hier billig kaufen kann, um es vielleicht übermorgen etwas teurer zu verkaufen.
Nein in gewissen Kreisen in Chile redet man nicht von Armut - aber ich rede von Miseria, von Elend, dass sich hinter den Mauern von CENOSUD, dass ist die Firma die hinter Jumbo, dem Supermarkt für die Reichen mit 50 Kassen (in denen in 3 Minuten von einem Kunden soviel umgesetzt wird, wie andere nicht einmal in einem Monat zur Verfügung haben) und Lider, eine Tochter von Wal - Mart abspielt.
Die Tias, die Kindergärtnerinnen versuchen den Kindern etwas von Liebe, Freude, Hoffnung zu vermitteln, aber es fehlt an allem, selbst an Taschentüchern, um den Kleinen die Nase zu putzen - und fast alle waren an diesem Tag erkältet. Wen wundert es? Kalt ist es in Santiago geworden, heute waren es 14 Grad und nachts sind es nicht mehr als 7. Mit Holz heizen ist verboten, die alten Kerosenöfen stinken und sind gesundheitsgefährlich, Gas kann sich dort in Peñalolen niemand leisten. Ob die Kinder wenigstens eine Wärmflasche, dass heisst eine mit warmem Wasser gefüllte Colaflasche im Bett haben? Ich weiss es nicht.
Fröhlich sollen die Kinder sein - aber bei 25 in einer Gruppe gibt es schnell einmal Tränen und die Fröhlichkeit ist dahin. ZumGlück haben die Kinder eine grosse Frustrationstoleranz - aber wie weit geht das?



Fröhlich soll es zu und her gehen, einladend soll sein.
Also hat man im Direktorium beschlossen ein Mural, eine Wandzeichnung an die Mauer des Kindergartens zu malen. Das Problem, der Fanclub eines lokalen Fussballvereins beansprucht diese Mauer für sich. Als man begann das Emblem zu übermalen rotteten sich schnell ein paar Jugendliche zusammen, bedrohten die Leiterin des Kindergartens und die Situation drohte zu eskalieren.
In diesem Moment erwies es sich als Glücksfall, dass Kairos seit mehr als 20 Jahren in dieser Gegend arbeitet. Einer der Jugendlichen oder besser der jungen Männer hat gute Kontakte sowohl zur Organisation als auch zu den Jugendlichen. Er griff vermittelnd ein, als Stimmen laut wurden: wenn man nicht das Emblem behalten könne, werde man eben die ganze Mauer einreissen.
Nach langem Gespräch und Palaver konnte man sich einigen, dass die hintere Mauer des Kindergartens, die nicht zur Strasse liegt als Mauer für das Emblem benutzt werden könne - und Kairos wird einen Kurs über die Erstellung von "Murales" anbieten. Die Farben bezahlt Kairos.
Wo das Geld herkommt, weiss Sylvana Buholzer noch nicht, aber im Allgemeinen geschieht, was Kairos verspricht.
Wie man weiter unten sehen kann, ist die Wandbemalung am entstehen. Nach dem Entwurf des jungen Mannes, der vermittelnd eingriff.
Als ich ihn auf seine Arbeit anspreche, nimmt er einen Zettel - etwas grösser als A5 - aus der Tasche seiner verfleckten Hose: den Entwurf des Wandbildes, mit Kugelschreiber gezeichnet. Fröhliche Kindergesichter in Schwarz auf einem nicht mehr ganz weissen, zerknittertem Blatt. Das sagt viel.
Mit dieser Vorlage erstellt er das Wandbild.
Was er sonst mache?
Schulterzucken.
Arbeitslos ist er, das Bild malt er für das Mittagessen, und ein Sandwich am Abend. Dankbar nimmt er den Orangensaft an und freut sich, dass er die Verlängerungsschnur bekommt, damit er ein altes Radio betreiben und damit während der Arbeit Musik hören kann.
Er könnte Kinderbücher illustrieren - aber wer sieht das schon, in Peñalolen?
"Muralistas" bei der Arbeit

Freitag, 29. Mai 2009

Lachs und Umweltsch(m)utz

Eigentlich wollte ich einen eigenen Blog zu diesemThema schreiben, nachdem ich mich letzte Woche lange mit Ueli Achermann, dem lateinamerikakorrespondenten von Radio DRS, über dieses Thema - und natürlich auch über die evangelischen Kirchen - unterhalten habe.
Aber der nachfolgende Blog der TAZ ist so gut, dass ich ihn hier wiedergebe und nur unten meinen Kommentar hinzufüge

23.10.2008

Verunreinigungen

von Claudius Prößer
Der Lachs gilt als Schwein des Meeres, weil man den gefräßigen Fisch in kurzer Zeit und Gefangenschaft auf ein stattliches Gewicht mästen kann. Die Lachs­far­men Südchiles, in Buchten, Fjorden und (je nach Ent­wick­lungs­sta­dium der Tiere) Seen der Region kann man aber auch gut und gerne mit der industriellen Hühner­zucht vergleichen: Hun­dert­tau­sen­de dicke, silbrige Leiber verschlingen ir­gend­wo unten im Wasser in enge Netze gepfercht ihr Kraftfutter. Oben sieht man nicht viel davon, nur ein paar rechteckige oder runde, mit Stegen verbundene Strukturen, die auf den blauen Wellen dümpeln. Und doch ist Chile heute nach Norwegen zweit­größter Lachsexporteur der Welt.
Der Lachs hat Puerto Montt und der Umgebung ungeahnten Wohlstand beschert, seit die Industrie in den Neunzigerjahren zu boomen begann. Dabei verdienen natürlich einige wenige sehr viel und sehr viele eher wenig, aber die Ar­beits­lo­sig­keit in der Region ist stark zurückgegangen. Der Lachs generiert Ar­beits­plät­ze in allen möglichen Bereichen, an­ge­fang­en bei den Zuchtanlagen, über die Fabriken, die den Fisch in ap­pe­tit­li­che Filets verwandeln, bis hin zur Futter- und tier­me­di­zi­ni­schen In­dus­trie oder den Spediteuren, deren Lastwagen triefende Plas­tik­con­tai­ner zwi­schen den verschiedenen Stationen hin- und herkutschieren. Immer rich­tet irgendein Hotel irgendein Symposium über Marketingstrategien aus, und auf einer regelmäßig stattfindenden Branchenmesse werden neue Tech­no­lo­gien vorgestellt.

Seit ein paar Jahren geht es den salmoneras aber nicht mehr so richtig gut - obwohl sie (die norwegischen, die japanischen und auch die ein­hei­mi­schen) kaum Abgaben an den chilenischen Staat leisten müssen und die Arbeitskraft weiterhin schön billig ist. Schuld daran ist vor allem ein Virus namens ISA - das “Lachs-AIDS”, wie die Menschen in der Re­gion etwas vereinfachend sagen. Die “In­fek­tiö­se Lachsanämie” wurde mut­maß­lich aus norwegischen Aquakulturen ein­ge­schleppt und hat schon vie­le Millionen Exemplare des Edelfischs dahingerafft. Auf der anderen Sei­te machte den Exporteuren bis vor kurzem der niedrige Dol­lar­kurs zu schaf­fen - und dann ist da noch die Sache mit den Umweltschützern.

Ökologisch betrachtet ist Aquakultur nämlich mindestens umstritten, zu­mal so, wie sie in Chile praktiziert wird. Zu viele Fische auf zu engem Raum, zu viele Fut­ter­res­te und Kot, die die Gewässer verseuchen, zu viele Me­di­ka­men­te und Hor­mo­ne. Lachse, die den Netzen entkommen - das sind nicht wenige -, fressen gan­ze Küstenabschnitte leer. Au­ßer­dem: Um den Lachs zu mästen, benötigt man ein Vielfaches an Wild­fisch, der als Mehl verfüttert wird. Eine Lösung für die welt­wei­ten Er­näh­rungs­prob­le­me sieht anders aus.

Ausgezeichnete Aufklärungsarbeit bertreibt in Chile die Kampagne Sin Miedo contra la Corriente (Furchtlos gegen den Strom), die von Oxfam und der chi­le­ni­schen Umweltorganisation Terram getragen wird. Den Unternehmen ist so etwas natürlich mehr als ein Dorn im Auge, denn Behörden und Konsumenten in den Zielmärkten reagieren recht sensibel auf schlechte Nachrichten. Ein Artikel in der New York Times, der auf den ungehemmten Einsatz von Antibiotika und an­de­ren Mitteln hinwies, sorgte im April dieses Jahres für gehörige Aufregung: Meh­re­re US-­Supermarktketten kündigten an, chilenischen Lachs aus ihrem Sor­ti­ment zu streichen, der chilenische Botschafter in den USA musste Feu­er­wehr spie­len. Am Ende solcher Skandale stehen dann wieder Selbst­ver­pflich­tun­gen der In­dus­trie, die bestehenden Grenzwerte ein­zu­hal­ten.

Jetzt gibt es schon wieder schlechte Presse für den chilenischen Fisch: aus Deutsch­land. Da hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Le­bens­mit­tel­si­cher­heit (BVL) gerade in mehreren Stichproben Rückstände eines als krebserregend geltenden Fungizids und eines antiparasitären Me­­di­­ka­­ments entdeckt, die in der Bundesrepublik gar nicht zugelassen sind. Das Amt hat die Ergebnisse an die Länder weitergeleitet, die nun über Verzehrwarnungen entscheiden müssen. In Chile spielt man die Nach­richt (die in Deutschland noch nicht einmal über die Ticker gelaufen ist) vorsorglich herunter. César Barros, Vorsitzender des Bran­chen­ver­bands SalmónChile, gab zu Protokoll, man habe andere Sorgen als “winzige Verunreinigungen in einer Lieferung”, die vermutlich auf ir­gend­ei­nen Verarbeitungsfehler zurückzuführen seien. Aber - das weiß in­zwi­schen jeder hier - auch winzige Verunreinigungen können das Ge­schäft mit dem Lachs gehörig trüben.

Donnerstag, 28. Mai 2009

Oekumene (in)offiziell

?

nachdem ich mich anlässlich des Abendessens gestern über Fortschritte in der Oekumene gefreut hatte, kam dann ein erster Dämpfer schon bei der Heimfahrt mit der Metro, im Gespräch mit zwei Teilnehmenden fiel die Bemerkung, dass ihr Eindruck sei, dass der offizielle Oekumenebeauftragte im Bistum Santiago von Oekumene und den entprechenden Themen wenig Ahnung habe und vom interreligiösen Dialog wohl kam mehr als das Wort gehört habe. Schade
Der wohl sehr viel bittere Tropfen war im Regen der Informationen die ich in den letzten Wochen und Monaten bekommen habe wohl vermischt und damit wenig bitter geworden, aber gestern stiess er mir wieder auf:
Das Thema der Militärgeistlichen - unabhängig von pro und contra - es gibt ihn in Chile. Dem Militärbischof der im Rang eines Generals steht ist direkt vom Vatikan benannt (seit 1911) und von daher dem Erzbischof keinerlei Rechenschaft schuldig - und der aktuelle Bischof, Juan Barros Madrid wurde 2004 von Papst Johannes Paul II eingesetzt und hat mit Oekumene nichts am Hut. So wurde dem evangelischenPfarrer der Zutritt in die Kapelle im Neuen Spital der Militärs verweigert, so dass die Evangelischen sich einen Andachtsraum im Lichthof eingerichtet haben und jetzt hintertreibt er jeden Versuch, das Büro auch offiziell als solches zu kennzeichnen und eine entsprechnde Struktur aufzubauen.
Monsenor Barros Madrid hat wohl die Ergebnisse der letzten Volkszählung nicht gelesen, dass da nur noch von gut 70% Katholiken im Land die Rede war, und Kirtische Geister innerhalb der römisch katholischen Krieche gehen davon aus, dass 2012 bei der Volkszählung das Ergebnis knapp 60% sein könnte.
Nein nicht dass es so viele neue Evangelische geben würde. Eines darf bei allem Wachstum, dass die (evangelischen) Kirchen zeigen, nicht vergessen werden. Die Gruppe die am schnellsten wächst ist die der Zweifler. Und von daher - und hier nehme ich meine Worte von Dienstag Abend wieder auf, ist es unverzichtbar, ja nötig, gemeinsam als Christen in der Vielheit der Kirchen, die Stimme des Evangeliums in der Gesellschaft hörbar zu machen.

Mittwoch, 27. Mai 2009

Oekumene offiziell


Gestern Abend "Cena ecumenica", das jährliche Abendessen für die Fraternidad Ecumenica de Chile. Eingeladen waren wir in den Saal der syrisch orthodoxen Kirche und es gab arabisches Essen, mit gaaanz süssem Nachtisch.
Die mehr oder weniger 70 Gäste kamen aus verschiedenen Kirchen und ökumenischen Institutionen. Den Vorsitz hatte Kardinal Francisco Javier Errazuriz Ossa, und der Einladung folgten die, die an einer ökumenischen Arbeit interessiert ins. Nun gut, dass der Bischof der Anglikaner, Hector Zavala da war ist nicht weiter zu verwundern, aber auch orthodoxe Würdenträger waren anwesend, Vertreter der Bibelgesellschaft, Bischof Emiliano Soto von der Iglesia Evangélica Pentecostal Reformada, aber auch die Capellana der Moneda Juana Albornoz und der Capellan der Kripo David Munoz. Mit ihm, seiner Eherfrau, dem Hilfsbischof der anglikanischen Kirche, Abelino Apeleo, dem ersten indigenen Bischof in Chile, dem Vizepräsidenten der orthodoxen Gemeinde sassen wir an einem Tisch.
Klar ging es nicht um tiefschürfende Theologie, sondern eher darum, wieder einmal zusammen zu kommen, dennoch so meine ich, sind Dinge erwähnenswert:
a.) das Grusswort des Chefs der Kriminalpolizei der 5. Region, der spasseshalber meinte, dass sie von der Kripo eher im Dunklen arbeiten würden und die Kirchenmänner und -frauen eher im Licht - aber dass er und seine Männer und Frauen darauf grossen Wert legen auf das was "im Licht" gearbeitet wird, und was die Kirche zur Bildung einer Zivilgesellschaft beiträgt, sei nicht zu unterschätzen.
b.) die Rede des Kardinals, der unter anderem zur gemeinsamen Arbeit ermuntert, die Dinge die man gemeinsam tun könne und müsse: das sei zum Einen die Vorbereitung der 200 Jahrfeier Chiles im Jahr 2010 ( man will gemeinsam eine handgeschriebene Bibel erstellen, in der möglichst viele Menschen aus dem ganzen Land einen Vers schreiben) und eine Initiative zum Schutz des Sonntags, die nur dann Erfolg haben kann, wenn alle zusammenarbeiten.

Das war dann auch der Einstieg in das offizielle Schlusswort, zu dem ich gebeten worden war und in dem ich genau diese prophetische Rolle der Kirchen unterstrich und die Notwenigkeit gemeinsam Zeugnis von dem einen Gott und Herrn zu geben.

Nach dem offiziellen Schluss hatte ich noch Gelegenheit mit Bischof Zavala von der anglikanischen Kirche über die Arbeit "seiner" Kirche zu reden. Eine Kirche die in den letzten Jahren gewaltig wächst. Einen der Hauptgründe, das was man von Menschen zum Kirchenwachstum beitragen könne, sei dass man "Lideres", will heissen Menschen, die führen können, und das auf allen Ebenen - und dass man den Menschen Verantwortung für "ihre" Kirche gebe. Das sei eines der Ziele gewesen, als er sein Bischofamt antrat - und die Zahl von 90 Gemeinden zeige, dass man auf dem richtigen Weg sei, sich nicht zu verstecken sondern als Anglikaner aufzutreten und sich als Christen und Christinnen zu zeigen - in allen Bereichen der Gesellschaft.

Dienstag, 26. Mai 2009

Sonntag und Kirchgang XI

In all den Wochen in Chile hörte ich immer wieder, dass die Anglikanische Kirche "stark im Kommen sei". Ich muss gestehen, obgleich ich mit John Cobb Kent einen anglikanischen Kollegen an der CTE hatte, war mir die anglikanische Kirche fremd, ja fast exotisch. Ich wusste, dass im santiaginer Stadtteil Providencia eine Kirche stand, und war der Meinung, hier gehen nur Engländer und ein paar Nordamerikaner hin. Aus der Kirchengeschichte wusste ich, dass die Anglikaner früh eine Mission unter den Mapuche im Süden Chiles begonnen hatten, dort hatten sie Schulen und sogar einSpital gebaut - ab er sonst?
In all den Jahren habe ich nicht einen Studenten dieser Kirche an der theologischen Fakultät gesehen, obgleich sie einen ihre Mitglieder, eben jenen besagten John Cobb fast für Ewigkeiten im Lehrkörper hatten und auch immer einen Sitz im Direktorium einnahmen. Es musste also eine kleine Kirche sein, wenn sie keine Studenten schicken, umtriebig ja, das war sie. Schon 1992 hatte die Kirche einen Internetanschluss und der Verantwortliche für "Technik" war ein junger Chilene, aber all das war für mich noch eine Ausnahmeerscheinung.
Heute umfasst die Anglikanische Kirche mindestesn 90 Gemeinden mit einer starken Hauskreisarbeit, mit Männer- und Frauengruppen. Gruppen für Neue und Jugendgruppen, aber auch Studentengruppen. Sie bezeichnet sich selbst als katholische, apostolische und reformierte Kirche. Grossen Anklang finden Ehekurse und Männerbegegnungstage.
Es ist anzunehmen, dass mancher katholisch aufgewachsene Chilene und Chilenin, unzufrieden mit Papst und römisch-katholischer Kirche, in den Reihen der Anglikaner zu finden ist. Aber auch "aufstrebende" junge Pfingstler der 3. Generation, und ich weiss von Presbyterianern, die zwar in der presbyterianischen Kirche eingetragen sind, aber oft den anglikanischen Gottesdienst besuchen.
Also war auch ich am Sonntag bei den Anglikanern. Die "International Church" in der Providencia sieht von aussen altehrwürdig aus, die Einrichtung Ebenso so. Das Gebäude ist aus dem vorletzten Jahrhundert und hat sogar einen kleinen Turm. Vor der Leinwand rechts von der Kanzel steht der Beamer. "Bitte schalten sie Ihr Handy ab" ist zu lesen. Später wird die gemeinsame Liturgie, aber auch gemeinsame Gebete und der Predigteinstieg an Hand von Bildern aus einem Spielfilm dort zu sehen sein.
Hätte ich meinen anglikanischen Kollegen nicht vor dem Eingang getroffen, der mir bestätigt, ja es sei der SonntagsGottesdienst (Beginn um 12:00 Uhr) wäre ich doch etwas unsicher geworden.
Die Kirche hat Platz nach meiner Schätzung für gut 200 Personen - sehr viel weniger waren auch nicht da. Geschlechterverhältnis annhähernd ausgeglichen. Vom Alter her war ein Drittel über 50, zwei Drittel eindeutig darunter. Ob der Altersdurchschnitt 30 Jahre erreicht, weiss ich nicht. Kinder waren keine im Gottesdienst, die waren im Kinderhort, der von einigen Jugendlichen geführt wurde.
Die Predigt war inhaltlich gut vorbereitet, für meinen Geschmack etwas stark bibelbezogen, und wurde von einem jungen Pfarrer gehalten. Der Ortspfarrer hatte die Liturgie übernommen.
Ich war erstaunt.
Einmal mehr, wie jung GottesdienstbesucherInnen in Chile sind.
Nach 1 1/4 Stunde war der Gottesdienst vorbei. Alle waren zum Steh-Kaffee eingeladen und wohl mehr als ein Drittel blieb noch nach dem Gottesdienst. Eine Gruppe Jugendlicher, die auch da war, sah ich am späteren Nachmittag in der Nähe der Kirche ein Eis essen.
Auch für Jugendliche kann der Kirchgang zu einem Tagesprogramm werden.
Der hoffnunsvolle Aufbruch von Kirche, der mir immer wieder in Chile entgegenkam ist längst nicht nur auf die Pfingstkirchen beschränkt, es hängt auch nicht allein an der Musik, auch die Botschaft ist eigentlich so neu nicht, sie ist so alt wie bei uns - aber in Chile will sie offensichtlich gehört werden. Natürlich nicht von allen, ab er von vielen. Wie wir das in der Schweiz ändern könnten? Eindeutiger werden. Vielleicht eine Aktion wie die Deutschen Kirchen mit der Image-Kampagne? Ich weiss es nicht. Aber mit Zwingli möchte ich rufen: "Tut um Gottes Willen etwas tapferes!" Etwas Eindeutiges, etwas was weiterführt und klar macht: Wir sind die, die Gottes Wort für die Gesellschaft weiter- und in sie hineintragen, damit die Welt, dort wo sie menschlich ist, menschlich bleibt, und wo sie es nicht ist, menschlicher wird.

Oficina Nacional de Asuntos Religiosos - Divison Relaciones Politicas e Institucionales


heisst die ofizielle Bezeichnung der Stelle, die Humberto Lagos Schuffeneger innerhalb der chilenischen Regierung innehat und darum darf er auch dieses Logo benutzen.
Es ist da Büro für Religiöse Angelegenheiten.
Humberto, Mitglied der Iglesia Bautista, ist von Haus aus Soziologe, Rechtsanwalt, Politiker, mit Studien in Psychologie und Theologie, Sektenexperte und Universitätsprofessor, hat mehrer Bücher über Religionssoziologie und die Soziologie der Kirchen in Chile geschrieben und ist mit der evangelischen Sache eng verbunden. Wenn jemand die chilenische Kirchenlandschaft, zumindest auf dem evangelischen Flügel, kennt dann ist er es. Das Büro - nur wenige Schritte vom Präsidentepalast entfernt - ist nicht angeschrieben - auch nicht im Verzeichnis der Büros, das unten im Eingang hängt. "Nicht alle haben mich gern", meinte Humberto, den ich seit meiner Arbeit als Dozent für Kirchengeschichte an der Theologischen Fakultät in Santiago kenne. Ich kann mir noch vorstellen, dass ihn nicht alle gern haben, denn schonungslos nennt er Sekte was Sekte ist - auch und erst recht satanistische Sekten, und nimmt auch kein Blatt vor den Mund, wenn es um Machenschaften angeblicher Pfarrer und Kirchen geht, einem Umstand, den man dem sogenannten "Ley del Culto" von 1999 zu verdanken hat: Damals wurde vom Gesetzgeber festgelegt, dass alle Kirchen sich als körperschaften öffentlichen Rechts eintragen können, damit keine Steuern zahlen und weitere Begünstigungen bekommen, z.B. PfarrerInnen, dürfen in Krankenhäusern und Gefängnissen Besuche machen. Bald 2000 evangelsiche Kirchen und Korporationen haben sich seither in das Verzeichnis eingetragen und es werden monatlich mehr. Man stelle sich vor, 2000 (zweitausend) verschieden Kirchen (nicht Kirchgemeinden) in Chile. Dass es darunter auch "schwarze" Schafe gibt, kann nicht ausgeschlossen werden. Humberto hatte im Vorfeld des Gesetzes gewarnt, es müsse eine Instanz geben, die die Anträge nicht nur auf juristische Richtigkeit prüfe, sondern auch auf Inhaltliche. Aber wer soll das tun? Das Theologiestudium ist nicht geregelt. "Pastor" ist nicht, wie der "Pfarrer", ein gesetzlich geschützer Titel. Pastor(a) darf sich jede(r) nennen. Welche Instanz sollte prüfen, ob Gottesdiesnt, Predigt, Ethik und Gesamtaspekt einer evangelischen Kirche gegeben sind? Ein Büro der katholischen Kirche? Bei aller Liebe, aber das würde die Mehrheit der evagelischen Kirchen nicht akzeptieren. Die Lutheraner?, weil sie die älteste evangelische Kirche sind, oder die Presbyterianer, will heissen ein Büro der Reformierten? Oder doch besser die Methodisten? Zu ihnen haben die meisten Pfingstkirchen ein gewisses Vertrauen? Oder doch lieber el Consejo de Unidades Pastorales de la Región Metropolitana - CUPREM, der auch in anderen Provinzen vertreten ist? Nun es gibt keine Antwort, also wird gar nicht geprüft, und jeder kann seine eigene Kirche aufmachen, was der gemeinsamen Sache, die Gute Nachricht zu verkünden und im täglichen Leben sichtbar zu machen überhaupt nicht zuträglich ist. Sicher, das Gesetz von 1999 hat für die Evangelsichen in Chile Fortschritte gebracht, nämlich die eigenen Pfarrer im Regierungspalast, bei der Polizei und beim Miltär, dass die Hochzeiten anerkannt sind, dass evangelischer Religionsunterricht erteilt werden MUSS usw. Es war auch Zeit, denn laut Volkszählung aus dem Jahr 2002 sind 15,1 % der Bevölkerung evangelisch. Humberto Lagos meinte, wenn man richtig gefrägt hätte, wäre man auf 20% gekommen. Die Fragen waren z.T. falsch gestellt, bzw die Befrager wussten zu wenig, wie man die einfachen Menschen nach ihrer Relgion befragen muss. Die Zahl von 4% unter "anderen Religionen" sei viel zu hoch. Ausserdem wurde nur die Bevölkerung büer 14 nach ihrer Religionszugehörigkeit befragt. Kinder aussen vorgelassen. Die Mehrheit dieser - sagen wir 20% - sind den verschiedensten Pfinsgtkrichen zuzurechnen. Aber die Pfingstkirchen beginnen sich zu verprotestantisieren, das heisst, es geht zunehmend um Strukturen und nicht mehr immer um den Geist, der Streit in der Iglesia Metodista Pentecostal sei nur ein Zeichen dafür. Es geht (leider auch) um Macht und Einfluss und das nicht nur innerhalb der Kirche, sondern auch innerhalb der pfingstlich geprägten Familien ist hier ein Paradigemenwechsel festzustellen. Immerhin kann man bald von einer 3. Generation von Pfingstlern sprechen. Waren die ersten Pfingstler meist ganz einfache Menschen ohne Schuldbuldung, so haben in der zweiten Generation ganz viele einen Schulabschluss und von den Jungen hat mancher einen Universitätsabschluss. Hier können nicht mehr handgestrickte Antworen im Schwarzweissmuster mit einem "Gloria a Dios" zusammengebuden werden. Da braucht es Diskurs, Nachvollziehbarkeit, Stringenz. Die Feststellung die der schweizer Soziologe Christian Lalive D'Epinay Ende der sechziger Jahre machte, dass die Pfingstkirchen sich aus allem Weltlichen und auch aus dem politischen Leben heraushalten stimmmt laut Humberto schon seit einiger Zeit nicht mehr, im Gegenteil, unter den Gewerkschaftsführern finden sich auffällig viele Pfingstler, und so stimmt auch das Bild nicht, dass die Pfingstler rechts wählen. Nein, die wählen auch links.
Doch zurück zu den "jungen Wilden". Wo gehen die hin? Die Tendenz ist nicht eindeutig. Einige landen sicher bei den Neo-pentecostales im Barrio Alto, also bei den Halleluja Kirchen mit Sound und Technik in den "besseren" Wohngegenden. Andere aber bei den sogenannten Historischen Kirchen wie den Metodisten, den Presbiterianern, ja sogar bei den Lutheranern. Ja er mochte nicht einmal ausschliessen, dass der Boom der Anglikaner auch von Menschen ausgehe, die eigentlich aus der Pfingsttradition kommmen.
Darüber gilt es noch zu forschen, zu fragen zu befragen. Sicher ist, und das tauchte immer wieder in vilen Gesprächen auf, dass es DIE Pfingstkirche in Chile nicht gegeben hat und darum auch DIE Pfingstler nciht. Sicher ist auch, dass die Pfingstkirchen - zumindest im Moment - nicht mehr wachsen, sondern eher vom "sheep-steeling" ausghend auf hörere Mitgliedszahlen kommen (Ausnahmen bestätigen die Regel). Dass es einen "Kampf" zwischen Pfingstkirchen und Neu-pfingstlern gibt, der sich durch die Verprotestantisierung einiger Pfingstkirchen verstärkt, und dass man mit den verschiedenen evangelischen Kirchen in Chile, auch im politischen Sektor rechnen muss, und dass der Staat, trotz Trennung von Kirche und Staat seit 1925 ein Intersse daran hat, die religiösen Gemeischaften zu stärken, ist für Humberto keine Frage. In der offiziellen Berichterstattung des "Religionsbüros", aus dem Jahr 2005, unterschrieben vom Regierungssprecher heisst es: "Der moderne Staat geht davon aus, dass die verschiedenen Formen von Vereinigungen, Organisationen und Gemeinwesen im Allgemeinen nicht nur Respekt und Autonomie verdienen, sondern die aktive Aufmerksamkeit, mit dem Ziel ihren Aufbau, Entwicklung und Wachstum zu fördern. ... Das ist das aktive Interesse auch am Los der verschiedenen spirituellen "Familien" (sprich Kirchen) welches das Handeln der Konzertatiion (aktuelle Regierung)geprägt hat." Man höre gut: der moderne Staat hat ein Interesse am Los und am Ergehen der Kirchen. Es ist ihm nicht gleich, er behindert sie nicht, sondern er fördert sie in ihrer Arbeit, denn Religion ist, ob das einige Politiker und Meinungsmacher wahrhaben wollen oder nicht, Teil des Menschen und damit auch Teil des Zusammenlebens der menschlichen Gemeinschaft. Wer das NICHT ernstnimmt, macht sich schuldig an einer Radikalisierung, Entsolidarisierung und Enthumanisierung der Gesellschaft, was sowohl das Zusammenleben, als auch das Regieren nicht einfacher sondern im Endeffekt nur komplizierter macht.

Montag, 25. Mai 2009

Wunder gibt es immer wieder

trällerte Schlagerstar Katja Ebstein 1970 beim European Song Contest (s.O. Video-Link) und brachte die Wunder mit neuem Glück in der Liebe zusammen. Ich fand den Text damals blöd und finde ihn heute nicht besser, aber der Refrain blieb mir doch im Gedächtnis und wurde irgendwie diese Woche plötzlich aktuell:
Wunder gibt es immer wieder
heute oder morgen
können sie geschehn.
Wunder gibt es immer wieder

wenn sie dir begegnen
mußt du sie auch sehn.
Warum das?
Als Pfarrer kommt man am Thema "Wunder" ja nicht vorbei. Spätestens mit dem Beginn des Studiums setzt man sich als junger, angehender Theologe historisch-kritisch damit auseinander, das heisst, man fragt: "Weshalb wird gerade an dieser Stelle von einem der Evangelisten ein JesusWunder erzählt, worauf möchte er aufmerksam mache, in welchem Kontext steht das Wunder und wie kann man es interpretieren?"
Ich bin meinen ehemaligen Professor Friedrich Hahn an der Uni Giessen bis heute dankbar für die behutsame Einführung in dieses nicht einfache Thema. Er hat im neutestamentlichen Proseminar meine "feste Burg" des Kindergottesdienstglaubens zertrümmert und mir stattdessen aus den Bruchstücken Material mitgegeben, aus dem ich das Haus meines Glaubens zimmern konnte: eine bescheidene Hütte, die mir aber bis jetzt in den Stürmen des Raum bot.
Zurück zum Thema Wunder:
Nun bei "uns", in vielen Gottesdiensten und Gesprächen mit Gliedern der reformierten evangelischen Landeskirche in der Schweiz ist von Wundern wenig die Rede, und wenn, dann wird meist sofort versucht es (auch) wissenschaftlich zu erklären. Und bei denen, die sich nicht zur Kirche und zu den (überzeugten) Christen und Christinnen zählen, ist das Thema Wunder eigentlich überhaupt kein Thema.
Hier in Chile habe ich immer wieder - sowohl in evangelischen als auch in katholischen Kreisen - von Wundern gehört. Ob jetzt durch Heilige oder nicht, das sei für den Moment einmal dahingestellt, denn das wäre eine andere Diskussion. Was mich mich aber immer wieder überrascht hat und überrascht, das ist die "Natürlichkeit" mit der von Wundern gesprochen wird.
Allein zwei Heilungswunder wurden mir diese bzw. die vergangene Woche erzählt: einmal ging es um einen Mann, der von den Aerzten für fast taub erklärt wurde (ein Ohr 0 beim anderen 10 - 20 % Hörfähigkeit) und nun kann er wieder ohne Hörgerät mit seiner Familie reden und das anderem Mal um einen terminaler Krebs, der plötzlich - nachdem eine Gebetskette eingerichtet war - nicht mehr da ist .
Jetzt kann man natürlich spekulieren, ob der je da war, vielleicht haben sich die Aerzte ja geirrt, oder die Chemotherapie hat auf einmal so gut angesprochen nachdem der erste oder der xx. Versuch fehlgeschlagen war, oder da will sich einer wichtig machen (was in beiden Fällen sicher nicht zutrifft) und und und.
Darum geht es mir gar nicht.
Es geht mir darum, mit welcher Natürlichkeit hier Gott etwas zugetraut wird, dass Gott zugetraut wird, dass ER in mein Leben eingreift, und das auf eine Weise, in der es nicht zu erwarten gewesen wäre. So sehen es die, die für diesen jungen Mann beteten.
Aber so wollen es Viele aber nicht sehen.
Es geht um einen Perspektivenwechsel.
Da gab es einen Fernsehbericht über den "Triumpf des Willens": ein Mädchen war unglücklich mit einem Fuss in den Felsen im Meer hängen geblieben. Trotz allem Bemühen konnte sie sich nicht selbst befreien und so stand sie als die Flut kam bis zum Bauch im Wasser.
Als es Nacht wurde, rief die Mutter die Polizei. Die machte sich dann schlussendlich irgendwann auf die Suche. Fand das Mädchen aber nicht. Am nächsten Tag wurde weitergesucht, und am Abend war sie noch nicht gefunden. Nun war die Suchmannschaft überzeugt, dieses Mädchen, wenn am Meer wirklich ein Unglück geschehn ist, ist tot.
Die Mutter aber war davon überzeugt: Meine Tochter lebt und da müsst ihr sie suchen. Sie habe es im Traum gesehen.
Schlussendlich - wohl um Ruhe zu haben, schickte der Suchdienstleiter noch einmal zwei Taucher los, dahin wo man schon gesucht habe - und die kamen mit dem Mädchen , unterkühlt zwar aber sonst gesund, zurück.
Die Reporterin, unterstrich immer wieder, was menschlicher Wille vermöge. Nun ich weiss nicht ob menschlicher Wille etwas ausmacht wenn man fast drei Tage lang seine Füsse in Salzwasser badet, aber das Mädchen bestand darauf, dass Gott ihr geholfen habe. Von Anfang habe sie gebetet, Gott möge ihr helfen - und er habe ihr geholfen.
Menschlicher Wille? Nun er vermag viel.
Aber dieses Mädchen und die Mutter, die diesen Traum hatte und den Polizisten zeigte, wo sie suchen müsen, ist das nicht ein bisschen viel menschlicher Wille?
Nein es geht für mich hier nicht um Wunderglauben, es geht für mich nicht darum mit "Wundern" beweisen zu wollen, dass Gott ist. Das ist mir vollkommen fern.
Aber darauf trauen, darauf vertrauen, dass Gott ist und er durchaus in mein Leben eingreift, dass wäre doch schon einmal ein Schritt um von menschlicher Ueberheblichkeit weg um auf das Wesentliche zu schauen, auf das Leben, das einem Jeden und einer Jeden geschenkt wurde.
Manchmal muss man als Pfarrer wohl sehr bescheiden werden, zu den ganz einfachen Menschen gehen und zuhören, hören dass Gott in ihrem Haus "wohnt" und für sie sorgt: nicht frömmelnd reden sie davon, sondern durchaus auch mit einem Glass Wein heftig auf das Leben anstossend.

Mittwoch, 20. Mai 2009

Evangelische Universität - wann?


... das fragten mich die Studenten und Studentinnen an der Universidad Andres Bello, an der ich zu einer Gastvorlesung eingeladen war. Thema: Die Herausforderungen des 21 Jahrhunderts für die Kirchen im Vergleich zu den vorhergehenden Jahrhunderten in der Kirchengeschichte - und da lag dann, als wir auf die Rolle der Universitäten bei der Reformation kamen - die Frage auf der Hand.

Die Frage nach der (theologischen) Ausbildung der Evangelischen in Chile ist nicht ganz so alt, aber auch nicht gerde ein neues Thema. Im Grunde genommen ist sie fast so alt wie die evangelischen Kirchen in Chile (ca 130 Jahre) - aber gereicht hat es nie zu einer Universität. Da gab es zwar schon in den zwanziger Jahren gemeinsame Institute zur Ausbildung einheimischer Pfarrer, die aber bald wieder schlossen. In den sechziger Jahren wurde die Comunidad Teologica Evangelica ( CTE ) gegründet, ein Zusammenschluss mehrer evangelicher Kirchen zur Ausbildung ihrer Pfarrer. Auch ein paar wenige Pfingstkirchen waren dabei. Aber die Mehrheit dieser Kirchen hatte kein gesteigertes Interesse an dieser Ausbildung. Am Fernkursprogramm mit einzelnen Elementen wie :"Jetzt verstehe ich die Bibel" und so, davon waren sie begeistert. Aber eine profunde Ausbilung. Keine Chance so ein Programm anzubieten. Wer sollte das bezahlen?

Kam dazu dass die CTE von Anfang an eine starke innerevangelische-ökumenische Ausrichtung hatte, was einigen Leitern der Pfingstkirchen nicht gefiel, und anderen gefiel in der Zeit der Diktatur unter Pinochet die politische Ausrichtung nicht.

Andere, wie die Bautistas, die Baptisten, hatten ihr eigenes Institut, und Pablo Hoff - ein Nordamerikaner - gründete vor 30 / 40 Jahren sein Institut für die Pfingstkirchen (man versehe immer "einige" wenn von "die" die Rede ist). Dazu gab es ein Seminar hier, das der Allianzkirche zum Beispiel und eines dort.

In der CTE, an der ich in Santiago arbeitete kam es zu einem gewissen Auftrieb anfangs der neunziger Jahre: man erkannte, dass es nicht mehr genügt irgendwelche Diplome auszugeben, die im Grunde niemandem nützen. Es wurde ein Programm zur Lehrerfortbildung ausgearbeitet, den staatlichen Entscheidungsträgern vorgelegt - und nun konnten Kurse für Lehrer angeboten werden, damit sie auch evangelischen Religionsunterricht erteilen können. Diese Diplome waren staatlich anerkannt. Endlich ein Mehrwert, der geboten werden konnte. Man unterstrich nun CTE - Facultad de Teologia. Aber es blieb der Traum einer Universität.

Nun, so scheint es, ist eine der grössten Pfingtkirchen zu dem Schluss gekommen, es braucht eine evangelische Univesität. Die Iglesia Metodista Pentecostal weiss aber auch, dass sie dieses Projekt nicht allein stemmen kann, sondern möglichst viele Kirchen braucht, die mitziehen.

Also wurde 2007 die Corporacion Evangelica para el desarollo gegründet, und diese "Entwicklungsgesellschaft" soll zum Träger der Evangelischen Univesität werden. Zu diesem Zweck hat man mit verschiedenen Privatuniversitäten Abkommen geschlossen: Die Corporation stellt die Lehrer, sprich Profesoren und die Universtät gibt einen anerkannten Titel. Im Fall der Universidad Andres Bello, an der ich eingeladen war, heisst er: "Diplomado de Estudios Biblicos & de Gestion Institutional". Klingt gut - findet Interesse.

Das Bild vom "Pastorcito", vom "Pfäffli", - ich karikiere - das irgendwann einmal geträumt hat, auf diesem Grundstück will ich eine Kirche bauen, und sich von nun an abrackerte zwische 3 Jobs, 5 Bibelstunden und 4 Gottesdiensten in der Woche, allein mit der Bibel in der Hand und ohne die geringste Ahnung, was in der Welt ausserhalb seiner Kirche passiert, stimmt - wenn es je so gestimmt hat, wie dei Evagenslichen in Chile gesehen wurden - immer weniger.

Ich sagte in meiner Gastvorlesung: "Die grosse Herausforderung für die evangelischen Kirchen in Chile sei in meinen Augen die Professionalisierung, nicht nur der Pfarrer und der (wenigen) Pfarrerinnen sondern grundsätzlich müsse es jetzt darum gehen - wenn man "Chile für Christus" ernstnehmen will - eine grosse Bildungsoffensive zu starten. Jede(r) Evangelsiche müsse die Chance zur Berufsausbildung, bis hin zur Universiät haben - und da Privatunis teuer seien, wäre die evangeliche Universität, getragen von den evangelischen Kirchen eine vielverprechende Alternative. Der Beifall der knapp 60 Studentinnen und Studenten in der Vorlesung bestätigte, dass ich hier nicht so falsch liege. Es gibt durchaus Männer und Frauen die auf diesem Weg sind und viel Herzblut einsetzen, um in dieser Richtung in Chile weiterzukommen.



Freitag, 15. Mai 2009

Begegnungen VII - mit der Armut: konkret

Dienstag morgen war es und empfindlich frisch, als ich um 9:00 Uhr an der Metrostation San Alberto Hurtado santd aund auf Sylvana wartete. Sylvana, langjährige Freundin in der Nichtregierungsorganisation KAIROS, deren Vicepräsident ich für einige Jahre war, und deren Entwicklung ich aus der Ferne mitverfolge. Heute nun war endlich Gelegenheit wieder einmal allles aus der Nähe zu betrachten und nachzufragen. Zum Glück war Sylvana sehr pünktlich, um mit mir nach Renca zu fahren, wo Kairos seinen Hauptsitz hat. Renca ist eine der ärmsten Kommunen Santiagos - und wenn es kalt und feucht ist, wirkt alles noch depremierender. Wir fuhren ohne Umwege sofort zum Zentrum, ein für eine Poblacion grosszügiges Haus mit ziemlich viel Grundstück, dass sie im Komodad bekommenhaben. Klar, alles umgeben von hohen Mauern und vergitterten Toren. Kriminaltät ist ohne Frage ein Thema in einer Komune, in der 40% der SchülerInnen den Schulabschluss aus verschiedensten Gründen nicht schaffen. Hier ist das Herz der Organisation, und hier funktioniert die Recyclingstelle, die sie mit Männern von der Strasse aufgebaut haben, gleichzeitig ist dort der Lehrpfad zum Thema Umweltschutz, der gerne von Schulklassen besucht wird und die Beratungsstelle für Frauen, die in Situation intrafamiliärer Gewalt leben oder lebten.
Nur wenige hundert Meter entfernt steht ein weiteres Haus von Kairos. In diesem Haus ist der Kleinkinderhort, bzw die Sala Cuna für Babys, ausserdem ein Kindergarten, verschiedene kleinere Räume und ein grösserer Saal für Kurse der Erwachsenenbildung, das Materiallager einer Frauenkooperative und eine Ausbildungswerkstatt für arbeitslose Jugendliche, die dort und fachkundiger Anleitung schweissen lernen.

Und alles hat mir Sylvana haargenau erklärt, auch ihre Schwierigkeiten in Bezug auf die Finanzierung der Arbeit, und dass sie von der Bürgermeisterin der Kommune, eine Vertreterin der UDI, d.h. platt gesagt, der Partei der Pinochetisten, bei allen Projekten erst einmal nicht zum Zuge kommen.

Wer, bzw was ist KAIROS?

Zum Kairós Fotoalbum


Gemeinwesenentwicklung in den Armenvierteln am Rande von Santiago ....

Kairós ist eine vom chilenischen Staat anerkannte Nicht-Regierungs-Organisation mit ökumenischer Ausrichtung, die von drei Zentren aus Projekte der Gemeinwesenentwicklung in den Kommunen Renca und Peñalolen unterhält. Sie hat etwa 20 hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, grösstenteils Chilenen und Chileninnen, aber auch immer wieder Praktikanten und Freiwillige aus Deutschland.
Das Wort Kairós bezeichnet im Griechischen des Neuen Testaments den „rechten Augenblick", den „Zeitpunkt der Entscheidung", in den der Mensch durch die Botschaft vom Reich Gottes gestellt ist. Die Organisation ist zu einem Zeitpunkt entstanden, als es in der Kirche Chiles nach dem Ende der langjährigen Pinochet-Diktatur heftige Auseinandersetzungen über den künftigen Kurs der Arbeit in den Armenvierteln gab. Die Gründerinnen und Gründer von Kairós wollten sicherstellen, dass eine selbstbestimmte, nicht bevormundende Sozialarbeit mit den Armen, wie sie zur Zeit der Diktatur unter dem Schutz des damaligen Erzbischofs von Santiago geleistet wurde, weiterhin möglich blieb.
Ziel von Kairós ist „Hilfe zur Selbsthilfe" im besten Sinn. Den Bewohnern der Armenviertel werden keine Projekte übergestülpt, die man am grünen Tisch erdacht hat und die solange laufen, wie der Experte vor Ort ist. Vielmehr arbeitet Kairós mit den Selbsthilfegruppen der Armen zusammen, unterstützt ihre Initiativen, bildet ihre Mitglieder aus und stärkt ihnen den Rücken gegenüber den Behörden bei der Vertretung ihrer Interessen. Wo keine Basisorganisationen vorhanden sind, versucht Kairós die Gründung solcher Initiativen anzuregen und zu begleiten, damit auch die Menschen am Rand der Gesellschaft unter würdigen Bedingungen leben können. Und das beginnt damit, dass der arbeitslose Alkoholiker, der lange auf der Strasse lebte, nun Chef eine Recycling-Truppe aus 15 ehemaligen "Berbern" ist. Er ist auch verantwortlich dass das Papier, dass die 15 monatlich sammeln, noch einmal auseinandergenommen und nach Kategorien getrennt wird (das bringt mehr Geld) , und der die Tetrapacks aufschneidet und säubert, weil man aus ihnen "Dachziegel" schneiden kann, damit die armseligen Behausungen wenigstens einigermassen trocken bleiben.


Kairós bietet an:

Erwachsenenbildung

Es werden Kurse zu Themen wie Kochen, Backen, Kerzenherstellung, Handarbeiten oder Friseurhandwerk angeboten, verbunden mit der Schulung sozialer Kompetenzen.
Zur Zeit (2006) ist ein Bildungszentrum geplant, an dem Erwachsene und Jugendliche ihre Schulabschlüsse nachholen können.

Gemeinwesenentwicklung

Kairós unterstützt die Nachbarschaftsvereinigungen durch verschiedene Kursangebote, um die Lebensqualität in den Armenvierteln zu verbessern. Ziel aller Kurse ist die Bildung stabiler Organisationen, die später eigenständig weiter arbeiten können

Gesundheitsgruppen

Freiwillige werden in Erster Hilfe und Krankenpflege ausgebildet mit dem Ziel, dass sie in ihrer Siedlung eine Krankenstation einrichten und betreiben können.

Jugendwerkstätten

Arbeitslosen Jugendlichen werden Kurse angeboten, die technische Fertigkeiten in Möbelschreinerei, Metallverarbeitung oder Elektrotechnik vermitteln und das Selbstvertrauen der Jugendlichen stärken, damit sie bei der Arbeitssuche bessere Voraussetzungen mitbringen.

Kindergärten

In zwei Kindergärten werden über 100 Kinder aus sozial und wirtschaftlich schwachen Familien ganztägig betreut. Si erhalten eine ausgewogene Ernährung, angemessene Räumlichkeiten, Aufmerksamkeit, Zuwendung und die Förderung einer umfassenden Entwicklung.

Umweltschutz

Im Auftrag der Kommune Renca betreut Kairós ein Ökologie-Zentrum, um mit den Bewohnern der Armenviertel Maßnahmen zur Verbesserung der Umwelt durchzuführen.

Jährlich werden in den Siedlungen Baumpflanzaktionen organisiert.

Bei allem geht es darum, die Armen aus ihrer Isolation herauszuholen zu gemeinsamem Tun. Was manchmal gelingt und manchmal auch nicht und für mich war udn ist es eine freude zu sehen, mit wiewiel Energie die Geschäftsführerin nachwie vor bei der Arbeit ist.

Und es freut mich, wenn ich sehe, wieviele Kindergartenkinder, zumindest in einem wichtigen Lebensabschnitt, in gewisser Sicherheit aufwachsen können.

Einmal mehr ein Besuch, eine Begegnung, die mich sehr beeindruckt hat

Alkohol - ein gesellschaftliches Problem

Ein Liter Bier ist schon zu viel - titelte gestern der Mercurio, eine Zeitung die mit der FAZ oder der NZZ zu vergleichen ist. Anlass war ein schwerer Verkehrsunfall am Wochenende, der 5 Jugendliche aus Santiago das Leben kostete, als der Fahrer betrunken und mit überhöhter Geschwindigkeit in einen Brückenpfeiler krachte. Fünf Tage vorher war auf der gleichen Strasse das Auto einer Rockband unter ähnlichen Umständen in einen Unfall verwickelt, auch hier starben 2 Jugendliche.
7600 Menschen sterben in Chile eine unnatürlichen Todes, der mit Alkohol in Verbindung zu bringen ist, fast ein Drittel davon sind Jugendliche zwischen 18 und 25 Jahren.
* In Chile gibt es laut Mercurio ca. eine Million Menschen, deren Alkoholgenuss als "problematisch" bezeichent werden muss (bei ca. 15 Mio Einwohnern)
*400.000 KINDER zwischen 9 und 15 konsumieren täglich Alkohol
* Leberzirrose ist die vierthäufigste Todesursache in Chile
* Bei 52% aller Delikte, vom Taschendiebstahl bis zum Totschlag ist Alkohol mit im Spiel
* 70% der Fälle in denen Absenz am Arbeitsplatz festgestellt wird ist mit dem Alkohol in Verbindung zu bringen.

Alkohol ist ein gesellschaftliches Problem - und gerade hier hatten und haben viele der Pfingstkirchen einen Erfolg zu verzeichnen. Mit ihrer rigorosen Haltung gegenüber Alkohol und gleichzeitig fast täglicher "Beobachtung" und Begleitung der Gemeindeglieder, die mit Alkohol Probleme haben, konnten sie im Laufe ihrer hundertjährigen Geschichte in Chile tausende, wenn nicht zehntausende Menschenleben retten, Familien stabilisieren, Ausbildung ermöglichen:
Ein Mann der nicht trinkt, bringt Geld mit nach Hause, das Ausbildung ermöglicht, ist ein Vater, auf den die Kinder mit gewisser Achtung schauen und ein Ehemann, der nicht schlägt.
Alkohol, ein gesellschaftliches Problem in Chile - ein gewaltiges Problem, das alle angeht, aber nur von Wenigen wahrgenommen wird, trotz Kampagnen von verschiedenster Seite, wie das folgende Plakat zeigt: "Komm nach Hause - fahr nicht wenn du getrunken hast."

Sonntag und Kirchgang X

AmSonntag war ich in der Lota-Kirche, die heisst so, weil sie in der Avenida Lota in Santiago steht Also eigentlich heisst sie ja anders (El Redentor = Erlöserkiche) , aber fast alle sagen Lota-Kirche. Die Lotakirche wurde 1932-33 von der Deutschen Evangelischen Kirche in Chile gebaut und im August 1933 eingeweiht. In den 50ziger Jahren kam dann der Gemeindesaal dazu und war immer auchSitz des Probstes, bzw des Bischofs der lutherischen Kirche. (vgl zur Geschichte der Lutheraner in Chile u.A. auch. Karl F. Appl, Die Geschichte der evangelischen Kirchen in Chile, erschienen im Erlanger Verlag)
Die Kirche gehört der ILCH , der Iglesia Luterana en Chile, der grösseren der beiden lutherischen Kirchen in Chile - immerhin wird die Zahl mit 13500 Gemeindegliedern in ganz Chile angegeben, was für eine evangelische Kirche in Chile schon stattlich ist.
Wie in der IELCH wird auch in der ILCH der Gottesdienst sowohl auf deutsch als auch auf spansich gefeiert. Vorbei die Zeiten, da ILCH für "Deutsche Kirche" stand.
Ich war im deutschsprachigen Gottesdienst.
Nun vielleicht ist es ein Vorurteil, aber es kam mir auch vor, als würde ich irgendwo in Deutschland auf dem Dorf an einem Gottesdienst teilnehmen: Die Kirche, mit einem imposanten Kruzifix im Chor, war ziemlich gut besetzt, eher ältere Gottesdienstbesucher, ein paar wenige junge bzw jüngere Menschen, Verhältnis Frauen Männer 2 zu 1. Die Liturgie war gut lutherisch, ich war sofort dabei, kam mir aus Kindertagen bekannt vor.
Die Predigt ordentlich, aber kein Bezug auf Chile. Das Wort kam nicht vor.
Eben, es ist vielleicht ein Vorurteil, aber die Gottesdienstgemeinde es ist eine Diasporagemeinde, die zumindest am Sonntag, in einer anderen Welt ist, als die die sie umgibt.
Ich weiss, dass ILCH mehr, viel mehr ist, als dieser deutschsprachige Gottesdienst, aber da kam mir das irgendwie fast nicht real vor.
Real war der anschliessende Kirchenkaffee mit guten Gesprächen mit den 2 Kirchenvorstehern und einem der beiden Pfarrer über die Rolle der Kirche in den siebziger Jahren des letzen Jahrhunderts, über die Schwierigkeit, darüber und über die Spaltung (schon) Geschichte zu schreiben, und welches Buch über Kirchengeschichte ich denn empfehlen würde. So waren wir im Gespräch und dann war es doch fast 12:30 Uhr geworden, bis ich zu Hause war, obgleich die Kirche nur wenige hundert Meter von meinem Wohnort entfernt ist.
Anders war der Gottesdienst als die anderen, die ich bis jetzt besucht hatte, aber gerade die Vielfältigkeit von Gottesdiensten und Gemeinden, die trotz allem unter einem Gott und Herrn stehen, macht ja neben anderem auch unser (evangelisches) Christsein aus, dass in einer Institution Platz für Viele und Vieles ist.

Montag, 11. Mai 2009

Begegnungen VI - im Kindergottesdienst

klingt harmlos im Titel ist es aber nicht, sondern ist eine meiner bewegendsten Begegnungen der letzen Wochen.
Aber eigentich fing es "harmlos" an. Sara Ossa, Mitglied der Iglesia Evangelica Pentecostal, wollte mir die Arbeit mit Kindern zeigen, die sie in ihrer Kirche machen. "Aber", so hatte sie mich vorgewarnt, "nicht in unserem Wohnviertel, sondern im Stadtteil "El Bosque"" werden wir den Kindergottesdienst besuchen."
El Bosque ist eine der "neuen" Gemeinden in Santiago, per Gesetz 1981 während der Pinochett Diktatur gegründet und seit 1991 wirklich eine Komune mit heute etwas mehr als 180.000 Einwohnern - und nicht mit dem Stadtviertel El Bosque in Las Condes zu verwechseln.
KANN man auch nicht, wenn man erst da ist: Die Häuser (Behausungen) wurden immer einfacher, die Autos wurden immer älter, die Autwracks am Strassenrand immer zahlreicher je näher wir von an San Miguel nach El Bosque kamen, und nachdem wir irgendwann einmal von einer asphaltierten Strasse links abgebogen waren, parkte Sara ihr Auto. Das Gebäude der IEP steht auf einem Grundstück von vielleicht 500 Quadaratmetern, einfachste Konstruktion wo wirklich nur das Schild verrät: hier ist ein Kirche.
Ein Mädchen spielte auf dem staubigen "Vorplatz" der Kirche, der naturlcih durch ein Gitte von der Strasse ab getrennt war; zwei oder drei andere und eine Kindergottesdiensthelferin warteten in der Kirche. "Wir gehen die anderen Kinder abholen - und es wäre besser Taschen und Wertgegenstände im Kofferraum des Autos einzuschliessen - man kann ja nie wissen wem man hier begegnet." Eigentlich wäre tagsüber keine Gefahr aber sicher sei sicher, fügte Sara noch hinzu und schloss den Kofferaum auf, damit wir wirklich Tasche und Portenomaie abgeben.
Mit den bereits wartenden Kindern an der Hand ging die Mitarbeiterin, die in diesem Viertel zu hause ist, voran. Ihr folgte Sara, dann Blanca und ich - und jene Menge Hunde um uns herum.
Es ging 200 m zu einer Wohnsiedlung mit sogenannten "Viviendas Basicas", Wohnungen, die nicht grösser sind als 30 qm. Wieviele Personen darin wohnen ist nicht klar. Der Blick auf den Wohnblock ist mehr als ernüchternd. Ich merke, wie sich mein Magen zusammenzieht.
Ein paar Kinder warteten vor dem ersten "Hauseingang", andere mussten wir abholen. Der Aufgang in den ersten Stock ging über eine Aussentreppe, über die Wasser floss und wo der Dreck stand, es roch ziemlich streng. Der Blick vom ersten Stock auf den Innenhof war nicht nur für mich schockierend, auch Blanca, die als Chilenin schon manches Viertel und manche Wohnung gesehn hat, war sichtlich geschockt. Da gab es Wohnparteien, die ihren Abfall aus dem Fenster, bzw über die Brüstung einfach in den Innenhof werfen. Die Dächer der Abstellplätzen im Innenhof glichen Müllkippen. Ich fürchte die Ratten feiern hier fröhlich Feste. Die Kleider, die irgendwo unter Dach aufgehängt sind und an denen wir vorbeistrichen, sind wahrscheinlich wenn sie trocken sind, genauso schmutzig wie vorher, weil alle Nachbarn daran"vorbeischleichen" müssen.
Fotos habe ich keine gemacht - ich hatte das Gefühl ich verletzte das letzte Stück Würde, sofern sie es sich erhalten konnten - der Menschen, die hier leben. Das Foto oben ist aus dem Internet und ist ein Spieel dessen, was wir gesehen haben.
Am meisten aber berührte mich der Gedanke an die Kinder, die sich ja nicht ausgesucht haben hier zu wohnen, und die sich auch nicht wehren können. Sie wachsen in Enge, in Dreck, im Geschrei der Nachbarn auf. Die Wohnungen sind so eng, dass sie sich kaum darin aufhalten können. Hausaufgaben machen wo?
Ich werde wohl das Bild in Concepcion, vor einigen Jahren nie vergessen: ein etwa 10 jähriger Junge der in der Kälte unter einer Strassenlaterne kauert und seine Rechenhausaufgaben macht.
Zurück nach El Bosque.
Also in der Wohnung können sie nicht bleiben, und die Strasse?
Auf dem einzigen freien Platz, auf dem ein paar kümmerliche Bäume stehen, und die Grundgerüste einer Wippe und eine Rutschbahn auszumahcne waren, waren ältere Jugendliche bzw Männer versammelt und liessen die Flaschen kreisen -obwohl Alkoholgenuss in der Oeffentlichkeit in Chile verboten ist. Aber in disem Quartier ist das oft noch die geringste Uebertretung.
Zum Schluss haben wir 6 Kinder eingesammelt, ein Mädchen war krank - Bauchschmerzen! und einen Jungen haben wir nicht gefunden.
Ob sie katholsich, evangelisch, mormonisch oder gar nichts sind, wird nicht gefragt, ist auch nicht wichtig. Wichtig ist, dass sie wenigstens für eine Stunde da rauskommen.
Man kann der Kirche - allgemein gesprochen - immer alles Mögliche vorwerfen, man kann über die lachen die in den Gottesdiesnt gehen und Kollekten geben, und grinsen über die, die so "blöd" sind und noch Kirchensteuer bezahlen.
Aber was ist, wenn sich keiner mehr um diese Kinder kümmert, wenn niemand mehr Geld für diese Arbeit hat, wenn der Agnostizismus und der Atheismus dafür gesorgt haben, dass es immer weniger Mensschen gibt die fest daran glauben, dass eine andere Welt möglich ist, weil sie von dem, der die Welt - wie auch immer - geschaffen hat überzeugt sind, dass er ein anderes Ziel für diese Welt hat und sich darum für diese Welt einsetzen.
Das den Kindern zu zeigen, nicht vorzubeten, nicht einzutricheren, sondern liebevoll zeigen: Gott hat dich lieb, du bist ihm etwas wert. Hier kommen alle zum Zug, und alle gehen am Schluss mit ihren 5 Süssigkeitgen aus dem "Gottesdienst", und an diesem Samstag, dem Tag vor dem Muttertag, bekam jedes Kind eine Blume, damit es für die Mutter, oder die Oma, oder die Tante, je nachdem bei wem es lebt, etwas zum Muttertag hat.
Es war zum heulen.
In welcher Welt leben wir, wenn zwischen arm und reich in der gleichen Stadt Welten liegen?

Zurück in den Stadtteil Providencia, wo wir gerade wohnen. Auf den Strassen war es ruhig, die einzigen Hunde auf der Strasse sind am Eingang zur "Pedro de Valdivia" an der Bushaltestelle. Unsere Wohnung hat mehrn als 40 qm, alle Fensterscheiben sind ganz, die Toilette ist nicht verstopft und die Stromrechnung bezahlt. Zugegeben, der Gasofen heizt schlecht, aber besser als gar nicht.
Wir haben uns beide nicht gut gefühlt, als wir am Samstag nach Hause kamen.

Danke Sara, dass du uns gezeigt hast, dass es noch ganz viel zu tun gibt, bis wir da sind, wo wir als Christen mit allen Menschen auf der Welt sein möchten, da wo Friede und Gerechtigkeit herrschen - und nur gemeinsam werden wir dem ein Stück näher kommen, gemeinsam auch als Christen, und als Kirche, unabhängig ob historisch evangelisch oder katholisch, ob freikirchlich oder pfingstlich: wir sind es den Kindern - und Gott - schuldig.

Die Kindergottesdienskinder in der IEP el Bosque