Montag, 9. März 2009

Sonntag und Kirchgang II

Nun gestern war es wirklich ein Kirchgang, ohne Taxi, ohne Bus ohne Metro. Es war ja nicht so weit, ca 25 minuten, um zum Templo de la Iglesia Metodista im Stadteil Providencia, in dem wir wohnen, zu kommen.
Die Kirche - ein traditioneller Bau, ich würde sagen Anfang des vergangenen Jahrhunderts, mit Bänken, und dem Altar gegenüber dem Eingang. Ich kam relativ früh, wurde begrüsst. Ah sie sind das erste Mal da, was führt sie zu uns, wie heissen sie... Ich stelle mich vor: Karl Appl - mein Gegenüber macht grosse Augen. Entfernt sich ohne gross was zu sagen und kommt mit dem Pfarrer zurück, um ihm zu erklären, dass das DER Karl Appl sei, der das Buch geschrieben habe, mit dem sie an der Uni unterrichte. Ich werde noch anderenMitgliedern vorgestellt, bis sich mit (gewohnter) lauter Stimme einer meiner ehemaligen Arbeitskollegen an der CTE, der Soziologe Arturo Chacon, anmeldet. Die Herzlichkeit kennt kaum Grenzen. Die Kirche füllt sich langsam - aber stetig. Platz wäre für gut 100 vielleicht 120 Personen, anwesend sind ca 80 bis 90. Doch da ist ein Unterschied zur lutherischen Gemeinde am vergangenen Sonntag. Dort war das Publikum altermässig relativ gut durchmischt, hier fühle ich mich fast wie zu Hause. Viele in Ehren ergraute Häupter, dazwischen ein paar Mitvierziger, ein jugendliches Ehepaar, eine Theologiestudentin, die beiden Helferinnen und der Mitarbeiter der Sonntagsschule, die mit 8 Kindern nicht übermässig besucht ist - und doch gibt es einen Unterschied: etwas 1/3 der Anwesenden sind Männer, was sich dann auch beim Gesang zeigt.
Als Instrument dient eine elektronische Orgel, die Lieder sind in der Mehrzahl Lieder der Erweckung Ende des vorletzten Jahrhunderts, einfach im Text und einfach singbar. Die Gitarre kommt nur zum Einsatz, als die Kinder ein Lied vorsingen.
Der Gottesdienst geht insgesamt fast 2 Stunden, wobei der erste Teil bestimmt ist von Liedern, einem langen Dankgebet, (das eine Frau aus der Gemeinde spricht, und das von Zwischenrufen einiger Anwesenden mit mehrfachem AMEN unterstrichen wird), Fürbitten, in denen aus der Gemeinde gesammelt wird, wer Fürbitte benötigt, Vorstellung der Gäste (ich bin nicht der Einzige), Mitteilungen der beiden Pfarrer, die den Gottesdienst leiten, die Frage wer in der vergangenen Woche Geburtstag hatte (niemand - zumindest meldet sich niemand), dazu eine (ungeplante) Intervention einer Frau zum Tag der Frau (8. März), die (geplante) Verteilung der Geschenke an die anwesenden Frauen, das (offene) Einsammeln der Kollekte und dann kommt, nachdem wir erfahren haben, dass die Schwester xy am Mittwoch eine Staroperation haben wird, die Bibellesung. Jeder nimmt sich die Bibel, die vor ihm in der Bank steckt vor, und liest mit. Die Predigt hält Osvald0 Navarette, ehemaliger, seit vielen Jahren pensionierter Mitarbeiter der CTE. Er predigt gut 25 Minuten. Ich brauchte ein bisschen Zeit, bis ich "drin" war, sie war mir etwas zu stark am Bibeltext - aber dann hat er doch die Kurve hinbekommen- und schlusendlich fand ich es eine interessante Predigt.
Nach der Predigt Einladung zum Abendmahl. Bei den Lutheranen, versammelten wir uns im Halbkreis um den Altar und das Abendmahl wurde stehend ausgeteilt. Hier bei den Methodisten war es kniend - im Halbkreis um den Altar - auch das dauerte seine Zeit. Der Gottesdienst hatte um 11:30 Uhr begonnen, um 13:15 stand ich in der Strasse des 11. September und machte mich auf den Heimweg. Kirchgang braucht Zeit.