
... ich denke, ich habe sie schon einmal erwähnt, die Hochhäuser, die in Santiago immer höher werden.
Im Stadtzentrum gibt es eine Strasse Nueva York, die so aussieht wie früher das Bankenviertel in New York, damit wollte man sich den Ruf der Weltsatdt Santiago noch untermauern. Heute nähert sich die Skyline Santiagos insgesamt immer mehr den Megacities dieser Welt an. Immer höher und immer schneller. Im Stadtteil Nuñoa, wo ich ein paar Jahre wohnte, ein einst "verträumtes" Wohnquartier, begann man schon vor Jahren mit den Hochhäusern mit 20 und mehr Stockwerken, was das Quartier nachhaltig verändert hat. Auch in Las Condes stehen hohe Häuser und Glaspaläste, überall wird gebaut - und in einer Geschwindigkeit, die fast nicht nachzuvollziehen ist.
Als wir vor 4 Wochen hier in den Stadtteil Providencia zogen, gab es am Eingang zur Strasse Pedro de Valdivia eine Baustelle. Nun die Baustelle wird keine 4 Wochen mehr da sein. Das Hoch-Haus ist fertig, die Balkongitter sind dran, die Balkon geweisselt und die Absperrung für die Wiederinstandstellung des Gehweges steht schon auf der Strasse.
Auffällig ist, dass - zumindest in Stadtteilen wie Nuñoa oder Providencia - meist kleine (Single) Wohnungen angeboten werden, was zeigt, dass die traditionelle Familienstruktur sich auch in Chile geändert hat: es gibt viel mehr allein Stehende, und ab einem bestimmten Einkommen haben Ehepaare nur noch ein oder zwei Kinder. Alles strebt nach oben - wobei die Frage ist, ob "oben" wirklich immer "besser" ist.
Heute morgen kam in den Nachrichten die Meldung, dass in Santiago etwa 6 Millionen Menschen leben (1990 waren es ca 4 bis 4,5 Millionen) und 1,5 Millionen Autos gemeldet sind (1990 ca 500.000). Die Strassen wurden (etwas) ausgebaut, die Metro ebenso. Ab Juni kommen noch längere Züge - und doch wird es immer hektischer, immer weniger durchkommen, vor allem in den Spityenverkehrsyeiten. Eliodoro Yañez, wo wir wohnen, ist eine der Hauptverkehrsachsen: vierspurig durchs Wohngebiet, und am Morgen gegen 8 Uhr setzt das Hubkonzert ein, weil alle vier Spuren "zu" sind.
Himmelwärts?
Apropos Auto. Ab 1. April gilt Restriktion. Das heisst sobald ein gewisser Grenzwert an Luftverschmutzung erreicht ist, dürfen Autos mit einer bestimmten Endnummer an diesem Tag nicht fahren. Das gilt (neu) auch für Autos mit Katalysator. Bei Pre-emergencia, so heisst das, dürfen pro Tag vier Endziffern nicht fahren (z.B. Autos, deren Zulassungsnummern mit 1-2 und 8-9 enden), und bei den "Dreckschleudern", die keine grüne Plakette haben, bei denen gelten pro Tag 6 Endziffern, das heisst die dürfen so gut wie nicht mehr auf die Strasse.
Man hofft, dass das so wenig wie möglich eintrifft - und dass Bus und Metro den Verkehr dann, wenn es eintrifft, aufrecht erhalten können, dann, wenn es so aussieht.
