Am Sonntag musste ich am wenigsten weit zum Gottesdienst gehen und doch war alles so weit weg -- von eigener Erfahrung.
Es waren nur wenige "Quadras" bis zur Kirche "Iglesia Casa del Senor" im Stadtteil Providencia. Das Gebäude - ein von aussen ein nücherner Zweckbau. Kein Kreuz, keine Schrift, nichts wiess auf eine Kirche hin. Ich wäre wahrscheinlich vorbeigelaufen wären da nicht die vielen gut gekleideten Menschen vor dem Eingang gewesen. Also bin ich rein, wo sie auch rein sind. Ja, es war eine Kirche, obwohl der erste Block beim Eingang auf den Lift fiel, der zu den Gebetsräumen, WC, und Cafeteria führte. Linkerhand der Eingang in denGottesdienstraum. Ein riesiges Kreuz in einem schlichten Raum und das Rednerpult, ca zwei Meter breit auf winwe Bühne nahm meinen Blick zuerst war.
Die hinteren Reihen waren noch alle frei, aber mit einem Seil abgesperrt, so dass alle Menschen, die langsam in die Kirche kamen, vorne sitzen mussten. Nun, ich setzte mich in die Reihe, die gerade noch nciht abgesperrt war, was mir gleichzeitig auch einen guten Blick garantierte. Vorne auf der Bühne die Band: Schlagzeug, Keyborad, Percussion, eine Gitarre, Violine und Flöte, dazu ein kleiner Chor aus 5 Personen. Die Menchen im Gottesdienst waren alle gut gekleidet, und in meinen Augen gar nicht "pfingstlerisch", will heissen, dunkler Anzug und Krawatte für die Männer und halblange Röcke für due Frauen, zumindest war das Mitte de Neunziger bei den Pfingstkirchen so, ab er bei der Casa del Senor handelt es sich nicht um eine "traditionelle" Pfinstkirche, sondern um Neo-Pfingstler, den den Pfingstkirchen vorwerfen, sie hätten den Geist der ersten Stunde verraten. Die Männer elegant, aber eher informell gekleidet, die Frauen, ärmellose Blusen, auch mal rückenfrei, hier und da geschminkt. Das Publikum, relaitv jung, im Durchschnitt auf keinen Fall über vierzig, eher 35. Die Kinder haben drei eigenen Gruppen, aber da ist auch die elegant gekleidete gut Siebzigerin. Viele junge Paare, bis zu "turtelnden" Pärchen. Der Anteil der Frauen über 50 %, villeicht sechzig, was umgekeht heisst, ca 40% Männer. Es kommen immer mehr. Die vier (einheitlich) gekleideten Platzeinweiser vom "Ministerio de Segurdiad y Orden" , also vom Dienst für Sicherheit, haben alle Hände voll zu tun, um noch hier zwei, dort drei, und hier naoch zweimal einen freinen Platz zu finden und zuzuweisen. Ich versuche zu schätzen, wie viele Menschen da sind: wahrscheinlich sitzen im Kirchenraum etwa 500 Personen, eng gedrängt auf den Stühlen, und auf der Empore ca 250 bis 300. Die Kirche ist fast voll, als um Punkt 11 aus dem OFF ein Gebet tönt, in dem der Heilige Geist um Anwesenheit in diesem Gottesdiesnt gebeten wird - und dann setzt, nein, heizt die Band ein. Die letzten Nachzügler bekommen einen Platz zugewiesen, auf der linken Seite sehe ich zwei Rollstühle, auf der Rechten ist die Seite der Gehörlosen, ihnen wir der Gd übersetzt.
Die Band spielt laut und schnell, der Text wird mit einem Beamer eingeblendet, nach dreimal wiederholen können allle mitsingen, die Musik heizt ein: auf der linken Seite sehe ich eine Frau die sich die Schuhe auszieht, damit sie besser tanzen kann, sie ist nicht die Einzige. Je länger die Band spielt, desto mehr nimmt die Szene da Bild eines Rockkonzertes an, die ersten Fans stürmen nach vorne und tanzen ausgelassen vor der "Bühne", auf der auch das Rednerpult steht. Frenetischer Beifall, der zwar Gott loben soll, aber ich bin nicht sicher, ob nicht die BAnd damit gemeint ist. Jetzt werden die Lieder etwas ruhiger, nach einer halben Stunde dürfen sich alle setzen.
Der erste Auftritt eines Predigers kommt, der kurz unter Hinweis auf eine alttestamentliche Bibelstelle, die darauf hinweist, dass das Volk Israel seinen Besitz vor die Prieser brachte, damit diese es veteilten die Kollektenrunde einläutet.
"So wir jetzt Gott gelobt haben, in Liedern, so wollen wir ihn jetzt mit unserem Zehnten und mit Kollekten loben. Wer möchte heute seinen Zehnten zahlen? ca 20 - 30 Hände gehen hoch. Die Platzanweiser verteilen die Couverts.
Wir wollen nun alle Gott loben. Alle sind eingeladen ihren Zehnten und ihre Kollekte nun nach vorne zu bringen, aber bitte nicht drängeln, schön geordnet, erste die auf der linken Seite, dann die auf der rechten und am Schluss, alle von oben. Eine lange Reihe bewegt sich durch die Kirche hin zur Bühne auf der eine Kupferkiste mit einem Schloss steht, hier hinein kommt das Geld. Hier und da kann ich sehen, was die Menschen in der Hand halten. Es sind keine Münzen sondern Scheine, und nicht nur 1000 auch 10.000 pesos sehe ich. Und fast alle gehen. Das Geld istt für die Kirche, wofür? Keine Erklärung. Ich rechne aus, wenn nur 500 etwas gegeben haben, und wenn der Schnitt nur 2000 Pesos sind - und es waren sicher mehr, dann sind da 1 Mio pesos eingekommen . Zur Erkärung. Wir zahlen für die möblierte Wohnung monatlich 250.000 Pesos (kalt).
Ein Dankgebet wird gesprochen.
Die erste dreiviertelstunde ist vorbei. Jetzt kommt der Prediger:
Helle Hose, helles Hemd, Kravatte. Er braucht die ganze Breite des Rednerpultes und mehr.
Aufhänger ist: wie sollte es sein, die Krise - und wie man sie überleben kann: indem man auf das Wort Gottes hört. Wie hat das Volk Israel die grosse Krise der Hungersnot überlebt, so wird gefragt. Indem Josef in Aegypen auf Gottes Wort hörte und diesen Traum dem Pharao erklärt hat, so wie Gott es ihm vorher erklärt hat.
Allein auf das Wort Gottes kommt es an, alles andere klärt sich dann, aber das Wort Gottes ist nicht teilbar, da kann man nicht auswählen, die ganze Bibel ist Gottes Wort, und zwar so , wie es geschrieben ist.
Aber der Teufel, ja den gibt es, der lauert hinter jeder Ecke, mit seinen giftigen Pfeilen und will er uns vom festen Felsen des Glaubens stürzen, will uns abschiessen, so wie er Hiob abschiessen wollte, Hiob kam in eine grosse Krise, aber er hörte immer und in jeder Situation auf Gottes Wort.
Der Teufel will sich, wenn er es nicht im "Kampf" schafft, einschmeicheln. Er benutzt alle möglichen Mitteln: "Die Anarchie ist der Cheerleader des Teufels", und die Anarchie , das will Gott nicht. Römer 13: Alle Obrigkeit ist von Gott, wird zitiert.
Ich muss schlucken, da fehlt aber ein bisschen Geschichtsbewusstsein, aber dieses Gehorchen beginnt viel früher.
Im Galaterbrief steht, dass die Frauen ihren Männern untertan sein sollen, ich erwarte hochgezogenen Augenbrauen, oder Schlimmeres. Nichts geschieht, es werden zwar auch die Männer ins Gebet genommen, denn der Vers geht weiter: und ihr Männer liebt eure Frauen.
Und die Kinder. Auch sie müssen gehorchen, das steht schon in den 10 Geboten, und zwar nicht nur den Eltern, sondern auch ihren Lehrern. Wie aber sieht es auf den Schulen aus, jeder macht jederwas er will, da ist Anarchie. Es geht darum, Gottes Wort ganz zu gehorchen, auch den Pastoren.
Ich merke wie ich immer nervöser werde.
Wo ist die befreiende Botschaft des Evangeliums?
Aber "zum Glück" ist nach gut 45 Minuten die Predigt über Krise, Anarchie und Unterwerfung unter das Wort Gottes und das des Predigers fertig.
Es folgt ein Zwischenspiel, ein langes Gebet, noch zwei Schlusslieder, in denen wieder die Band auftritt, und dann werden die, die ein perönliches Gebet möchten, nach vorne geladen. Vielleicht 50 Personen gehen nach vorne, Andere gehen nach hinten. Ich in verwundert.
Wie weiter? Der Gottesdienstraum leert sich. Kein Unservater, kein Schlussegen, alles läuft auseinander. Ich warte noch einen Moment und gehe dann auch.
Ein heisser santiaginer Sommer umfängt mich, auf der "Pedro de Valdivia" herrscht (sonntägliche) Ruhe, eine ältere Frau sitzt auf einer Prkbank und geniesst diese Ruhe, das Liebespärchen zwei Bänke weiter ist mit sich selbst beschäftigt.
Von Chaos, Krise, Anarchie keine Spur.
Zuhause gibt es Mittgessen, Blanca hat alles vorbereitet, die Steaks noch in die Pfanne und die Sosse machen, das ist meine Aufgabe.
Nach dem Essen und dem Abwasch, muss ich mich etwas ausruhen, ich bin müde, so richtig kaputt uns schlafe auf dem Sofa im Wohnzimmer, bis ins Schlafzimmer habe ich es nicht mehr geschafft.
Der Gottesdienstbesuch hat mich fertiggemacht.
Wie kann man Menschen so manipuieren - und wie lassen sich Menschen so manipulieren. Es waren ja nicht einfache Leute, die mit Mühe udn Not eine Schulbildung abgeschlossen haben, sondern Menschen, die der Mittelschicht oder sogar weiter oben anzusiedeln sind , und die haben in den meisten Fällen eine (universitäre) Ausbildung.
Und lassen sich in eine Zeit katapultieren, die nicht heute ist.
Sie wollen geführt werden, einfache Anworten haben.
Aber die Welt hat keine einfachen Antworten.
Das Reich Gottes schon, so der Prediger, denn es handelt sich um eine Königreich, mit einem Herrscher, der alles weiss und der Gehorsam forderte, weil er Gott st . Das Reich Gottes ist keine"spirituelle Demokratie". Damit hatte die Prdigt geendet.
Welche Saat wird hier geät, in den Neopentekostalen Kirchen?
