
heisst die ofizielle Bezeichnung der Stelle, die Humberto Lagos Schuffeneger innerhalb der chilenischen Regierung innehat und darum darf er auch dieses Logo benutzen.
Es ist da Büro für Religiöse Angelegenheiten. Humberto, Mitglied der Iglesia Bautista, ist von Haus aus Soziologe, Rechtsanwalt, Politiker, mit Studien in Psychologie und Theologie, Sektenexperte und Universitätsprofessor, hat mehrer Bücher über Religionssoziologie und die Soziologie der Kirchen in Chile geschrieben und ist mit der evangelischen Sache eng verbunden. Wenn jemand die chilenische Kirchenlandschaft, zumindest auf dem evangelischen Flügel, kennt dann ist er es. Das Büro - nur wenige Schritte vom Präsidentepalast entfernt - ist nicht angeschrieben - auch nicht im Verzeichnis der Büros, das unten im Eingang hängt. "Nicht alle haben mich gern", meinte Humberto, den ich seit meiner Arbeit als Dozent für Kirchengeschichte an der Theologischen Fakultät in Santiago kenne. Ich kann mir noch vorstellen, dass ihn nicht alle gern haben, denn schonungslos nennt er Sekte was Sekte ist - auch und erst recht satanistische Sekten, und nimmt auch kein Blatt vor den Mund, wenn es um Machenschaften angeblicher Pfarrer und Kirchen geht, einem Umstand, den man dem sogenannten "Ley del Culto" von 1999 zu verdanken hat: Damals wurde vom Gesetzgeber festgelegt, dass alle Kirchen sich als körperschaften öffentlichen Rechts eintragen können, damit keine Steuern zahlen und weitere Begünstigungen bekommen, z.B. PfarrerInnen, dürfen in Krankenhäusern und Gefängnissen Besuche machen. Bald 2000 evangelsiche Kirchen und Korporationen haben sich seither in das Verzeichnis eingetragen und es werden monatlich mehr. Man stelle sich vor, 2000 (zweitausend) verschieden Kirchen (nicht Kirchgemeinden) in Chile. Dass es darunter auch "schwarze" Schafe gibt, kann nicht ausgeschlossen werden. Humberto hatte im Vorfeld des Gesetzes gewarnt, es müsse eine Instanz geben, die die Anträge nicht nur auf juristische Richtigkeit prüfe, sondern auch auf Inhaltliche. Aber wer soll das tun? Das Theologiestudium ist nicht geregelt. "Pastor" ist nicht, wie der "Pfarrer", ein gesetzlich geschützer Titel. Pastor(a) darf sich jede(r) nennen. Welche Instanz sollte prüfen, ob Gottesdiesnt, Predigt, Ethik und Gesamtaspekt einer evangelischen Kirche gegeben sind? Ein Büro der katholischen Kirche? Bei aller Liebe, aber das würde die Mehrheit der evagelischen Kirchen nicht akzeptieren. Die Lutheraner?, weil sie die älteste evangelische Kirche sind, oder die Presbyterianer, will heissen ein Büro der Reformierten? Oder doch besser die Methodisten? Zu ihnen haben die meisten Pfingstkirchen ein gewisses Vertrauen? Oder doch lieber el Consejo de Unidades Pastorales de la Región Metropolitana - CUPREM, der auch in anderen Provinzen vertreten ist? Nun es gibt keine Antwort, also wird gar nicht geprüft, und jeder kann seine eigene Kirche aufmachen, was der gemeinsamen Sache, die Gute Nachricht zu verkünden und im täglichen Leben sichtbar zu machen überhaupt nicht zuträglich ist. Sicher, das Gesetz von 1999 hat für die Evangelsichen in Chile Fortschritte gebracht, nämlich die eigenen Pfarrer im Regierungspalast, bei der Polizei und beim Miltär, dass die Hochzeiten anerkannt sind, dass evangelischer Religionsunterricht erteilt werden MUSS usw. Es war auch Zeit, denn laut Volkszählung aus dem Jahr 2002 sind 15,1 % der Bevölkerung evangelisch. Humberto Lagos meinte, wenn man richtig gefrägt hätte, wäre man auf 20% gekommen. Die Fragen waren z.T. falsch gestellt, bzw die Befrager wussten zu wenig, wie man die einfachen Menschen nach ihrer Relgion befragen muss. Die Zahl von 4% unter "anderen Religionen" sei viel zu hoch. Ausserdem wurde nur die Bevölkerung büer 14 nach ihrer Religionszugehörigkeit befragt. Kinder aussen vorgelassen. Die Mehrheit dieser - sagen wir 20% - sind den verschiedensten Pfinsgtkrichen zuzurechnen. Aber die Pfingstkirchen beginnen sich zu verprotestantisieren, das heisst, es geht zunehmend um Strukturen und nicht mehr immer um den Geist, der Streit in der Iglesia Metodista Pentecostal sei nur ein Zeichen dafür. Es geht (leider auch) um Macht und Einfluss und das nicht nur innerhalb der Kirche, sondern auch innerhalb der pfingstlich geprägten Familien ist hier ein Paradigemenwechsel festzustellen. Immerhin kann man bald von einer 3. Generation von Pfingstlern sprechen. Waren die ersten Pfingstler meist ganz einfache Menschen ohne Schuldbuldung, so haben in der zweiten Generation ganz viele einen Schulabschluss und von den Jungen hat mancher einen Universitätsabschluss. Hier können nicht mehr handgestrickte Antworen im Schwarzweissmuster mit einem "Gloria a Dios" zusammengebuden werden. Da braucht es Diskurs, Nachvollziehbarkeit, Stringenz. Die Feststellung die der schweizer Soziologe Christian Lalive D'Epinay Ende der sechziger Jahre machte, dass die Pfingstkirchen sich aus allem Weltlichen und auch aus dem politischen Leben heraushalten stimmmt laut Humberto schon seit einiger Zeit nicht mehr, im Gegenteil, unter den Gewerkschaftsführern finden sich auffällig viele Pfingstler, und so stimmt auch das Bild nicht, dass die Pfingstler rechts wählen. Nein, die wählen auch links.
Doch zurück zu den "jungen Wilden". Wo gehen die hin? Die Tendenz ist nicht eindeutig. Einige landen sicher bei den Neo-pentecostales im Barrio Alto, also bei den Halleluja Kirchen mit Sound und Technik in den "besseren" Wohngegenden. Andere aber bei den sogenannten Historischen Kirchen wie den Metodisten, den Presbiterianern, ja sogar bei den Lutheranern. Ja er mochte nicht einmal ausschliessen, dass der Boom der Anglikaner auch von Menschen ausgehe, die eigentlich aus der Pfingsttradition kommmen. Darüber gilt es noch zu forschen, zu fragen zu befragen. Sicher ist, und das tauchte immer wieder in vilen Gesprächen auf, dass es DIE Pfingstkirche in Chile nicht gegeben hat und darum auch DIE Pfingstler nciht. Sicher ist auch, dass die Pfingstkirchen - zumindest im Moment - nicht mehr wachsen, sondern eher vom "sheep-steeling" ausghend auf hörere Mitgliedszahlen kommen (Ausnahmen bestätigen die Regel). Dass es einen "Kampf" zwischen Pfingstkirchen und Neu-pfingstlern gibt, der sich durch die Verprotestantisierung einiger Pfingstkirchen verstärkt, und dass man mit den verschiedenen evangelischen Kirchen in Chile, auch im politischen Sektor rechnen muss, und dass der Staat, trotz Trennung von Kirche und Staat seit 1925 ein Intersse daran hat, die religiösen Gemeischaften zu stärken, ist für Humberto keine Frage. In der offiziellen Berichterstattung des "Religionsbüros", aus dem Jahr 2005, unterschrieben vom Regierungssprecher heisst es: "Der moderne Staat geht davon aus, dass die verschiedenen Formen von Vereinigungen, Organisationen und Gemeinwesen im Allgemeinen nicht nur Respekt und Autonomie verdienen, sondern die aktive Aufmerksamkeit, mit dem Ziel ihren Aufbau, Entwicklung und Wachstum zu fördern. ... Das ist das aktive Interesse auch am Los der verschiedenen spirituellen "Familien" (sprich Kirchen) welches das Handeln der Konzertatiion (aktuelle Regierung)geprägt hat." Man höre gut: der moderne Staat hat ein Interesse am Los und am Ergehen der Kirchen. Es ist ihm nicht gleich, er behindert sie nicht, sondern er fördert sie in ihrer Arbeit, denn Religion ist, ob das einige Politiker und Meinungsmacher wahrhaben wollen oder nicht, Teil des Menschen und damit auch Teil des Zusammenlebens der menschlichen Gemeinschaft. Wer das NICHT ernstnimmt, macht sich schuldig an einer Radikalisierung, Entsolidarisierung und Enthumanisierung der Gesellschaft, was sowohl das Zusammenleben, als auch das Regieren nicht einfacher sondern im Endeffekt nur komplizierter macht.
