Sonntag, 26. April 2009

Sonntag und Kirchgang VII


Heute mussten wir nicht zur Kirche laufen, auch nciht mir öffentlichen Verkehrsmitteln los. Heute wurden wir abgeholt. Nein - nicht so feudal wie letzte Woche als der Fahrer des evangelischen Militärgeistlichen vor der Türe stand, um mich zu einer Unterhaltung mit ihm abzuholen.
Heute war es Lucy, eine der guten Seelen der lutherischen "Versöhnungsgemeinde", die gegen 10:00 Uhr wartete, um uns zum Gottesdienst abzuholen.
Ich hatte sie darum gebeten, weil die Fahrt mit Metro und Bus bis zur Kirche "El Buen Samaritano" in Las Condes doch einiges an Zeit kostet - und immerhin hatte ich für heute den Gottesdienst übernommen.
Enno Haaks, der Pfarrer der Gemeinde weilte auf einem Treffen aller deutscher Gemeindepfarrer, die in Lateinamerika arbeiten, in Kolumbien, und da bei Nicht-Anwesenehit des Pfarrers die Gemeindeglieder den Gottesdienst übernehmen müsen wurde ich angefragt, zumal die Gruppe im Mai zwei Gottesdiesnte vorbereiten muss - und danach kommt dann u.U. eine Vakanz, das heisst es ist gar kein Pfarrer da, und dann wird es nochmals schwieriger.
Mit der Versöhnugnsgemeinde verbindet mich ein stückweit meine eigenen Geschichte und von ihr war in diesem Blog schon mehrfach die Rede.
Heute also seit Wochen wieder einmal in anderer Funktion im Gottesdienst. Ich konnte ihn natürlich nicht so schön lutherisch-katholisch gestalten wie Enno, aber zumindest die wenigen Schweizer, die im Gottesdienst waren, haben es sehr geschätzt wieder einmal einen einfachen reformierten Gottesdienst, wortbezogen und mit der Predigt im Mittelpunkt zu hören, während mich nach dem Gottesdienst eine Frau und ein Mann ansprachen, ob denn in der Schweiz im evang. Gottesdienst nicht jeden Sonntag das Abendmahl gefeiert würde. Das hätten sie heute vermisst.
Noch eine Bemerkung zum Gottesdienstbesuch: Ich hatte damit gerechnet, wenn ein fremder Pfarrer da ist, werden nicht so viele Besucher kommen und um 10 Minuten vor 11 Uhr waren auch nur 5 da. Es hat sich in der Gemeinde alelrdings eingebürgert, dass der Gottesdienst zwar um 11 Uhr beginnt, aber das ist die Zeit zur Begrüssung. So richtig fängt er erst gegen 11:10 Uhr an und da dann aber doch 30 Erwachsenen da und 13 Kinder, die nach einem gemeinsamen Anfang in den Kindergottesdiesnt gingen, um dort die Geschcihte vom guten Hirten zu hören und zu basteln.
Total waren zwischen Deutschen, Schweizern, Chilenen, Männern, Frauen und Kindern, evangelischen und katholischen Menschen (obwohl nicht als ökumenisch ausgeschreiben) ca. 15% !! der Gemeindeglieder im Gottesdienst.
Anschliessend hatte ich noch ein ziemlich langes Gespräch mit dem Präsidenten der Kirchgemeinde, in dem es unter Anderem um die Frage ging: Wie gehen wir als Christen mit Menschen um, die in ihrer Aufgabe in der Gemeinde straffällig werden? (Was kann man selbst regeln - wo muss die Justiz eingeschaltet werden. Ein höchst spannendes Thema), und mit einem schweizer Ehepaar, ehemalige Lehrer an der Schweizer Schule in Santiago über Gottesdienstformen und wie man als Kind diesbezüglich geprägt wird.
Auch auf diesem Hintergrund finde ich es sehr schön, dass so viele Kinder in den Gottesdienst kommen - die meisten mit sogar mit Begeisterung, und sei es, weil der Vater ihnen vesprochen hat:"Nach der Kirche gehen wir zusammen auf den Spielplatz."
Auch das kann ja Gottesdienst - Dienst im Sinne Gottes - sein.