Plaza Ñuñoa, ist wohl den meisten Menschen in Santiago ein Begriff, selbst wenn sie noch nie da waren, kennen sie den Namen. Bekannt ist "die Plaza" wegen ihrer europäisch anmutenden Konstruktion des Rathauses, vor allem aber wegen der Restaurants und Bars.
Das war nicht immer so.
Als Pancho R. Ende der 80er Jahre aus Kanada, aus dem politischen Exil zurückkam, gab es in diesem im Barrio Residencial ein paar weit verstreute Restaurants, eines davon an der Plaza - eingerichtet wie der Wartessal eines Bahnhofs.
Von Kanada her war er anderes gewöhnt. Der Platz ist sehr schön, das war sein Gedanke, aber er ist tot, da müste man doch was machen. Immer wieder schaute er sich die Läden an der Plaza an ... und eines Tages wurde einer verkauft.
Er ergriff die Chance - kaufte das Lokal und eröffnete ein Cafe, und als das Geschäft nebenan verkauft wurde, kam die Bar dazu.
Nun ein Cafe eröffnen ist noch keine Kunst Menschen müssen kommen, interessante Menschen, sodass andere auch kommen wollen - und hier half ihm Eileen Shea, seine Ehefrau http://www.eileenshea.cl/homeingles.htm , die kannte Leute aus Show und Theater und dann, ab Anfang Mitte der 90ziger füllte sich die Plaza. Andere Restaurants und Bars kamen dazu. Es ist was los auf der Plaza, und manchmal ist es so überfüllt in den Lokalen, dass man weiterziehen muss.
Vorgestern abend war es nicht voll, aber wir sassen auch nicht an der Plaza, sondern bei Pancho und Eileen im Garten. Senora Rosa hatte den Tisch bereits gedeckt. Sergio und seine Frau würden noch kommen, hiess es. Wir waren um halb acht da. Eingeladen war auf sieben Uhr, Sergio und Elisa um halb 9. Nun das gab uns Gelgenheit auszutauschen was so geschehen ist in den letzten Jahren, wie es gemeinsamen Freunden geht. Natürlich die gegenseitige Frage nach den Kindern. Sie sind Grosseltern und Pancho meinte, ich sollte endlich mal älter werden. Klar sind sie älter geworden, wie alle anderen auch, aber ihren Humor und ihre Lebenfreude haben beide nicht verloren. Eileen ist immer für einen guten Spruch zu haben (siehe auch Video, leider nur auf spanisch)
Und dann gibt es Abendessen, Pancho hat gekocht, das heisst, am Morgen war er erst auf dem Markt. Auf dem Tisch steht, neben einer Flasche Wein ein riesiger Aluminiumtopf. "Curanto" gibt es, das heisst: Fisch, Rindfleisch, Schweinefleisch, Huhn, zwei Sorten Muscheln und noch scharfe "Wienerli", alles auf kleiner Flamme für Stunden geköchelt, und das ergibt dann mit Kräutern und Gewürzen noch eine ganz speziell gewürztes Suppe.
Beim Essen wird über die Welt und Gott diskutiert. Sergio ist ein belesener Altkommunist, Elisa würde ich als Humanistin bezeichnen, Eileen ist (trotz/oder wegen ihrer theologisch/philosophischen Ausbildung bei den Nonnen in Kananda Agnostikerin, Pancho wollte mal Priester werden, aber das Leben wollte es anders, dennoch war er in der Zeit in den Pinochett-Kzs "El Cura", der Priester, der manchen auf dem letzten Weg begleitete. Mit der kath. Kirche hat er nichts mehr zu tun, aber er bezeichnet sich als Christ, und seine Prägung wird im Gespräch schnell deutlich, dazu noch Blanca in der Diskussionsrunde und ich als evangelischer reformierter Pfarrer. Es geht um Weltwirtschaftskrise und um den Bückling der Präsidentin vor Prinz Charles, es geht um die nächsten Präsidentenwahlen in Chile, (Notgedrungen noch einmal Frei statt der Mumie Pinera), es geht um Wirtschaftsethik und darum, ob die Goldene Regel als Grundlage einer allgemeien Gesetzgebung dienen könnte, oder ob es nicht doch die Zehn Gebote wären, und ob die erste Tafel dann auch gelten würde. Elisa hingegen meint, mit der der geistigen Entwicklung des Menschen würde Religon sich selbst abschaffen, einer These, der ich vehement widerspreche, während Sergio zugibt, dass auch der Kommunismus eine "religiöse" Seite habe. Wir merken nicht wie die Zeit vergeht - und so ist es fast Mitternacht, bis Blanca und ich wieder zu Hause sind.
Ach übrigens, eingeladen waren wir "por un rato en la tardesita" das heisst für einen kurzen Moment am Nachmittag.
