
... das fragten mich die Studenten und Studentinnen an der Universidad Andres Bello, an der ich zu einer Gastvorlesung eingeladen war. Thema: Die Herausforderungen des 21 Jahrhunderts für die Kirchen im Vergleich zu den vorhergehenden Jahrhunderten in der Kirchengeschichte - und da lag dann, als wir auf die Rolle der Universitäten bei der Reformation kamen - die Frage auf der Hand.
Die Frage nach der (theologischen) Ausbildung der Evangelischen in Chile ist nicht ganz so alt, aber auch nicht gerde ein neues Thema. Im Grunde genommen ist sie fast so alt wie die evangelischen Kirchen in Chile (ca 130 Jahre) - aber gereicht hat es nie zu einer Universität. Da gab es zwar schon in den zwanziger Jahren gemeinsame Institute zur Ausbildung einheimischer Pfarrer, die aber bald wieder schlossen. In den sechziger Jahren wurde die Comunidad Teologica Evangelica ( CTE ) gegründet, ein Zusammenschluss mehrer evangelicher Kirchen zur Ausbildung ihrer Pfarrer. Auch ein paar wenige Pfingstkirchen waren dabei. Aber die Mehrheit dieser Kirchen hatte kein gesteigertes Interesse an dieser Ausbildung. Am Fernkursprogramm mit einzelnen Elementen wie :"Jetzt verstehe ich die Bibel" und so, davon waren sie begeistert. Aber eine profunde Ausbilung. Keine Chance so ein Programm anzubieten. Wer sollte das bezahlen?
Kam dazu dass die CTE von Anfang an eine starke innerevangelische-ökumenische Ausrichtung hatte, was einigen Leitern der Pfingstkirchen nicht gefiel, und anderen gefiel in der Zeit der Diktatur unter Pinochet die politische Ausrichtung nicht.
Andere, wie die Bautistas, die Baptisten, hatten ihr eigenes Institut, und Pablo Hoff - ein Nordamerikaner - gründete vor 30 / 40 Jahren sein Institut für die Pfingstkirchen (man versehe immer "einige" wenn von "die" die Rede ist). Dazu gab es ein Seminar hier, das der Allianzkirche zum Beispiel und eines dort.
In der CTE, an der ich in Santiago arbeitete kam es zu einem gewissen Auftrieb anfangs der neunziger Jahre: man erkannte, dass es nicht mehr genügt irgendwelche Diplome auszugeben, die im Grunde niemandem nützen. Es wurde ein Programm zur Lehrerfortbildung ausgearbeitet, den staatlichen Entscheidungsträgern vorgelegt - und nun konnten Kurse für Lehrer angeboten werden, damit sie auch evangelischen Religionsunterricht erteilen können. Diese Diplome waren staatlich anerkannt. Endlich ein Mehrwert, der geboten werden konnte. Man unterstrich nun CTE - Facultad de Teologia. Aber es blieb der Traum einer Universität.
Nun, so scheint es, ist eine der grössten Pfingtkirchen zu dem Schluss gekommen, es braucht eine evangelische Univesität. Die Iglesia Metodista Pentecostal weiss aber auch, dass sie dieses Projekt nicht allein stemmen kann, sondern möglichst viele Kirchen braucht, die mitziehen.
Also wurde 2007 die Corporacion Evangelica para el desarollo gegründet, und diese "Entwicklungsgesellschaft" soll zum Träger der Evangelischen Univesität werden. Zu diesem Zweck hat man mit verschiedenen Privatuniversitäten Abkommen geschlossen: Die Corporation stellt die Lehrer, sprich Profesoren und die Universtät gibt einen anerkannten Titel. Im Fall der Universidad Andres Bello, an der ich eingeladen war, heisst er: "Diplomado de Estudios Biblicos & de Gestion Institutional". Klingt gut - findet Interesse.
Das Bild vom "Pastorcito", vom "Pfäffli", - ich karikiere - das irgendwann einmal geträumt hat, auf diesem Grundstück will ich eine Kirche bauen, und sich von nun an abrackerte zwische 3 Jobs, 5 Bibelstunden und 4 Gottesdiensten in der Woche, allein mit der Bibel in der Hand und ohne die geringste Ahnung, was in der Welt ausserhalb seiner Kirche passiert, stimmt - wenn es je so gestimmt hat, wie dei Evagenslichen in Chile gesehen wurden - immer weniger.
Ich sagte in meiner Gastvorlesung: "Die grosse Herausforderung für die evangelischen Kirchen in Chile sei in meinen Augen die Professionalisierung, nicht nur der Pfarrer und der (wenigen) Pfarrerinnen sondern grundsätzlich müsse es jetzt darum gehen - wenn man "Chile für Christus" ernstnehmen will - eine grosse Bildungsoffensive zu starten. Jede(r) Evangelsiche müsse die Chance zur Berufsausbildung, bis hin zur Universiät haben - und da Privatunis teuer seien, wäre die evangeliche Universität, getragen von den evangelischen Kirchen eine vielverprechende Alternative. Der Beifall der knapp 60 Studentinnen und Studenten in der Vorlesung bestätigte, dass ich hier nicht so falsch liege. Es gibt durchaus Männer und Frauen die auf diesem Weg sind und viel Herzblut einsetzen, um in dieser Richtung in Chile weiterzukommen.
