Dienstag, 28. April 2009

Sonntag und Kirchgang VII A (und was der mit Migros und Coop zu tun hat)


Dr. Daniel Godoy, Rektor der CTE


denn es war der Montagabend, auf den das Direktorium der Evangelisch Theologischen Gemeinschaft (CTE) zum Eröffnungsgottesdienst des neuen akademischen Jahres der Evangelischen Fakultät in Santiago eingeladen hatte.
Auf dem Programm stand auch die "Clase Magistral" des neuen Rektors, Dr. Daniel Godoy.
Bischof Neftali Aravena hatte in die 1. Methodisten-Kirche im Stadtzentrum eingeladen.
Das Stadtviertel ist heute nicht mehr das beste. Es ist in die Jahre und auch etwas heruntergekommen. Aber als die Methodisten zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach Santiago kamen, war diese Lage in der Nähe des Hauptbahnhofs eine sehr gute Lage für die Kirche, und sie war damals auch sicher jeden Sonntag voll. Ich studiere im Moment in der Nationalbibliothek das Mitteilungsblatt der Methodistischen Kirche in Chile und da kann man 1903/04 von 400 und mehr Gottesdiesntbesuchern lesen.
Doch zurück zum Eröffnungsgottesdienst. 400 waren nicht da, doch gut 60. Es war fast ein Familientreffen, ganz viele bekannte Gesichter, sicher auch ein paar neue, doch die bekannten waren in der Ueberzahl, Hellmut Gnadt, ehemaliger Rektro der CTE war da, viele ehemaligen Profesoren, wie Arturo Chacon, Manuel Ossa oder Dr. Jorge Cardenas. Bischöfe von andern Kirchen waren anwesend udn Juan Albornoz. Ein schlichter Gottesdienst in dem das Wort im Mittelpunkt stand. Daniel Godoy (und seine Frau Cecilia)

Raquel Riquelme und Cecilia

wurde für sein Amt gesegnet

Die Segnung, rechts: Bischof Neftali Aravena

und trat dann an das Rednerpult, um geschickt Predigt und Clase magistral zu verknüpfen.
Grundlage war der 1. Petrusbiref, 1. Kapitel:
"1 Diesen Brief schreibt Petrus, den Jesus Christus zu seinem Apostel berufen hat, an alle Christen, die als Fremde überall in den Provinzen Pontus, Galatien, Kappadozien, Asia und Bithynien mitten unter Menschen leben, die nicht an Christus glauben.

2 a]">[a]Ihr seid Gottes Kinder geworden, weil Gott, unser Vater, euch von Anfang an dazu auserwählt hat. Durch die Kraft des Heiligen Geistes könnt ihr jetzt Jesus Christus als euren Herrn anerkennen, weil er am Kreuz sein Blut für euch vergossen und euch von eurer Schuld befreit hat. Gott schenke euch immer mehr seine Gnade und seinen Frieden."

In einer spannenden Auslegung kam er auf die verschiedenen "Typen" von Fremden im frühchristlichen Umfeld zu reden und darauf wie man in Chile, ja überall in de Welt mit Femden umgeht, ob man ihnen wirklich eine "Parochia", ein Haus für die die kein Haus haben, anbietet?, um dann über die christliche Solidaridät hin zur Solidarität mit der nachfolgenden Generation zu reden kam und so eine Lanze dafür brach, was wir in Europa unter "Bewahrung der Schöpfung" diskutieren - und manchmal auch tun.

Themen die von grösster Brisanz in Chile sind: da ist zum einen die (illegale) Einwanderung von Hunderten von Peruanern, so dass ich erst gestern wieder im Taxi hören musste: "Die Peruaner nehmen uns die Arbeit weg" - Kenne ich doch irgendwo her? und die Katastrophe im Süden mit de Salmonera, also den Lachszuchten die nicht zuletzt aufgrund der hochgradigsten Wasserverschmutzung ihre Pforten schliessen (müssen) und in den nächsten Wochen bis zu 10.000 (in Worten: zehntausend) Menschen entlassen werden.

Wohin, wenn es keine Arbeitsplätze gibt und die einzige Einnahmequelle der Fisch war, den der Grossvater noch mit dem Netz vom Boot auswerfend aus dem Meer gezogen hat. Man dachte es mit den Lachszuchten einfacher zu haben, und die Zuchtfabriken versprachen das Blaue vom Himmel herunter. Aber es kamen immer mehr "Fischfabriken", Zuchtlachs wurde so billig, dass der bei Migros-Budget, bzw COOP Grand Prix im Sonderangbot zu bekommen war - und nun ist das Wasser so trüb und schlecht, dass Fischzucht sich im Süden Chiles kaum mehr rentiert.

Was die Predigt, oder der Vortrag ausgelöst hat, konnte ich gestern nicht mehr erruieren. Der Abschluss an die Eröffnungszeremonie im Gemeinschaftsraum (Keller) der Kirche war eher geprägt von Händeschütteln, Gratulationen und vielen Fotos.

Ich hoffe, die Botschaft wurde gehört und der neue Chef, hilft der Theologischen Fakultät wieder zu einem klaren theologischen und damit auch "politischen" Profil, das sie in den siebziger und achtziger und zum Teil noch zu Beginn der neunziger Jahre hatte, denn ein klares christlich-biblisch fundiertes Statement zu den Problemen des Alltags tut nicht selten Not - nicht nur in Chile.