Mittwoch, 11. März 2009

Crisis - what crisis? oder: Auf welche Not antworten WIR?

Argomedo 40
Das ist seit vielen Jahren die Adresse des Oekumenischen (Studien) zentrums Diego de Medellin. Hier treffen sich Männer und Frauen, Evangelische aller Schattierungen und Katholiken, hier wird Gender- und Frauenarbeit gemacht. Aids und Gesundheit stehen auf dem Programm, ebenso wie Stärkung des Selbstbewusstseins der Frau, hier wird politisiert und (vielleicht auch) Politik gemacht. Hier ist der Raum, um Forschung zu betreiben, wenn es z.B. um das Themengebiet Pfingstkirchen oder Mapuche ( die wenigen ursprünglichen Bewohner des Südens Chiles, die den Ansturm der Spanier und den der zweiten chilenischen Republik überlebt haben) geht. Hier treffen sich Chilenen und Chileninnen, Holländer und Deutsche, Schweizer und auch mal ein US-amerikaner- und alle mit dem Ziel, mehr zu wissen, besser zu verstehen, was die chilenische Gesellschaft und die chilenischen Kirchen bewegt - und das aus der Perspektive derer, die sonst (kaum) eine Stimme in dieser Gesellschaft haben, und hier wird - last least - die Zeitschrift Pastoral Popular (www.pastoralpopular.cl) gemacht und herausgegeben.

Gestern war ich von Raul Rosales, dem Mitglied des Exekutivsekretariats von Diego de Medellin eingeladen an der mesa von mission21-Chile (www.mission21chile.cl) teilzunehmen. Im ersten Teil ging es darum, sich einmal mehr den kirchlichen und religösen Kontext, in dem die Partnerorganisationen von misson 21 Basel arbeiten, einmal mehr bewusst zu machen.
Einige der Anwesenden, alles Mitglieder von Partnerorganisationen, kannte noch noch von früher, wie Fernando Aliago Rojas, kath. Historiker und einige Zeit Professor an der renommierten Universidad Catolica, oder Josefina Hurtado, und Eduardo Cid. Ein "neues" Gesicht: eine PEPlerin (Profesional Exposure Program) von mission21, Regula Hälg aus Muolen/SG, die ab sofort für ein halbes Jahr im AIDS-Programm mitarbeitet.
Sitzungsleitung hatte Juan Sepulveda, einer der ausgewiesenen Kenner der chilenischen Pfingstgeschichte und -bewegung.
Er gab mir zunächst die Möglichkeit eigene Fragen im Zusammenhang des Verhältnisses von historischen und Pfingstkirchen zu stellen, um zu schauen, welche die versammelten Frauen und Männer aufnehmen würden. Zwei Punkte sind mir, neben anderen wichtig geworden:
Eine betrifft die Forschungsarbeiten zum Thema, nämlich dass hier oft die Frauen nicht wahrgenommen werden, und - obwohl 70% der Mitglieder der Pfingstkirchen Frauen sind, erscheinen auf Leitungsebene ganz wenige, im einstelligen Prozentbereich - und so werden sie in der Forschung - ausser in Bezug auf Spezialthemen auch wahrgenommen. Pfingstkirchen, das ist aber viel mehr, als die Herren in dunklen Anzügen und mit Krawatte.
Und so war es auch eine Frau, die die für mich entscheidende Frage an diesem Morgen stellte:
Auf welche Notwendigkeit gab die Pfingstbewegung vor 100 Jahren eine Antwort - denn wenn da keine Not gewesen wäre, dann hätte sich dieses Feuer der Begeisterung nicht so schnell in Chile ausbreiten können, dass Pfingstler trotz Ablehnung und Verfolgung (sic), diese Bewegung der Aermsten, in 100 Jahren fast 20% der Bevölkerung ausmachen.
Worauf antworteten die Pfingstkirchen - und wie?
Josefina Hurtado nahm die Antwort auch vorweg: Es war eine comunidad acogedora y sanadora, eine offene Kirche, in der Jede/r kommen konnte und als Mitglied der Familie, als Bruder und Schwester aufgenommen wurde, und diese offene Aufnahme, war verbunden mit einer menschlichen Aufnahme. Die Menschen, die in die Kirche kamen, wurden als Menschen und nicht als Menschen zweiter Klasse oder gar als Arbeitstiere angesehen.
Wo ist diese Menschlichkeit diese offene Herzlichkeit und Ehrlichkeit geblieben, im Kampf der Hierarchie(en), wenn es heute in (einigen) Pfingstkirchen darum geht, das Terrain abzustecken.
Was wurde aus dem Feuer der Begeisterung auf dem Weg zur Institutionalisierung - und wo werden die (nunmehr bald historischen) Pfingstkirchen in 100 weiteren Jahren sein - oder ist da noch etwas von dem Feuer heute in den "Neo-Pentecostales" - wobei ... ab er darüber werde ich bei Gelegenheit mit mehr Hintergrund hoffentlich etwas schreiben können?
Mir liegt vielmehr eine andere Frage nicht auf der Zunge, aber sie steckt mir in den Fingern:
Welche Not (geistig-spiritueller Art spürten die Menschen vor bald 500 Jahren in Deutschland, in der Schweiz, ja in ganz Europa, dass aus einem Thesenanschlag eines Professors irgendwo in der tiefsten Provinz Deutschlands eine Bewegung werden konnte, die die ganze Welt überzog.
Weshalb dieser Hunger nach dem Evangelium.
Und diese Frage, denke ich, ist auch die entscheidende, wenn wir uns heute in Europa in den historischen Krichen Gedanken darüber machen, wie wir Gemeindeaufbau betreiben, wie wir Menschen deutlich machen, dass Kirche FUER SIE wichtig ist.
Wofür ist sie wichtig? Dass man in weiss in de Kirche heiraten kann, oder dass die Beerdigung gesichert ist. Ich will das weder schlecht und noch weniger lächerlich machen, aber: auf welche Not der Menschen antworten wir? Gibt es keine Not mehr? Oder hat sie andere, viel subtilere Formen.
Und die daraus resultierende Frage.
Wie antworten wir?
Ich denke, darüber sind mehr als ein Buch geschrieben worden - aber der zündende Funke war wohl nirgends enthalten.
Wahrscheinlich braucht es nciht nur einen, sondern veschiedene Funken, die je nach Land, je nach Kultur verschieden sind. Welche Funken müssen an welcher Stelle überspringen, dass deutlich wird, das Evangelium war nicht eine gute Nachricht, die den Menschen, Männer Frauen, Kinder Jugendlichen den Weg in das volle, ja fette Leben führen sollte, sondern IST die gute Nachricht - heute.