Wunder gibt es immer wiederWarum das?
heute oder morgen
können sie geschehn.
Wunder gibt es immer wieder
wenn sie dir begegnen
mußt du sie auch sehn.
Als Pfarrer kommt man am Thema "Wunder" ja nicht vorbei. Spätestens mit dem Beginn des Studiums setzt man sich als junger, angehender Theologe historisch-kritisch damit auseinander, das heisst, man fragt: "Weshalb wird gerade an dieser Stelle von einem der Evangelisten ein JesusWunder erzählt, worauf möchte er aufmerksam mache, in welchem Kontext steht das Wunder und wie kann man es interpretieren?"
Ich bin meinen ehemaligen Professor Friedrich Hahn an der Uni Giessen bis heute dankbar für die behutsame Einführung in dieses nicht einfache Thema. Er hat im neutestamentlichen Proseminar meine "feste Burg" des Kindergottesdienstglaubens zertrümmert und mir stattdessen aus den Bruchstücken Material mitgegeben, aus dem ich das Haus meines Glaubens zimmern konnte: eine bescheidene Hütte, die mir aber bis jetzt in den Stürmen des Raum bot.
Zurück zum Thema Wunder:
Nun bei "uns", in vielen Gottesdiensten und Gesprächen mit Gliedern der reformierten evangelischen Landeskirche in der Schweiz ist von Wundern wenig die Rede, und wenn, dann wird meist sofort versucht es (auch) wissenschaftlich zu erklären. Und bei denen, die sich nicht zur Kirche und zu den (überzeugten) Christen und Christinnen zählen, ist das Thema Wunder eigentlich überhaupt kein Thema.
Hier in Chile habe ich immer wieder - sowohl in evangelischen als auch in katholischen Kreisen - von Wundern gehört. Ob jetzt durch Heilige oder nicht, das sei für den Moment einmal dahingestellt, denn das wäre eine andere Diskussion. Was mich mich aber immer wieder überrascht hat und überrascht, das ist die "Natürlichkeit" mit der von Wundern gesprochen wird.
Allein zwei Heilungswunder wurden mir diese bzw. die vergangene Woche erzählt: einmal ging es um einen Mann, der von den Aerzten für fast taub erklärt wurde (ein Ohr 0 beim anderen 10 - 20 % Hörfähigkeit) und nun kann er wieder ohne Hörgerät mit seiner Familie reden und das anderem Mal um einen terminaler Krebs, der plötzlich - nachdem eine Gebetskette eingerichtet war - nicht mehr da ist .
Jetzt kann man natürlich spekulieren, ob der je da war, vielleicht haben sich die Aerzte ja geirrt, oder die Chemotherapie hat auf einmal so gut angesprochen nachdem der erste oder der xx. Versuch fehlgeschlagen war, oder da will sich einer wichtig machen (was in beiden Fällen sicher nicht zutrifft) und und und.
Darum geht es mir gar nicht.
Es geht mir darum, mit welcher Natürlichkeit hier Gott etwas zugetraut wird, dass Gott zugetraut wird, dass ER in mein Leben eingreift, und das auf eine Weise, in der es nicht zu erwarten gewesen wäre. So sehen es die, die für diesen jungen Mann beteten.
Aber so wollen es Viele aber nicht sehen.
Es geht um einen Perspektivenwechsel.
Da gab es einen Fernsehbericht über den "Triumpf des Willens": ein Mädchen war unglücklich mit einem Fuss in den Felsen im Meer hängen geblieben. Trotz allem Bemühen konnte sie sich nicht selbst befreien und so stand sie als die Flut kam bis zum Bauch im Wasser.
Als es Nacht wurde, rief die Mutter die Polizei. Die machte sich dann schlussendlich irgendwann auf die Suche. Fand das Mädchen aber nicht. Am nächsten Tag wurde weitergesucht, und am Abend war sie noch nicht gefunden. Nun war die Suchmannschaft überzeugt, dieses Mädchen, wenn am Meer wirklich ein Unglück geschehn ist, ist tot.
Die Mutter aber war davon überzeugt: Meine Tochter lebt und da müsst ihr sie suchen. Sie habe es im Traum gesehen.
Schlussendlich - wohl um Ruhe zu haben, schickte der Suchdienstleiter noch einmal zwei Taucher los, dahin wo man schon gesucht habe - und die kamen mit dem Mädchen , unterkühlt zwar aber sonst gesund, zurück.
Die Reporterin, unterstrich immer wieder, was menschlicher Wille vermöge. Nun ich weiss nicht ob menschlicher Wille etwas ausmacht wenn man fast drei Tage lang seine Füsse in Salzwasser badet, aber das Mädchen bestand darauf, dass Gott ihr geholfen habe. Von Anfang habe sie gebetet, Gott möge ihr helfen - und er habe ihr geholfen.
Menschlicher Wille? Nun er vermag viel.
Aber dieses Mädchen und die Mutter, die diesen Traum hatte und den Polizisten zeigte, wo sie suchen müsen, ist das nicht ein bisschen viel menschlicher Wille?
Nein es geht für mich hier nicht um Wunderglauben, es geht für mich nicht darum mit "Wundern" beweisen zu wollen, dass Gott ist. Das ist mir vollkommen fern.
Aber darauf trauen, darauf vertrauen, dass Gott ist und er durchaus in mein Leben eingreift, dass wäre doch schon einmal ein Schritt um von menschlicher Ueberheblichkeit weg um auf das Wesentliche zu schauen, auf das Leben, das einem Jeden und einer Jeden geschenkt wurde.
Manchmal muss man als Pfarrer wohl sehr bescheiden werden, zu den ganz einfachen Menschen gehen und zuhören, hören dass Gott in ihrem Haus "wohnt" und für sie sorgt: nicht frömmelnd reden sie davon, sondern durchaus auch mit einem Glass Wein heftig auf das Leben anstossend.
