Auch wenn die Familien und die Häuser (oder auch in umgekehrter Reihenfolge) kleiner werden, so heisst das lange nicht, dass jede(r) nur für sich allein lebt. Es gibt Anlässe, an denen die ganze Familie zusammenkommt - und das nicht nur an Weihnachten. Beispiel: Mein Freund Miguel und seine Familie. Das sind nicht nur er und seine Ehefrau, das sind nicht nur er, die gemeinsame Tochter, und Paulinas Sohn aus erster Ehe, nein: das sind auch die 3 Töchter aus Miguels erster Ehe - und dann sind da noch die Geschwister: ein Bruder lebt in Deutschland, aber ein weiterer Bruder und eine Schwester leben in Santiago.
Nun hatte der Sohn Magalis, der Schwester, Geburtstag - und Onkel Miguel organisiert:
Einen Platz, so dass alle zusammen sein können. Der war schnell gefunden. Club del Campo de ENTEL, der chilenischen Telefongesellschaft. Den hatte er über einen Schulfreund, Sergio, organisiert, der arbeitet bei Entel (sonst kommt man da in den Club mit Schwimmbad und Grillstellen nicht rein). Sergio übernahm auch das Grillen (nur Holzkohle und Salz, keine Marinade und so) von 10 Kilo Fleisch - und damit Sergio nicht so allein ist, brachte er noch Ehefrau und Enkelkind mit.
Aber zurück zum 24. ? Geburtstag und der Familienfeier. Natürlich hat das Geburtstagskind eine Freundin, die war auch da, und selbstverständlich Magalies Tochter. Selbstverständlich hat auch die einen Freund. Dass der 7 Jahre älter und schon über 30 ist, das hat dann unseren Jan etwas verwundert. Manchmal sind die Kulturunterschiede deutlicher.
Dann war da noch Miguels Bruder und seine Frau.
Selbstverständlich war die Oma zum Geburtstag des Enkels eingeladen - und damit sie als Aelteste nicht so allein ist, nahm sie noch eine Freundin mit.
Die "Ueberraschung" an diesem Geburtstag waren Jan und ich. Miguel hatte niemandem etwas gesagt - und wir waren damals von 1990 bis 1996 nicht nur Nachbarn, sondern teil der Familie Camus - und wir wurden empfangen, als Teil derer, die damals, vor 13 Jahren verloren gingen. Und auch Blanca gehörte sofort dazu.
Es gab viel zu erzählen. Die Stunden des Nachmittgs vergingen wir im Flug.
Dann hiess es zusammenräumen, wer fährt mit wem?
In Miguels Pick up waren wir dann mit 7 Personen. Auch das geht. Man rückt einfach eng zusammen - vor allem als "Familie".
Gut, dass das nach wie vor möglich ist. Es gab ganz schwierige Zeiten für Familiensinn in Chile. Manchmal ging der Riss während der Diktatur Pinochets durch die Familien hindurch, und man getraute sich nicht mehr sich zu treffen, weil es eine gegenseitige "Angst" gab, man könnte dem anderen zu viel sagen, oder aber es könnte dem Einen oder dem Anderen schaden, sich mi tihm getroffen zu haben - selbst wenn es der eigene Bruder war.
Diese hohen Mauern und Risse in den Familien haben - auf lange Sicht - der chilenischen Gesellschaft und Familientradition mehr geschadet, als die Jahre der politischen Isolation und des schmalen Geldbeutels, als es für viele nicht einmal genug zu essen gab.
