Samstag, 15. Mai 2010

19 %



Nein, das ist nicht die Angabe der Volumenprozent des lokalen Alkohols, sondern die Steigungen bzw. Gefälle auf der Passtrasse von KK nach Tenom. Begleitet von Pastor William von der BCCM hatte unser armer Toyota-Bus noch mehr zu arbeiten als sonst schon;  aber nicht so schwer wie die Nissan Diesel LKW, die – schwer beladen mit mächtigen Tropenholzstämmen – die Strasse hinaufschnaubten und dabei Wolken in die Luft stiessen, die einer Dampflokomotive alle Ehre machen würde.



Es wird nach wie vor herausgeholt, das Tropenholz, obwohl es "untouchable land" gibt, aber wenn ein „Provinzfürst“ plötzlich Geld – oder Land - braucht, ist es eben nicht mehr ganz so unberührbar.

Auf dem Weg nach Tenom verlassene Grossägereien, das Holz ist weniger geworden, rentiert sich nicht mehr, der Timber, und so zieht die Karawane weiter und hinterlässt „Platz“ für den neuen Reichtum Sabahs und Malaysias: Palmöl. Der Tanz um das goldene Kalb!. Wie lange es wohl gut geht?
Reichtum wird in KK zur Schau gestellt. Tenom, ca. 170 km weiter im Süden ist da viel gemütlicher, einfacher, ärmer. Das sieht man an allem, den Häusern, den Strassen und dem Hotel, das an den verloreren Charme eines VEB Hotels in der ehemaligen DDR erinnert. Es ist funktionell, wenn es funktionieren würde, leicht schmuddelig und lässt denen arbeitenden viiiiel Freiraum, um es vornehm auszudrücken.

Internet gibt es keines, warmes Wasser tropft – dafür die ganze Zeit- und die Klima-Anlage kennt nur an- aus- mittel.

Ein Tenom stand plötzlich Pastor Wong von der BCCM neben uns. Er wohnt in Tenom, ist Pastor, lebt aber von seinem „Handelshaus“ und ist in der „chinesischen Kolonie“ bekannt wie ein bunter Hund.

Er führt uns zunächst ins örtliche Museum, danach ins Handy-craft Center der Kirche, wo die Frauen sehr schöne Flechtarbeiten machen. Es ist in der ehemaligen „Missionstation“ der Basler Mission untergebracht und im Besitz der BCCM, seit anfangs der siebziger Jahre die Missionare innerhalb 24 Stunden das Land verlassen mussten.

Im Handycraft center wird ein stückweit auch die Frauenarbeit der BCCM organisiert.

 Logo der BCCM


Selbstverständlich darf ein kurzer Besuch in der Kirche nicht fehlen, und die Kaffeedegustation bei einem Evangelischen, der in zweiter Generation Kaffee anbaut und verarbeitet.Immerhin hat man ausgehend von einer Holzhütte in den sechziger Jahren nun ein staatliches Gebäude mit eiener Abfüllanlage für Bohnen, gemahlenen und Sachett-Kaffe aufbauen können.
Chinesen sind fleissig, das ist nicht nur ein Vorurteil aus den Wildwestfilmen, in denen die Chinesen immer die Wäscherei haben . Das ist so. Peter Li, der uns in KK empfangen hatte, kam als zehnjähriger nach Sabah, mit seinem Grossvater, der chinesische Staat hatte sie während einer Hungersnot ziehen lassen.
Heute mit ca 60 hat  herr Li ein Bauunternehmen, Häuser und zwei Restaurants, die er bereits seinen Söhnen übergeben hat.
Zurück nach Tenom. Der Montagnachmittag ist schon weit vorangeschritten – aber es steht noch ein Kirchenbesuch auf dem Programm. Weit draussen, nur über Staubstrassen erreichbar liegt Agalong, ein Dorf, in der die BCCM eine Kirchengemeinde hat. Im Dorf gibt es eine Kirche, das einzige Steinhaus. Strom? Ja – manchmal, Wasser nicht sauber.Es leben im Dorf etwa 100 Erwachsene und ca 200 Kinder.

Als die Kinder die Fremden in der Kirche sehen, füllt sie sich schnell.
Nach Informationen über Dorf- und Kirchenleben und der Vorstellungsrunde wird ein malaisches Lied gesungen. Wir singen "Vom Aufgang der Sonne" – nicht zum letzten Mal.

Sie würden gerne einen Raum für die Sonntagsschule bauen. Den Platz haben sie schon: unter einem Holz -Wohnhaus.
Ob wir uns hier nicht erkenntlich zeigen könnten. Mit 5000 Franken ist man dabei.
Kinder hat es sicher genug – auch Kinder mit Zeit, denn es gibt ja keinen Fernseher, keine Playstation auch keine X-Box, nur ein Stück Holz, mit dem man „Himmel und Hölle“ auf den baren Lehmboden ritzen kann und (natürlich) einen Fussballplatz.
Jetzt ist der Montag wirklich fast vorbei. Es ist schon dunkel als wir wieder in Tenom eintreffen. Alle sind hundemüde.
Was fehlt? Das obligatorische Abendessen. Pastor Wong hat uns - wie könnte es anders sein – zu einem Chinesen eingeladen und der Tisch biegt sich wieder mal. Diesmal nicht Seafood, aber doch ein Fisch und verschiedene Fleischsorten und viel Gemüse: Tenom ist das Gemüse- und Obstgebiet Sabahs.
Vor dem offenen Restaurant pulst das Leben, zwei Fernsehgeräte dröhnen und Pastor William steht auf und spricht ein Dankgebet.