Dienstag, 14. April 2009

Gemeinsames Auftreten der (evangelischen) Kirchen

ist im Grunde genommen ein Fremdwort. Die kirchliche Landschaft (bezogen auf die nicht-katholischen Kirchen) ist so zersplittert wie die Frontscheibe eines Autos, auf die die volle Wucht eines Vorschlaghamers traf.
Diese Zersplitterung begann bereits mit dem ersten Auftreten der Evangelischen in Chile: Hier die Engländer, die waren anglikanisch, dort die Deutschen, die waren lutherisch, oder auch baptistisch, die Schweizer hielten an der reformierten Kirche fest und die Amerikaner an der Presbyterianischen. Es kamen die Methodisten - und daraus enstanden die Pfingstkirchen, die sich bald teilten. Eine Prozess, der bis heute anhält.
Zwar gab es immer wieder Versuche gemeinsamen Auftretens, wie z.B. in den vierziger Jahren, als ein evangelischer Kirchenrat gegründet wurde, dem aber nur ganz wenige Pfingstkirchen beitraten, dann der CCI und der Consejo der Pastores in den siebziger Jahren, eine Reaktion contra bzw en pro de Pinochett. Dann kam in den neunzigern COE, aber hier ging es nur um das Ley del Culto, also um die Gleichstellung der evangelischen Kirchen mit der katholischen Kirche. Kaum war das erreicht, verlor COE an Bedeutung.
Dann gibt es heute in jedem grösseren Ort die Pfarrräte, aber die sind je nachdem wer der Präsident ist, ganz verschieden gestrickt. Der Versuch eines Rates der Räte ist bislang immer gescheitert, ebenso die Annäherung der historischen Kirchen an die Pfingstkirchen (oder auch umgekehrt). Es gibt aber zumindest einen "Rat der historischen Kirchen", in dem unter anderem die Lutherischen Kirchen und die Methodisten, aber auch die Baptisten vertreten sind.
Dieser Rat versucht mit den Pfingstkirchen ins Gespräch zu kommen und man gründete den "erweiterten Runden Tisch", die "mesa ampliada".

v.l. n. r. die Bischöfe Gloria Rojas (Luth), Nefatli Aravena (Meth), Eduardo Duran(IMPCh)


Zur letzten Sitzung der mesa ampliada war ich von Juana Albonoz, die die Mesa präsidiert eingeladen worden. Treffpunkt: Verwaltungsgebäude der Iglesia Metosita Pentecostal.
Im Sitzungssaal mit dem grossen ovalen Tisch haben wahrscheinlich 20 oder auch mehr Personen Platz. Oben amTisch sitzt Bischof Eduardo Duran Castro von der Iglesia Metodista Pentecostal - Jotabeche Kirche. Er lässt sich informieren, was denn ausser in "seiner" Kirche bei den andern Kirchen für die Hundertjahrfeier geplant sei. Also die IMPCh habe alles fertig, und das Programm wird via Powerpoint vorgestellt.
Ich meine ein Schlucken festzustellen, nicht nur bei den Vertretern der historischen Kirchen.
Zum Glück wird ausdrücklich erwähnt, dass man natürlich für weitere Vorschläge offen sei.
Einer lautet: man solle doch versuchen, etwas Gemeinsames zu organisieren, eine Art Geburtstagsfeier im Nationalstadion. Eine Zeitlang wird noch überlegt und diskutiert, ob man das Stadion am 12. September füllen könne, immerhin finden gut 66.000 Menschen darin Platz - und dann wurde der Entschluss gefasst, den Vorschlag zu prüfen.
Ob man meinen Vorschlag prüfen wird, man möge eine gemeinsame WEB-Page mit allen Aktivitäten rund um das Jubiläumsjahr erstellen, ähnlich der Website für ds Calvinjahr (www.calvin09.org) weiss ich nicht.
Aber immerhin wurde eine gemeinsame Kommission für das Jubiläumsjahr aufgestellt, villeicht wird ja doch noch etwas aus einem Grossanlass, damit man dieses Ereignis der Pfingstbewegung und der Kirchen in Chile feiern kann.
Obispo Duran hat einen Anlass schon fest im Blick, das Te Deum ecumenico, die offizielle Dankesfeier am Nationalfeiertag in seiner vergrösserten Kirche. Stolz zeigt er im Anschluss an die Sitzung die Baustelle. Dier Chef mit goldenem Bauhelm referiert über den Ausbau: 2500 Quadratmeter, die Hälfte Parkhaus und Büros, die anderen 1250 sind reine Erweiterungen des Gottesdienstraumes der Jotabeche Kirche.