
Ab 2011 müssen in Chile alle Religionslehrer einen staatlich anerkannten Titel haben, damit sie unterrichten dürfen - und ab sofort werden alle Lehrer aufgrund ihrers Wissens (schriftlich), mittels Unterrichtsbesuches und anhand eines Films, der imUnterricht gedreht wird, bewertet. Wer sehr gut abschneidet, bekommt mehr Lohn, diejenigen, die mittelmässig abschneiden, bekommen Cursos de reforzamiento, wer dann nochmals "durchfällt", muss sich eine neue Stelle suchen.
Mit zum Equipo der Bewertung gehört Sara Ossa, eine Jornalistin, Mitglied der Iglesia Pentecostal de Chile, die ich vor einigen Jahren in Deutschland auf dem Kirchentag kennenlernte, und Hugo Hormazabal, Journalist, Theologe und Religionslehrer, ausgebildet, (mit Stipendium der Basler Mission) unter anderem an der Comunidad Teologica Evangelica in Chile.
Sie informieren mich über die "Neuerungen der letzen Jahre", betreffend die Stellung der Evangelischen Kirche(n), auch in Bezug auf das Unterrichtswesen.
So müssen z.B. alle Schulen sowohl katholischen als auch evangelischen Religionsunterricht anbieten - und die entsprechenden Lehrer haben. Die Eltern entscheiden dann, in welchen Unterricht sie ihre Kinder schicken.
Die ausreichende Anzahl Lehrer, und nicht nur Religonsleher, zu finden und anzustellen, ist gerade für die öffentlichen Schulen nicht einfach, denn zum Einen ist der Lohn eher im unteren Segment und zum Anderen weisen sie Klassengrössen von bis zu 42 ! Schülern aus.
Lösungsansatz:
Dem Trend folgend, dass Bildung privatisiert wird ( was ich persönlich als sehr fragwürdig empfinde) überlegt sich zum Beispiel die Comuna San Miguel ihre (Volks)Schule einer Stiftung zu übertragen, und das kann durchaus auch eine evangelische Stiftung sein, was bedeuten würde, dass es über kurz oder lang (evangelische) Volksschulen, mit der entsprechenden Ethik im Lehrplan und auf dem Schulhof geben würde. Etwas, das vor 20 Jahren noch undenkbar erschien.
Und noch etwas war vor einigen Jahren undenkbar: Dass man einmal wird Schulen schliessen müssen, da es immer weinger Kinder (auch in Chile) gibgt, wobei der grosse Rückgang für die Jahre 2012 - 2018 erwartet wird.
Aber nicht nur wegen des Geburtenrückgangs, sondern auch wegen der Konkurrenz, müssen die staatlichen Schulen schliessen. Denn Erziehung ist in Chile ein (lohnendes) Geschäft. Der Staat gibt pro Schüler monatlich zwischen 35 udn 50.000 Pesos ( = max 100 Franken) aus. Zum Vergleich, unser Hausmeister erhält im Monat knapp 180.000 Pesos. Wenn man nun eine (subventionierte) Schule mit 800 Schülern "besitzt" sind das 40.000.000 Pesos, ohne das Schulgeld, das die Eltern zahlen. Nun gibt es hier Unternehmen, die bis zu 10 Schulen in verschiedenen Stadtteilen besitzen - aber anstelle eines Erziehungskonzeptes ein Geschäftsmodell, das darauf abzielt mit schönen Fassaden noch mehr Schüler (und noch mdehr Geld) zu gewinnen. Und obwohl der Staat seine Anstrengungen im Erziehungswesen verstärkt hat, kommt das Geld nicht bis in die Klassenzimmer, sondern bleibt im Geldbeutel der Schulunternehmer hängen.
Aber das Problem sitzt noch viel tiefer: Vielen jungen Lehren fehlt die Pädagogik, denn sie wurden in Privatunivesitäten "ausgebildet", die in den Lehrerstudenten eine gute Geldquelle sehen: Man benötigt nur einen Saal, eine Tafel und einen Lehrer, aus welchem Fachbereich er auch kommen mag, einen Lehrplan und fertig ist die Uni. Pädagogig ist der billigste Studiengang - das heisst hier kann die private "Universität" am meisten verdienen. Die Konsequenzen allerdings für das Bildungswesen sind auf lange sicht allerdings fatal.
