
Ja, in Chile gibt es einen Gedenktag der Reformation und zwar immer am 31. Oktober, dem Tag, nach dem der Ueberlieferung nach Martin Luther seine Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg nagelte und mit diesem "Hammerschlag" die Reformation einleitete -
Seit dem 31. Okt. 2008 ist dieser Tag der Evangelischen in Chile ein staatlicher Feiertag - arbeitsfrei, während über Jahre bis heute Feiertage wenn möglich auf einen Sonntag gelegt werden ist der 31. Oktober fix.
Es war ein langer Weg für die Evangelischen von den ersten Anglikanern, die 1825 nach Valparaiso (Hafenstadt) kamen, über den us-amerikaner David Trumbull, der zunächst auch nur auf englisch predigen durfte und später, als er um 1855 eine spanisch sprechende evangelische Kirche gegründete hatte, einen hohen Bretterzaun darum errichten und den Chor anhalten musste, leise zu singen. Ueber den ersten Friedhof, auf dem auch Evangelische bestattet werden durfte, zu den lutherischen Einwanderern im Süden, denen man schlussendlich gestattete Kirchen zu bauen, aber ohne Glockenturm, hin zum ersten Pfingstgottesdienst in Valparaiso 1909, über Vieles, in dem man die Evangelischen belächelte und auslachte, bis zu diesem Tag, als vor drei Jahren beschlossen wurde, ihnen einen eigenen Feiertag zu geben.
Und es wurde gefeiert, im ganzen Land, mit Gottesdiensten und mit Fahrzeugkorsos. Hier sind wir, wir die Evangelischen.
Dass das vielleicht nicht ganz im Sinne Luther ist, das ist etwas anderes, aber die "Evangelicos" sind ja auch keine Lutheraner
, sondern in ihrer überwältigenden Mehrheit, Pfingstler - aber eine Grösse, die nicht mehr übersehen werden kann, auch nicht mehr im (ehemals katholischen) Chile.
