Sonntag, 29. März 2009

Sonntag und Kirchgang IIIa


Sie lässt mich nicht los, die Predigt und der Gottesdienst vom vorvergangenen Sonntag in oben abgebildeter Kirche. Ich mus die ganze Zeit darüber nachdenken: Was bewegt die Menschen dazu an DIESEM Gottesdienst teilzunehem?
Darüber sprach ich vergangene Woche unter anderem mit Daniel Godoy, dem neuen Rektor der Theologischen Fakultät der CTE. Daniel hat in Santiago und in Sao Paolo studiert, ist Dr. der Theologie, Mitglied einer (ökumenisch offenen Pfingstkirche - Mision Iglesia Pentecostal) und kennt die Pfingstbewegung praktisch und theoretisch.
Für ihn sind diese Neo-pentecostalen Gottesdienste wie eine katarsis, wie ein reinigendes Bad. Nach all dem Stress der Woche geht man am Sonntag - ohne weitere Verpflichtung - in den Gottesdienst. Schon auch um die Nähe Gottes (und die eigene Bestätigung) zu suchen - aber es bleibt doch sehr an der Oberfläche, es ist da keine Gottesdienstgemeinde.
Das was mich so berührt und mich soviel Kraft gekostet hat, ist: Es werden Emotionen aufgebaut - und dann geht jede(r) nach Hause, kein Schlussegen, keine gemeinsames Unser Vater, kein Abendmahl.
Es gibt in diesen Kirchen auch keine Kirchgemeinde-versammlung, keine (öffentliche) Instanz, die Strategie und Operatives der Gemeinde (mit)bestimmt, welche erklärt ich bin mit der Theologie einverstanden. Abgestimmt wird höchstens mit den Füssen: wem es gefällt der kommt wieder, und wem nicht, der geht wo anders hin.
Religion als Geschäft. Daniel brachte ein gutes Beispiel über die Zielgruppe: Diese Kirchen sind nicht am Bäcker interssiert, der morgens um 5 Uhr aufstehtund vesucht redlich sich und seine Familie durchs Leben zu bringen, sondern am Besitzer der Bäckerei, denn der bringt das Geld - und für den ist auch die (un)politische und und zugleich (un)heimliche Botschaft der Predigt bestimmt. Hier ist keine Befreiung, sondern Bestätigung der bestehenden Verhältnisse: Du bist der Boss, in der Familie und im Betrieb, und das muss noch deutlicher werden - und in dem Mass wie Du das Gott und Dir selbst zutraust, wird es auch eintreffen. Alles andere stört, eigentlich sogar mein Nächster, wenn er auch Besitzer einer Bäckerei ist, denn der ist mein Konkurrent.
Apropos Konkurent und Geschäft:
In Brasilien gibt es eine grosse Pfingstkirche Iglesia Universal del Reino de Dios, die (angeblich) ihre Kirchgebäude im Franchise verfahren vergibt. Der Franchisenehmer (Pfarrer) bezahlt monatlich 1000 UsD und der Rest gehört ihm, zur Gestaltung seines Lebens und zum Gestaltung des Gemeindelebens. Die Kirche ist in ganz Lateinamerika und auch in Afrika und in Europa zu finden. Die belgische Regierung stufte sie als "gefährliche Sekte" ein. (Quelle: http://es.wikipedia.org/wiki/Iglesia_Universal_del_Reino_de_Dios).
Ich bin nach wie vor davon überzeugt, das Evangelium ist dazu da, Menschen zu befreien, von dem was sie be- und unterdrückt, was sie krank macht, was sie nicht leben lässt, zu befreien von dem, was nicht Gottes gutem Plan für den Menschen und seine Welt entspricht. In der Iglesia Universal und in der Iglesia Casa del Senor, in der ich meine erste hautnahe Begegnung mit dem Neopentecostalismus hatte, ist das nicht der Fall.