etwas, das unsere schweizerische und auch die deutsche soziale Gesellschaft auszeichnet ist die Freiwilligenarbeit. Ohne die Arbeit der vielen freiwilligen und ehreamtlich arbeitenden Frauen und Männer würden unsere Gesellschaften anders aussehen. Auch in Chile gibt es Freiwilligen Arbeit - aber sie ist viel weniger verbreitet, was auch durchaus verständlich ist: wer Zeit hat muss erst einmal darum besorgt sein, das Essen auf den Tisch und das Dach über dem Wohnraum zu sichern. Aber es gibt sie, von der Arbeit in den Kirchgemeinden, über die Freiwillige Feuerwehr, die mich - vor allem in den kleineren Städten - dauert, wenn die Männer in Uniform an den Einfallsstrassen der Ortschaft stehen und um Geld für neue Schläuche oder eine neue Tragkraftspritze "betteln" bis hin zu verschiedenen Wohlfahrtsorganisationen. Zu denen gehören die Frauen in Rot, in Grün in Blau und in Weiss. Die "Damas en Blanco", die "Frauen in Weiss" sind Frauen, die seit 1958 als evangelische Christinnen in Spitälern spirituelle und materielle Hilfe leisten. Heute gibt es diese (evangelische) Stiftung in ganz Chile von Arica bis Punta Arenas und fast 1000 Frauen leisten hier eine ganz wichtige Aufgabe. Es ist nicht ein reiner Besuchsdienst, in dem gefragt wird, wie es dem Patienten geht, sondern es wird auf Wunsch gebetet, in der Bibel gelesen, aber auch einmal spazierengegangen, bis hin, dass in einigen Spitälern die Frauen den Krankenschwestern und Pflegern zur Hilfe gehen und die Patienten waschen.
Jede dieser Frauen hat zumindest eine Erste Hilfe Ausbildung und ist für manchen Langzeitpatienen eine wichtige Begleitung. Manchmal bringen die Frauen auch Essen, das am Sonntag vorher als Naturalspende in den Gottesdiensten abgegeben wurde, mit in die Spitäler, und ein Stück Seife oder auch Au de Cologne wird von einigen Patienten sehr geschätzt.
Chilenische (öffentliche) Spitäler dürfen nicht mit unseren Spitälern verwechselt werden: trotz enormer Anstrengungen von Seiten der Regierung der Konzertation die Situation zu verbessern, sind die Zustände in unseren (schweizer) Augen stark an der Grenze bis Unhaltbar. So war ich vor kurzem in einem Spital, das erst Ende der Neunziger Jahre aufgegeben wurde, in dem heute verschiedene Kirchliche und soziale Institutionen eine Heimat gefunden haben: Die Krankenzimmer waren riesige Säle mit Betten für 30 oder 40 Frauen, links vom Eingang und Betten für 30 oder 40 Männer rechts vom Eingang, getrennt von einem Schwesternzimmer in der Mitte.
Es bessert, es bessert gewaltig - aber wie in allen zentralisierten Ländern zuerst in der Hauptstadt undviel viel Später in den anderenRegienen.
Aber ich wollte vond en Damas de Blanco erzählen.
Also die arbeiten seit 50 Jahren, als eine Art "Sozialdienst" der verschiedensten evangelischen Kirchen, und (fast) keiner weiss es. Erst in den letzten Jahren, wohl auch im Zusammenhang mit der zunehmenden Anerkennugn der Evangelischen wird ihre Arbeit öffentlicher.
Letzte Woche hatten sie ihre Jahreshauptversammlung in - wie könnte es anders sein - Santiago. Man hatte mich eingeladen, zu ihnen zu sprechen, und vor allem zuzuhören, was sie zu erzählen haben, wie aus dem Glauben heraus eine Arbeit im Stillen getan wird, die das zeigt, was wir als Christen und Christinnen sein sollten: Barmherzige Samariter und Samariterinnen, die die am Wege aufnehmen, ihnen Liebe und Pflege zukommen lassen, die es selber nicht können.
Die "Frauen in Weiss" sind für mich ein Beispiel der betenden und helfenden Hände Jesu.
Es hat mich tief beeindruckt und der Nachmittag hat mir eine Arbeit der chilenischen evangelischen Kirchen gezeigt, die mir, trotz mancher Jahre in Chile, nicht bekannt war.

