AmSonntag war ich in der Lota-Kirche, die heisst so, weil sie in der Avenida Lota in Santiago steht Also eigentlich heisst sie ja anders (El Redentor = Erlöserkiche) , aber fast alle sagen Lota-Kirche. Die Lotakirche wurde 1932-33 von der Deutschen Evangelischen Kirche in Chile gebaut und im August 1933 eingeweiht. In den 50ziger Jahren kam dann der Gemeindesaal dazu und war immer auchSitz des Probstes, bzw des Bischofs der lutherischen Kirche. (vgl zur Geschichte der Lutheraner in Chile u.A. auch. Karl F. Appl, Die Geschichte der evangelischen Kirchen in Chile, erschienen im Erlanger Verlag)Die Kirche gehört der ILCH , der Iglesia Luterana en Chile, der grösseren der beiden lutherischen Kirchen in Chile - immerhin wird die Zahl mit 13500 Gemeindegliedern in ganz Chile angegeben, was für eine evangelische Kirche in Chile schon stattlich ist.
Wie in der IELCH wird auch in der ILCH der Gottesdienst sowohl auf deutsch als auch auf spansich gefeiert. Vorbei die Zeiten, da ILCH für "Deutsche Kirche" stand.
Ich war im deutschsprachigen Gottesdienst.
Nun vielleicht ist es ein Vorurteil, aber es kam mir auch vor, als würde ich irgendwo in Deutschland auf dem Dorf an einem Gottesdienst teilnehmen: Die Kirche, mit einem imposanten Kruzifix im Chor, war ziemlich gut besetzt, eher ältere Gottesdienstbesucher, ein paar wenige junge bzw jüngere Menschen, Verhältnis Frauen Männer 2 zu 1. Die Liturgie war gut lutherisch, ich war sofort dabei, kam mir aus Kindertagen bekannt vor.
Die Predigt ordentlich, aber kein Bezug auf Chile. Das Wort kam nicht vor.
Eben, es ist vielleicht ein Vorurteil, aber die Gottesdienstgemeinde es ist eine Diasporagemeinde, die zumindest am Sonntag, in einer anderen Welt ist, als die die sie umgibt.
Ich weiss, dass ILCH mehr, viel mehr ist, als dieser deutschsprachige Gottesdienst, aber da kam mir das irgendwie fast nicht real vor.
Real war der anschliessende Kirchenkaffee mit guten Gesprächen mit den 2 Kirchenvorstehern und einem der beiden Pfarrer über die Rolle der Kirche in den siebziger Jahren des letzen Jahrhunderts, über die Schwierigkeit, darüber und über die Spaltung (schon) Geschichte zu schreiben, und welches Buch über Kirchengeschichte ich denn empfehlen würde. So waren wir im Gespräch und dann war es doch fast 12:30 Uhr geworden, bis ich zu Hause war, obgleich die Kirche nur wenige hundert Meter von meinem Wohnort entfernt ist.
Anders war der Gottesdienst als die anderen, die ich bis jetzt besucht hatte, aber gerade die Vielfältigkeit von Gottesdiensten und Gemeinden, die trotz allem unter einem Gott und Herrn stehen, macht ja neben anderem auch unser (evangelisches) Christsein aus, dass in einer Institution Platz für Viele und Vieles ist.
