Donnerstag, 16. April 2009

"Von Konfrontation zur Koexistenz"

so beschreibt Juan Sepúlveda, Direktor von SEPADE und Doktor der Theologie das Verhältnis von historischen (evangelischen) Kirchen, wie der iutherischen, der reformierten, der methodistischen oder der baptistischen und den zahlreichen Pfingstkirchen in Chile.

Juan Sepulveda, Misión Iglesia Pentcostal, Direktor SEPADE

Sicher, in den ersten 30 Jahren nach den ersten Manifestation des Pfingstgeistes in Chile 1909 gab es (fast) keine Kontakte, was wohl auch mit den Verletzungen aufgrund der Trennung der Bewegung unter der Leitung von Pastor Willis Hoover von der Methodistischen Kirche zu tun hat.
Hoover selbst hatte keinerlei Interesse an einem Kontakt mit der Kirche, "aus der Gott sie herausgerufen hatte"- und auch die (nord) amerikanischen Missionare, seien es nun Methodisten oder Presbyterianer, die in Chile waren, verstanden die Anliegen der Pfingstbewegung, bzw. der Pfingstkirche nicht und bezeichneten sie abschätzig als Kirchenspalter und Nationalisten.

Willis Hoover, nordamerikanischer Arzt und methodistischer Missionar in Chile, in desen Kirche in Valparaiso die chilenische Pfingstbewegung enstand.

Juan MacKay, ein schottischer Missionar mit lateinamerikanischer Seele, der in Peru lebte, arbeitete und einen Kreis Intellektueller um sich scharte versuchte in den 20er Jahren zu verstehen, was diesbezüglich besonders in Chile passiert, und ein Kreis von fortschrittlichen Theologen begann sich für das Phänomen "Pfingstkirchen" zu interessieren und es zu betrachten, so dass sp´ter die Integration von zwei (kleinen) Pfingstkirchen in den den Concilio Evangelico de Chile 1941 kein Problem darstellte.
In den fünfziger Jahren ist dann eine verstärkte Wahrnehmung und "Annäherung" festzustellen: und es gelingt für die Massenevangelisationen verschiedene Kirchen als Organisatoren zu gewinnen - dabei wurde auch deutlich, dass die Theologie der (traditionellen) Pfingstkirchen und die der historischen Krichen eben nicht "himmelweit" voneinander entfernt sind. Wohl auch das ein Phänomen, dass es so nur in Chile gibt.
In den sechziger Jahren wurde dann die Ayuda Cristiana Evangélica gegründet, sozusagen der "soziale Arm" des vorher erwähnten Concilios.
An dieser Institution waren nun weitere Kirchen interessiert, ging es doch auch um Geld und Einfluss, so dass auch grössere Pfingstkirchen, wie die 1947 aus einer Spaltung hervorgegangenen Iglesia Pentecostal de Chile unter der Leitung von Enrique Chávez sich an die historischen Kirchen annäherten. Langsam wird in Chile das Gefühl eines "Pueblo Evangelico" - zumindest in einigen Kreisen - spürbar. Diese zarte Pflanze wird mit der Pinochet-Diktatur zerstört, denn nun kommt es zu einem tiefen Riss zwischen Befürworten und Gegnern der Diktatur, der quer durch die Kirchen geht, seien es nun Lutheraner, Presbyterianer oder auch Pfingstler. Trotz aller ideologischen Spannungen und Spaltungen war man aber auf Seite einiger (kleinen) Pfingstkirchen durchaus bereit, Beiträge der historischen Kirchen ernst- und anzunehmen, vgl. das Fernkursprogramm der Comunidad Teológica Evangélica de Chile (CTE), das in dieser Zeit breiten Anklang fand.
In der Gegenwart ist die "mesa amplida" als ein gemeinsames evangelische Gesprächsforum zu nennen, allerdings, so Juan S. fehlen hier die offeneren Gesprächspartner, was die Stellungnahmen zum Ley de Antidiscriminación(= Anti Diskriminationsgesetz) deutlich gezeigt haben oder auch die Stellungsnahmen die betonen, dass die Evangelischen in Chile das Evolutionsmodell ablehen, obwohl dies nie in der Mesa besprochen wurde, und was so auch nicht stimmt.
Für Juan ruht die Führung der Pfingstbewegung nicht mehr in Händen der Bischöfe und Praesidenten der grossen Kirchen, sondern die intellektuelle Führung ist bei den kleinen und eher agilen Pfingstkirchen zu suchen.
Schon in den 70er Jahren wurde die Fraternidad Ecuménica de Chile als ökumenische Vereingung gegründet, zu der neben der römisch katholischen Kirche, die orthodoxe Kirche, die meisten historischen Kirchen und einige Pfingstkirchen ihre Delegierten und Repräsentanten schicken - ohne sich allerdings "allzuweit aus dem Fenster zu lehnen", um nicht als "ökumeniker" bezeichnet zu werden.
Und auch bei der kath. Kirche zeichnet sich auf vielen Ebenen ein Umdenken ab: es wird nicht mehr generell von "Sekten" gesprochen, wenn man Pfingstkirchen meint, sondern von "Christlichen Gemeinschaften" und es gibt in der kath. Kirche durchaus auch Vertreter, die den missionarischen Eifer der "Pfingstler" anerkennen.
Von daher kann man laut Juan Sepúlveda sehr wohl von einem Weg von der Konfrontation zu Koexistenz reden, was Hoffnung für die ganze Oekumene gibt, damit wir als Christen Zeichen der Einheit und Verantwort für die Welt geben können.