Donnerstag, 25. März 2010

Erschüttert IV

Nein diesmal geht es nicht um Erdbeben, sondern um die Kaltschnäuzigkeitg, mit der Menschen unsere Erde und was auf ihr lebt kaputt macht.
Es geht um chilenischen Fisch, genauer Lachs und was wir auf den Teller bekommen.
Folgendnen Blockeintrag habe ich übernommen. Er ist es wert, dass er weiterverbreitet wird.

Lachsfieber: Wie der WWF das Sterben der Meere unterstützt


Tags: Marine Harvest
Zum Vergrößern anklicken - Foto: Marine Harvest
Lachszucht in Chile: so schöne Bilder gibt es davon bei Marine Harvest

Es gibt Tage, da bleibt einem das Essen im Mund stecken. Der 10. März 2010 war ein solcher. Wer die TV-Dokumentation "Lachsfieber" in der ARD gesehen hat, weiß, wie schlimm es wirklich um die Zukunft der Meere bestellt ist - und wie sogar Organisationen wie der WWF fragwürdige Praktiken (passiv) unterstützt.

Es begann mit einer simplen Programmentscheidung: was sehen wir uns am 10. März 2010 im Fernsehen an. Die Entscheidung fiel auf die Dokumentation "Lachsfieber" der engagierten Dokumentarfilmer und WDR-Autoren Wilfried Huismann und Arno Schumann über Lachsfarmen im Meer. Nun sollte man ja meinen, dass Zuchtlachs weitaus ökologischer ist, als gefangener Wildlachs - doch weit gefehlt. Wenn man sich die Kernaussagen des Films ansieht, wird das eigene Weltbild zurecht gerückt: Für 1 kg Zuchtlachs müssen 5 kg Frischfisch aus dem Meer gefangen werden. Diese werden dann zu Fischfutter (!!) verarbeitet und an die Lachse, die in Käfigen in bis zu 40 Meter Tiefe im Meer gehalten werden, verfüttert.


Da außerdem bei einer solchen Massentierhaltung (es geht um mehrere 100 Millionen Lachse, die derart gehalten werden, vorwiegend in Ländern wie Chile, wo es keine allzu strengen Umweltauflagen gibt) die Tiere permanent von Krankenheiten bedroht sind, werden weiters Tonnen an Antibiotika ins Meer gepumpt, um Seuchen zu vermeiden - was aber nicht immer gelingt. Auf diese Weise wurden ganze Küstenlinien in Chile verseucht und mit Lachsviren kontaminiert. Fischer verloren ihre Arbeit, Muschelfarmer stehen aufgrund von Seuchen vor den Ruinen ihrer Existenz und das ohnehin arme Land Chile verarmt noch mehr.

WWF kooperiert gegen Bezahlung
Und das besonders erschreckende an der ganzen Situation: im Jahr 2008 ging der für dieses ganze ökologische Desaster verantwortliche Konzern Marine Harvest (der weltweit größte "Hersteller" von Zuchtlachs) eine Kooperation mit dem WWF ein. Seit damals prangt das "Gütesiegel" mit dem Panda-Bären auf den Produkten von Marine Harvest. Dafür bekommt der WWF (nach offiziellen Eigenangaben!) 100.000 Euro pro Jahr an Spenden von Marine Harvest.

Dass die Artenschützer des WWF dabei die Vergiftung der Meere (passiv) unterstützen, scheint die Verantwortlichen des WWF US und des WWF Norway nicht weiter zu stören. Jeder Leser dieser Zeilen bzw. Zuseher der erwähnten Dokumentation "Lachsfieber" mag sich sein eigenes Bild über diese Situation schaffen. Wir haben unseres bereits gemacht...

Da kann der WWF noch so schön in seinen Unterlagen auf die "Bedrohliche Situation" des Zuchtlachses aus Chile hinweisen. Da kann der WWF noch so schön folgendes formulieren: "In Chile müssen die Gesetze stärker durchgesetzt werden. In manchen Bereichen fehlen allerdings auch Regelungen zur Fischdichte und für die Zucht in Naturschutzgebieten. Über die ökologischen Auswirkungen der Zucht in Chile sind nur wenige Daten öffentlich verfügbar. Schätzungen über den Einsatz von Antibiotika und chemischen Mitteln zeigen, dass die Werte im Vergleich zu anderen Erzeugerländern hoch sind. Um die Standards der Lachszucht in den Erzeugerländern zu verbessern, hat der WWF gemeinsam mit fortschrittlichen Produzenten, NGOs und Regierungsvertretern den „Salmon Aquaculture Dialogue“ initiiert. In diesem Forum werden internationale Standards für die ökologische, sozial gerechte und ökonomische Lachszucht entwickelt. "

Die ökologischen Auswirkungen SIND dokumentiert, sie sind verheerend und sie sind bedenklich. Solange hier nicht sehr sehr schnell ein Umdenken einsetzt und der WWF weiter Gelder von der Industrie annimmt, die auf der anderen Seite verteufelt wird, ergibt sich ein Teufelskreis, der unser Meer langsam aber sicher kollabieren lässt!

Die Verantwortlichen vom WWF meinen weiters dazu: "Bei der Lachszucht gibt es Probleme mit Krankheiten und mit Überdüngung der Küstengewässer. Futterstoffe und Kot sinken zum Seeboden bzw. zum Meeresgrund und beeinträchtigen dort die Lebewesen unter den Käfigen. Durch den dichten Besatz sind die Fische sehr anfällig für Krankheiten und Parasiten. Krankheitserreger können zwischen Zuchtlachsen und wilden Arten übertragen werden. Zur Bekämpfung von Parasiten und Krankheiten werden Chemikalien und Antibiotika in großen Mengen eingesetzt, die das Wasser und den Meeresboden verunreinigen. Lachse gehören in Chile nicht zu den einheimischen Arten. Da der Lachs ein Raubfisch ist, können entkommene Zuchttiere verheerende Folgen für das Ökosystem haben."

Na ist das nicht schön, wenn es diese Probleme gibt, aber keine Aktionen dagegen gesetzt werden? Wie wär's, wenn man was dagegen unternimmt, statt auf der einen Seite Geld genau dieser angeprangerten Industrie zu nehmen und dafür andererseits nur einen kleinen Absatz im WWF-Fischführer zu schreiben?

Die Doku
Worum geht es in der Dokumentation denn nun genau? Im Prinzip um einen der reichsten Menschen der Welt, den man in seiner norwegischen Heimat nur den "Großen Wolf" nennt: John Fredriksen, Chef von Marine Harvest. Als Reeder gehört ihm nicht nur das weltgrößte Tankerimperium "Frontline", mit seiner "Marine Harvest" ist er der größte Player im Geschäft mit industriell produziertem Fisch. Seine Firma produziert pro Jahr über 100 Millionen Zuchtlachse in Chile und Norwegen - für die ganze Welt. Ein Geschäft mit schwindelerregenden Wachstumsraten.

Die bereits erwähnten WDR-Autoren Wilfried Huismann und Arno Schumann hefteten sich über ein Jahr lang an die Fersen des Großinvestors. Ihre brisanten Recherchen über den weltweit operierenden Nahrungsmittelgiganten wurden zum packenden Öko-Thriller "Lachsfieber".

Ökologischer Alptraum
Chile ist ein Paradies für Investoren. Alles, was in Europa durch Umweltgesetze verboten ist, können Unternehmer wie Fredriksen am anderen Ende der Welt tun: In Chile liegen die Lachsfarmen dicht beieinander, in den 40 Meter tiefen Käfigen tummeln sich doppelt so viele Lachse wie in Europa. Um Seuchen zu verhindern, werden Hunderte Tonnen Antibiotika ins Futter gemischt. Chemikalien und Farbstoffe an den Käfigen und im Wasser führen dazu, dass die Lachse nach 18 Monaten Mast ein chemisch und biologisch belastetes Produkt sind. Wenn die Fjorde vom Abfall der Industrie verseucht sind, hinterlassen Konzerne wie "Marine Harvest" einen ökologischen Friedhof und ziehen weiter gen Süden - in die noch intakte Welt Patagoniens.

Gegensätzliche Partner
Um das Image der Massentierhaltung im Meer zu verbessern, geht Fredriksen im April 2008 eine Partnerschaft mit der größten Umweltorganisation der Welt ein, dem WWF. Für eine Spende von 100.000 Euro pro Jahr darf "Marine Harvest"“ mit dem Panda-Bärchen des WWF für seine industriell erzeugten Mastlachse werben. Chilenische Fischer werfen dem WWF vor, er habe sich an John Fredriksen verkauft. Verbindliche Verbesserungen sind in diesem Abkommen nicht festgelegt. Am Lachs-Desaster in Chile hat sich nichts geändert. Wird John Fredriksen einfach so weiter machen? Endlich gelingt es den Autoren, den menschenscheuen Großinvestor in der Einsamkeit der norwegischen Berge zu stellen - beim Lachsangeln…

Das Ergebnis der Doku: Marine Harvest, die anfangs noch mit dem Fernsehteam kooperiert haben, entziehen jegliche Drehgenehmigung, die chilenischen Fischer und Ortseinwohner der betroffenen Regionen stehen vor den Trümmern ihrer Existenz und die Verantwortlichen des WWF meinen nur lakonisch, man dürfe das ganze nicht so kurzfristig sehen, sondern müsse einige Jahre zuwarten, dann werde sich schon was ändern.

Wie sagt man manchmal so schön? Man kann nicht so viel kotzen, wie einem schlecht dabei wird...

[Quelle: nullzeit.at, ARD, WDR]

übernommen von http://tauchen.nullzeit.at/Content.Node/sealife/unterwasserwelt/gefahren/Lachsfieber--Wie-der-WWF-das-Sterben-der-Meere-unters.de.php

Dienstag, 9. März 2010

Erschüttert III

Nachfolgend ein Interview, das ich Andrina Speziale von Koch Media/Thurgauer Kirchenbote gegeben habe. Das Interview ist Grandlage für einen artikel der in der Aprilausgabe des Kirchenboten erscheinen wird



Was machten Sie in Chile? Warum?

Ich war von Oktober 1990 bis Februar 1997 im Auftrag der Basler Mission als Dozent an der Comunidad Teológica Evangélica de Chile in Santiago de Chile tätig. Zunächst wirklich als Dozent, später dann auch als Dekan des Instituts. In dieser Eigenschaft gehörten dann neben der Dozententätigkeit in Kirchengeschichte auch die akademische Leitung sowohl des Sitzes in Santiago als auch in einem gewissen Grad in Concepción, ca. 500 km südlich der Hauptstadt gelegen.
Zudem war ich Vizepräsident eine Nichtregierungsorgansation, KAIROS, die bis heute in zwei Armenvierteln in Santiago im Bereich von Kinder, Jugend- und Frauenarbeit tätig ist.
Ausserdem hatte ich im Rahmen meines Bildungsurlaubs 2009 die Möglichkeit die Kontakte zu den verschiedenen Kirchen die seit 1990 entstanden waren zu vertiefen und damit ein Stückweit mich auch von der Nachhaltigkeit mein es Einsatzes in den neunziger Jahren überzeugen.

Selber so etwas erlebt, als Sie dort lebten?
Nun Chile ist ein Land mit einer starken Erdbeben und Vulkantätigkeit, sodass kaum eine Woche vergeht, an der es nicht irgendwo
„rumpelt“, wie in der Thurgauerzeitung von heute (06.03.) zu lesen war. Zumal jeder Erdstoss von mehr oder weniger starken „Nachbeben begleitet ist. Wenn sich hier im Thurgau die Erde mit 3.6 Grad Richter bewegt, was schon fast ein Maximalwert in der Schweiz ist, dann sind die Nachbeben kaum mehr spürbar.
Nach dem schweren Beben vom 27. Februar mit der Stärke 8.8 sind die Nachbeben noch über Monate spürbar und zwar mit 5.0 und mehr.
Nun zur Ausgangsfrage, ob ich selbst so etwas erlebt habe.
Mein erstes „Erdbeben“, das war ein etwas komisches Gefühl eines Nachmittags am Schreibtisch, so etwas wie eine kurze Blutleere im Kopf, als begann sich ein bisschen „schwammig“ zu bewegen, ich dachte noch was ist den jetzt los, dann war es schon vorbei, an der Wäscheleine tanzen einig einsame Klüppli auf und nieder – und da wusste ich. £Das war ein Erbeben.
Meine Chilenischen Kollegen lachten mich dann aus, als ich ihnen am nächsten Tag erzählte, dass es gestern ja ein „Erdbeben“ gegeben habe. Das war lediglich ein kurzer Erdstoss, ein „Temblor“, ein Beben, ein „Terremoto“, das sei etwas ganz anderes.
Aber auch die Erdstösse haben natürlich verschiedene Intensitäten, einmal kam es so heftig, dass die Fensterscheiben klirrten und die Sachziegel einen Lärm verbreiteten, als sei eine Herde Elefanten auf ihnen unterwegs – aber die Scheiben hielten und die Ziegel blieben auf dem Dach.
Richtig heftig habe ich es dann doch noch eines Nachts erlebt, und da bewegte sich nun wirklich der Boden unter den Füssen, ich hatte das Gefühl, der Plättliboden kommt mir in Wellen entgegen, und dann fiel auch schon der Strom aus. Alle liefen entsetzt aus dem Haus, einige versuchten sich per Telefon ein Bild von der Lage zu machen, aber die Telefonverbindungen waren tot. Überall hupten die Diebstahlsicherungen der Autos und heulten die Sirenen der Alarmanlagen in den Nachbarhäusern.
Gespenstisch war es – aber nur für eine Viertelstunde.
Dann war das Licht wieder da, die meisten Alarmanlagen abgestellt, und irgendwo in Santiago war eine Mauer eingestürzt, die ein Passanten unter sich begraben hatte, Im Norden des Landes, nahe des Epizentrums seien die Schäden im Einiges Grösser, war am nächsten Tag den Medien zu entnehmen, Häuser zusammengestürzt und Brücken unpassierbar, aber das hatten wir schon wieder ein paar Stunden Schlaf hinter uns, um unterschied zu denen, die das Beben im Norden unmittelbarer erlebt hatten und sich vor Angst nicht in die Häuser gewagt hatten und nun gezwungen waren, die Nacht auf der Strasse zu verbringen.
Ein Beben der Stärke 8.8 habe ich aber nicht einmal annähernd miterlebt.


Wie erleben Sie die Zeit nach der Katastrophe als „indirekt“ Betroffener?
Nun – in der Zwischenzeit schon wieder sehr viel ruhiger. Der Schreck am 27. Als ich um 16. Uhr die Nachrichten hörte war sehr gross, und dazu kam das Entsetzen, als ich die Bilder im Fernsehen sass.
Meine Frau, die aus Chile stammt, und ich wir haben dann versucht mit ihren Verwandten Kontakt aufzunehmen, was erst spät in der Nacht gelang, und da nicht einmal nach Santiago.
Nun wussten wir zumindest, dass nördlich von Santiago wirklich alles in Ordnung war. Unsere Gedanken kreisten aber um Verwandte und Freunde in Santiago, hier kam eine Telefonische Verbindung erst am Sonntagnachmittag zustande. Was uns etwas beruhigte war, dass die Opferzahlen zwar von Stunde zu Stunde stiegen, aber nicht so rasant wie es nach den Bildern zu erwarten war.
Es war eine Zeit des Wartens und Bangens, erst am Dienstag war es Möglich telefonische mit meiner Schwiegermutter in Santiago aufzunehmen – und vom Süden wussten wir immer noch nichts, und so war die Erleichterung gross, als ich via mail und Kontakten zu mission 21 erfahren habe, dass Freunde und Arbeitskollegen von früher in Concepcion soweit wohlauf sind. Über die Schäden an Gebäuden wird in den ersten Tagen nicht gesprochen, das kommt erst an zweiter Stelle, zunächst ist jede® Froh wenn er und Verwandte und Freunde zumindest körperlich unversehrt davongekommen sind.


Wie kann man den Chilenen wirklich helfen? Was raten Sie Christen im Thurgau zu tun?
Nun das ist eine nicht ganz einfache Frage, denn das wichtigste nach so einer Katastrophe ist, die Opfer zu begleiten, ihnen zu verstehen zu geben. Du/ Ihr seid nicht allein, dazu kommt die Erstversorgung der Verletzen, Bergung der verschütteten und Beerdigen der Toten.
Nun ist Chile ein Land – sagen wir mal - mit Erdbebenerfahrung. Trotz des immensen Chaos, war die Lage in Santiago bald unter Kontrolle, Schwieriger wurde die Situation wenn man ins weiter südlich gelegene Talca und Concepcion wollte, hier dauerte die Orientierung länger, und wenn man an die verheerenden Folgen des Tsunami denkt wohl zu lang. Auch die Versorgung der Bevölkerung war anfangs sehr sehr schlecht. Ob es ein guter Entscheid der Staatspräsidentin war nicht sofort Hilfe von aussen anzufordern, möchte ich hier hinterfragen, aber das ist nun mal geschehen.
Jetzt geht es um den Aufbau der Infrastruktur, Strassen, Brücken, Schulen , Kindergärten, Kirchen- und natürlich von Häusern und hier sind helfende und offene Hände gefragt. Mit anderen Worten: der Staat, die Kirchen und Privatpersonen brauchen Geld – und dieses Geld muss gut eingesetzt und kanalisiert werden.
Es gibt bereits einige Spendenkonten und dabei ist wichtig, dass diese Organisationen dann auch wirklich vor Ort tätig sind, und das nicht erst seit der Katastrophe. So hat mission 21, seit einigen Jahren die operativen Tätigkeiten der Basler Mission auch in Chile übernommen hat, ein Spendenkonto eingerichtet und was viel wichtiger ist, auch eine lange Geschichte mit Personen und Netzwerken vor Ort, so dass das Geld zielgerichtet und Nachhaltig eingesetzt wird – und wenn ich ökumenisch Denke, dann fällt mir die Kolping Familie in Chile ein, welche ein gut verzweigtes Netz auch in Chile hat, und dessen Einsatz vor Jahren mich immer wieder freute und überzeugte. Und was wir auch nicht vergessen sollten, die offenen Hände zu falten um für die Menschen und das Land zu beten.
Die Kontonummer lautet: PC 40 – 726233 - 2 Vermerk „Wiederaufbau Chile – Projekt 426.1001


Wie beurteilen Sie die Situation?
Nun bis alles wieder „Normal“ läuft werden Monate, wenn nicht Jahre vergehen, und jetzt rede ich von den Materiellen Schäden, was die Menschen angeht, werden bei einigen Trauma entstanden sein, die sich fast nicht heilen lassen. Gut ist, dass es seit einigen Tagen wieder Wasser, und Lebensmittelgibt, auch Strom und Telekommunikation.
Die Plünderungen besonders in Concepcion wurden mit militärischem Einsatz gestoppt, und muss ich für mich ein Fragezeichen setzen. Es war in meinen Augen richtig hier das Militär einzusetzen, was mich erschreckt, dass nun Menschen aus der Region nur noch dem Militär zutrauen die Lage im Griff zu haben.
Für mich, der die Rolle der Militärs von 1973 bis 1990 immer wieder kritisch hinterfragt und wegen der Missachtung der Menschenrechte kritisiert hat, ist das ein Schock, der fast so nachhaltig ist wie das $beben selbst, nämlich wie schnell können Menschen vergessen, was ihnen angetan wurde, als das Militär die Strassen regierte.

Wie steht es um die Ortschaften, wo Sie persönlich waren?
Etwas sarkastisch bemerkte ich beim Anblick der Bilder von Constitución, einem Fischerdorf an der Küste ca. 300 km südlich von Santiago: Nun hier holst Du Dir keine Muschelvergiftung mehr ( In meinen ersten Familienferien 1991 hatte ich mir eine fürchterliche Vergiftung geholt). Von den Häusern an dieser Strasse steht keines mehr. Auch in Santiago gibt es in dem Stadtviertel, in dem Meine Frau wohnte und das wir noch im vergangen Sommer besucht hatten, empfindliche Lücken, vor allem bei den alten Häusern die den verblassten Charme einer ehemaligen Grösse und Wichtigkeit rund um den Hauptbahnhof spiegelten.
Concepción und vor allem die Hafenstadt Talcahuano, werde ich wohl bei meinem nächsten Besuch nicht in allen Teilen wiedererkennen, denn hier sind die Schäden immens.

Kennen Sie vom Erdbeben Betroffene?
Ich bin in der glücklichen Lage Gott Dank sagen zu dürfen, dass aus meinem direkten Verwandten und Freundeskreis keine Todesopfer zu beklagen sind. Materille Schäden, das ja, und die sind dann auch schwer, wenn man nach 15 Jahren Arbeit, Studium, Teilzeitarbeit nun endlich eine Feste und Gut bezahlte Stelle hat und damit die Grundlage um einen Kredit anzugehen für ein eigenes Haus – und nun vor den Trümmern steht, das ist bitter.
Ein Blick auf die Kirchen und deren Pfarrerinnen und Pfarrer.
Hier ist jetzt ganz viel Arbeit, um die Gebäude wiederherzustellen, und vor allem die Menschen zu begleiten – und zugleich kommt mir aus den Mails neben der Wut über die, welche die Situation nun ausnutzen um zu stehlen und zu Plündern, ganz viel Gottvertrauen entgegen und Mut, die Situation zu ändern.
Chile wollte dieses Jahr gross die 200 Jahre seien Existenz als Nation feiern.
Manches wird wohl anders gefeiert werden müssen, aber es wäre nicht Chile, wenn man sich nicht sofort und gemeinsam an den Wiederaufbau machen würde – auch mit dem Blick nach oben.

Dienstag, 2. März 2010

Erschüttert II

Folgende Meldung konnte ich gerade der Website der Reformierten Presse der Schweiz entnehmen:

Mission 21 unterstützt Erdbebenopfer in Chile


An Land getragene Schiffe in Talcahuano, Chile. (Bild Keystone)
Die Mitarbeitenden von Mission 21 in Chile seien am Leben, wie Mission 21 mitteilt. Die chilenischen Partner sind in Sozialprojekten mitten unter den Schwerstbetroffenen in Santiago und in Concepción tätig. Jahrelange Aufbauhilfe in der Gegend um Concepción werde dringend nötig sein.

Das gewaltige Erdbeben in Chile betreffe die verschiedenen Partner von Mission 21 direkt. Zwar besteht wegen der unterbrochenen Kommunikationswege noch kein genaues Bild über die Schäden und den Hilfsbedarf. Mission 21 ist auch nicht auf sofortige Nothilfe nach Naturkatastrophen ausgerichtet.
Nach bangen Tagen habe Mission 21 die Nachricht erhalten, dass die langjähriger Mitarbeiterin Solveig Schrickl das Erdbeben überlebt hat. Sie engagiert sich in der Region Concepción im Gesundheitsprojekt des Entwicklungsdienstes der chilenischen Methodistenkirche in den Armutsvierteln. Sie wird ihre wichtige Arbeit an der Seite der Betroffenen so gut wie möglich fortführen.
Die Naturkatastrophe in Chile zeige leider, dass die Ärmsten am meisten unter den Folgen leiden müssten, schreibt Mission 21. Damit langfristige Aufbauhilfe dank Projektpartnern von Mission 21 den am stärksten Betroffenen zugute kommen kann, hat Mission 21 eine Sondersammlung eröffnet: Postcheckkonto 40-726233-2, «Vermerk Wiederaufbau, Chile/Projekt-Nr. 426.1001». Das Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz Heks hat keine Projekte in Chile.

Erschüttert

wurde Chiles Erde bis in die Grundfesten.
Wir sind erschüttert über die Bilder, die wir sehen, und die, die wir nicht sehen, auch gar nicht sehen wollen: die Bilder von Toten und Verletzten.
Immer noch nicht haben wir Nachrichten von allen unseren Freunden, und die Nachrichten in den Medien werden nciht besser:
Die Zahl der Toten steigt, die Ueberlebenden sind ohne Wasser und Lebensmittel, und die Plünderungen nehmen zu.
In Concepcion und darüber hinaus gilt Ausgangssperrre. Das heisst von abends 20:00 bis mittags 12:00 Uhr darf sich niemand ohne triftigen Grund ausserhalb seines hauses oder Grundstücks befinden.
Angesichts der Plünderungen hat der Kommandant einen Schiessbefehl herausgegeben.
Böse Erinnerungen werden in den älteren Chilenen udn Chileninnen wach: Die Zeit der Militärdiktatur.
Eine Erschütterung mehr: noch einmal mit ansehen zu müssen, dass das Militär in den Strassen regiert.
Ja, es ist eine Notstandsmassnahme - und persönlich finde ich das durchaus gerechtfertigt. Aber ich habe die Diktatur nicht erlebt, habe nicht erlebt, wie einer meiner Freunde an einer von Militärs errichteten Strassensperre erschossen wurde.
Ich denke, danach sieht man den - notwendigen- Militäreinsatz nochmals anders.
Und ncoh etwas wurde in Chile erschüttert, auch und gerade angesichts der Plünderungen.
Der Galube an eine solidarische Gesellschaft.
Diese Verletzungen gehen nicht weniger tief.
Die Nachrichten aus Chile wurden uns, und einen grossen Teil des chilenischen Volkes noch lange beschäftigen.